Handy, Gurte und Co.

Automatische Kontrollen im Verkehr: Welche Geräte hat die Kantonspolizei St.Gallen?

· Online seit 12.01.2024, 05:43 Uhr
Dass die Kantonspolizei St.Gallen mit Radargeräten die Geschwindigkeit misst, wissen wohl alle. Doch hat die Polizei auch Geräte, um die Handynutzung am Steuer zu erkennen? Oder ob die Gurtenpflicht eingehalten wird? FM1Today hat nachgefragt.
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Wöchentlich veröffentlicht die Kantonspolizei St.Gallen die Standorte der semistationären Messanlagen für die Geschwindigkeit. Daneben macht die Polizei auch noch mobile Messungen.

Seit Ende 2022 wird im Kanton St.Gallen auf Autobahnen ein Messsystem eingesetzt, das den Mindestabstand zwischen den Fahrzeugen kontrolliert.

FM1Today hat bei der Kantonspolizei St.Gallen nachgefragt, welche Geräte es für automatisierte Kontrollen bei ihnen überhaupt gibt und wie sie eingesetzt werden.

Geschwindigkeit

Die Blitzer werden überall im Kanton St.Gallen eingesetzt. Im Fokus stehen hier vielbefahrene Strassen oder besonders gefährliche Strecken und Baustellenbereiche auf Autobahnen. «Grundsätzlich muss man aber überall damit rechnen, dass eine Geschwindigkeitskontrolle stattfindet», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Nebst den semistationären Messanlagen ist die Polizei auch mit mobilen Geräten im Einsatz und so flexibler in den Kontrollen. Zudem gibt es auch noch einige wenige stationäre Messanlagen.

Abstand

Seit November 2022 ist im Kanton St.Gallen ein Messsystem für den Abstand zwischen den Fahrzeugen im Einsatz. So können grossflächige Kontrollen über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.

Derzeit hat die Kantonspolizei St.Gallen erst ein solches System, es gibt auch noch keine Pläne für eine weitere Anschaffung.

Schneider: «Wir haben auf allen Autobahnen im Kanton definierte Messpunkte, ab diesem Jahr wollen wir das Messsystem auch auf weiteren Nationalstrassen einsetzen.»

Damit die Polizei das kann, muss zuerst das Eidgenössische Institut für Metrologie die Standorte abnehmen. Das Institut ist für die genaue Messungen und die Prüfung der Messmittel zuständig. Erst wenn es hier das Ok gibt, kann das Abstands-Messsystem der Kantonspolizei St.Gallen rechtsgültig eingesetzt werden.

Lärm

«Natürlich gibt es Lärmmessgeräte. Aber es gibt nicht diesen vielbesagten ‹Lärmblitzer›, bei dem man das Gerät aufstellen kann und es erkennt, ob ein Auto zu laut ist», sagt Schneider.

Die Kantonspolizei St.Gallen hat Messgeräte, die Vormessungen machen. Schneider: «Das gibt uns eine Indikation, ob ein Fahrzeug tendenziell eher zu laut ist.» Aber die Lärmmessung selbst muss dann das Strassenverkehrsamt unter geordneten Verhältnissen durchführen. «Das ist nicht etwas, das man einfach so am Strassenrand rasch macht», sagt Schneider.

Handy

«Die Kontrolle von Ablenkungen ist nach wie vor eine Aufgabe, bei der das menschliche Auge noch immer besser ist als ein technisches System», sagt Schneider.

Bei der Kantonspolizei St.Gallen gibt es keinen «Handyblitzer». Schneider: «Wenn jemand bei einer Geschwindigkeitskontrolle geblitzt wird und das Handy am Steuer hatte, wird das zusätzlich zur Anzeige gebracht.»

Gurtenpflicht

Auch für die Einhaltung der Gurtenpflicht hat die Kantonspolizei St.Gallen kein automatisches Messsystem. Hier gilt der Grundsatz wie bei den Handys. Wird bei einer Geschwindigkeitsmessung ein Verstoss erfasst, gibt es eine Anzeige.

Schneider: «Es kann auch sein, dass man bei einer Kontrolle nicht wegen der Geschwindigkeit, sondern wegen eines anderen Verstosses – wie die Nichteinhaltung der Gurtenpflicht –  angehalten wird. Damit muss man immer rechnen.»

Vignette

Ob es am Auto eine Vignette hat oder nicht, wird nicht automatisch erfasst. Auch dafür werden noch immer Kontrollen mit Polizistinnen und Polizisten gemacht.

Wie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit auf Anfrage mitteilt, wären automatisierte Anlagen auch nicht wirklich dafür geeignet. Sie müssten gleichzeitig erkennen können, ob es eine Klebevignette am Auto hat, oder ob die Halterin oder der Halter eine E-Vignette gelöst hat.

Neue Systeme

Schneider sagt: «Vorderhand wird es bei den Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen bleiben. Die Zukunft interessiert uns natürlich auch, wir überprüfen laufend, ob es neue Produkte auf dem Markt gibt, die uns unterstützen können, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.» Derzeit seien jedoch keine konkreten Neuanschaffungen geplant.

In den Sternen steht noch, ob der Kanton St.Gallen automatische Kontrollschild-Scanner bekommt. Dafür braucht es eine gesetzliche Grundlage. Das Geschäft dürfte im Kantonsrat noch für heftige Diskussionen sorgen.

So wurde der Einsatz solcher Scanner beispielsweise im Kanton Thurgau 2019 vom Bundesgericht gestoppt. Mit dem neuen Polizeigesetz, das im November 2023 verabschiedet wurde, wären die Scanner im Thurgau wieder erlaubt.

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veröffentlicht: 12. Januar 2024 05:43
aktualisiert: 12. Januar 2024 05:43
Quelle: FM1Today

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