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St.Galler Polizisten wegen Waffenhandel vor Gericht

Stephanie Martina, 15. Mai 2017, 05:59 Uhr
Zwei Angestellten der St.Galler Kantonspolizei wird vorgeworfen, Waffen und Waffenzubehör gestohlen und verkauft zu haben. Am 18. Mai müssen sich beide vor dem St.Galler Kreisgericht verantworten.
Zwei St.Galler Polizisten stehen wegen Waffendiebstahls vor Gericht
© Keystone/Sandro Campardo (Symbolbild)

Zwei Polizisten der St.Galler Kantonspolizei werden beschuldigt, Waffen und Waffenzubehör aus dem Lagerbestand der Kantonspolizei oder bei Waffenrückgabeaktionen gestohlen und verkauft zu haben. Unter den gestohlenen Gegenständen befanden sich auch zwei Dienstwaffen ehemaliger Polizeiangehörigen. Die Waffen und weitere Gegenstände sollen in der Schweiz verkauft worden sein. Mitte 2014 wurde gegen die beiden Polizisten Anzeige erstattet. Für die beiden Polizisten gilt die Unschuldsvermutung.

Einsprache gegen Strafbefehl

Weil beide Beschuldigten gegen den Strafbefehl Einsprache eingelegt haben, stehen sie am Donnerstag, 18. Mai, vor dem St.Galler Kreisgericht. Im Konkreten wird der eine Polizist beschuldigt, für die Kantonspolizei St.Gallen zwischen März 2008 und Mai 2012 Waffenrückgabeaktionen organisiert zu haben und dabei diverse Dienstwaffen eigenmächtig verkauft und den Verkaufserlös für sich behalten zu haben. Ausserdem soll ein Beschuldigter aus einem Nachlass, vertreten durch das Amtsnotariat St.Gallen, 64 Schusswaffen angekauft und diese veräussert haben, ohne über die notwendigen Waffenerwerbsscheine oder Waffenhändlerbewilligung zu verfügen. Weiter wird ihm vorgeworfen, gegenüber der Kantonspolizei und dem Amtsnotariat wahrheitswidrig gesagt zu haben, dass er 13 beziehungsweise 14 Waffen davon vernichtet habe.

Waffen aus Waffenkammer entwendet

Der zweite angeklagte Polizist steht wegen Diebstahls, mehrfachen geringfügigen Diebstahls sowie falscher Anschuldigung vor Gericht. Dem Mann wird vorgeworfen, im September 2015 aus der Waffenkammer der Kantonspolizei St.Gallen ein sogenanntes Diopter-Set, eine Visiereinrichtung zum Anpeilen von Zielen mit dem blossem Auge, nach Hause genommen zu haben. Danach soll er ein Inserat auf ricardo.ch publiziert und das Diopter-Set angeboten haben. Dabei soll er das neu zusammengesetzte Diopter einem Verkäufer beziehungsweise einem verdeckten Fahnder der Kantonspolizei Zürich übergeben und den Kaufpreis von 255 Franken eingesteckt haben.

Zudem wird der Polizist beschuldigt, im Zeitraum zwischen Oktober 2015 und Juni 2016 diverse weitere Gegenstände aus der Waffenkammer entnommen zu haben. Dabei soll es sich um leere Ladestreifen für Karabiner, leere Pistolenschachteln und Pistolenholster, mehrere Patronen, einen Lederfrosch, ein Magazin für Karabiner, zwei Bajonette, Gewehrriemen und Höhenkorrektoren gehandelt haben.

Ausserdem soll der Beschuldigte bei der Befragung eine weitere bei der Polizei angestellte Person beschuldigt haben. Diese habe ihm das Diopter-Set auf Nachfrage gegeben. Später soll er seine Aussage korrigiert haben. Die nachfolgende Strafuntersuchung gegen diese Drittperson soll eine zweimonatige dienstrechtliche Freistellung zur Konsequenz gehabt haben.

Stephanie Martina
Quelle: red.
veröffentlicht: 15. Mai 2017 05:59
aktualisiert: 15. Mai 2017 05:59