St.Galler Regierung

«Autoposer sind ein Problem auf Bundesebene»

Fabienne Engbers, 22. September 2020, 08:14 Uhr
Eine beliebte Rorschacher «Autoposer»-Strecke dem See entlang. (Archiv)
© Tagblatt/Ralph Ribi
Sie haben in der Coronakrise Homeoffice-Verbannten, Schulkind-Eltern und Seeliebhabern den letzten Nerv geraubt: die Autoposer. Deshalb wollten die Rorschacher und Goldacher Gemeindepräsidenten eine gesetzliche Grundlage, um gegen hochmotorisierte Autos vorzugehen. Die Regierung sieht Handlungsbedarf, kann allerdings keine Lösung präsentieren.

Ein idyllischer Spaziergang dem Goldacher Bodenseeufer entlang, in der einen Hand ein Glacé, in der anderen Hand die Hundeleine. Zu Hören gibt es lediglich das Schnattern der Schwäne und das Lachen von Kindern auf dem Spielplatz.

Das war einmal. Die Idylle am Goldacher und Rorschacher Seeufer ist seit einigen Jahren (und seit der Coronakrise vermehrt) gestört durch das lautstärke Dröhnen der Autoposer-Motoren, aus den BMWs und Audis schallt laute Musik, am Steuer sitzen meist junge Männer, die ihre Rennmaschine vorführen.

«Politik muss handeln»

«Wir erhalten viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung, weil sich Leute am Lärm durch die hochmotorisierten Fahrzeuge stören», sagt Dominik Gemperli, Gemeindepräsident von Goldach. Deshalb hat er zusammen mit Röbi Rahts, Stadtpräsident von Rorschach, bei der St.Galler Regierung diesen Sommer eine Interpellation eingereicht, Gemperli reichte zudem eine einfache Anfrage nach.

«Die Politik muss handeln. Polizeikontrollen alleine genügen nicht», schreiben die beiden Gemeindepräsidenten in ihrer Interpellation. Dies zeige auch ein FM1Today-Bericht, wo sich die Autoposer insofern äussern, als dass sie sich nicht von den Kontrollen beeinflussen lassen. Gemperli und Raths fordern deshalb, dass die betroffenen Strassen zu gewissen Zeiten gesperrt werden dürfen.

Autoposer sind überall ein Problem

In ihrer Antwort anerkennt die St.Galler Regierung das Problem der Autoposer. Diese gebe es im ganzen Kanton, unter anderem in Wil, Rapperswil-Jona, Gossau, Heerbrugg und Buchs seien Klagen erhoben worden. «Grundsätzlich bin ich zufrieden, die Regierung hat den Handlungsbedarf erkannt», sagt der Goldacher Gemeindepräsident zu FM1Today.

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Quelle: tvo

Eine gesetzliche Grundlage, um gegen die hochmotorisierten Fahrzeuge vorzugehen, fehle allerdings. «Ein allgemein gültiger, typenunabhängiger Lärm-Grenzwert wurde bis anhin gesetzlich nicht festgelegt», schreibt die Regierung in der schriftlichen Antwort. Nur Fahrzeuge, die einen individuellen Lärm-Grenzwert überschreiten, werden konfisziert.

Strassensperren gesetzlich nicht durchsetzbar

Auch Strassensperren, die von den Gemeindepräsidenten als mögliche Lösung für das «Autoposer»-Problem genannt werden, sind gemäss der St.Galler Regierung gesetzlich nicht durchsetzbar.

«Die Regierung hat damit lediglich die gesetzlichen Grundlagen genannt und damit aufgezeigt, was man momentan nicht unternehmen kann», sagt Gemperli. «Was man unternehmen könnte, damit hat sich die Regierung nicht befasst, konkrete Antworten wurden nicht geliefert.»

«Autoposer-Problem muss auf Bundesebene angegangen werden»

Gemperli wünscht sich jetzt von der St.Galler Regierung, dass sie das Problem der Autoposer auf Bundesebene populär macht. Eine Anpassung des Bundesrechts könnte den getunten und lärmenden Autos nämlich einen Strich durch die Rechnung machen. «Beispielsweise könnte man Bestimmungen betreffend Lärmschutz anpassen oder den Betrieb von bestimmten Motorfahrzeugen für Junglenker verbieten», sagt Gemperli.

Immerhin: Einen Teilerfolg haben die Interpellanten erreicht. An der Kantonsratsession wurde das Thema bereits behandelt. «Regierungsrat Fässler war zeitgleich unterwegs an die Konferenz der Sicherheitsdirektoren aller Kantone der Schweiz und er wurde damit beauftragt, das Thema dort anzusprechen.» Damit bleibt die Hoffnung, dass das Thema Autoposer auf Bundesebene bald eine Lösung erhält, oder dass wir zumindest eine entsprechende Diskussion auf nationaler Ebene führen. «Da werden wir auch den Finger draufhalten, denn das Thema bewegt, das sieht man im täglichen Leben.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. September 2020 05:45
aktualisiert: 22. September 2020 08:14