Bald ist in Rickenbach ausgekatert

Noémie Bont, 24. Februar 2019, 16:36 Uhr
Nach fast 60 Jahren ist der Katerball in Rickenbach ausgetanzt. Am Schmutzigen Donnerstag, dem 28. Februar, verkleiden sich die Ball-Fans zum letzten Mal. Der Ball in Rickenbach ist nicht der einzige, der aus dem Fasnachtsprogramm gestrichen wird.

Der Katerball in Rickenbach hat eine langjährige Tradition. Doch dieses Jahr strömen die verkleideten Katzen, «Kindergärtler» und Popcorns das letzte Mal dorthin. «Es hat sich vieles verändert», sagt Bettina Brauchli, Organisationsmitglied des Anlasses. «Maskenball: Das war einmal.» Der Begriff habe wenig mit den Feierlichkeiten der letzten Jahre zu tun. 1960, als im Restaurant Ochsen das erste Mal das Tanzbein geschwungen wurde, war dies anders. Nur die Frauen maskierten sich und «konnten die Männer an der Nase herumführen», so Brauchli. Um Mitternacht gab es schliesslich eine traditionelle Demaskierung.

«Früher ging jeder hin»

Wie die Gründer zum Namen Katerball kamen, weiss heute niemand mehr. Brauchli vermutet aber: «Die Feier trägt diesen Namen, weil man wusste, dass man danach einen Kater hat.» Bis vor ein paar Jahren sei der Ball in der Region eine riesige Sache gewesen. «Jeder ging hin.» Unterdessen kommen weniger Gäste. «Die sinkenden Besucherzahlen sind gegenüber dem grossen Aufwand nicht zufriedenstellend», erklärt Brauchli. Sie ist Mitglied des Musikvereins Harmonie, der zusammen mit dem Männerchor und der Fussball-Gemeinschaft den Anlass auf die Beine stellte. Für sie sei es schwieriger geworden, Helfer zu finden. Denn die Vereine kämpfen um Mitglieder und der Altersdurchschnitt steigt.

Maskenbälle sind weniger beliebt

«Die Beliebtheit von Maskenbällen sinkt», stellt Brauchli fest. Rund um Rickenbach sind einige Maskenbälle aus dem Programm gestrichen worden. So gibt es beispielsweise in Wil, Zuzwil und Sirnach keine mehr. Auch die «Beizenfasnacht» ziehe weniger Leute an. Restaurants würden sich nur noch selten für die Fasnacht aufmotzen. «Der Konsument hat sich gewandelt», meint die Organisatorin. Früher sei man die ganze Woche an die Fasnacht gegangen. «Heute kann man sich das nicht mehr erlauben», so die erfahrene Festlerin.

Ein Problem des Westens

In Appenzell Innerrhoden tönt es anders: Die Fasnacht ist sehr beliebt, sagt Fasnachtspräsidentin Andrea Mathys. Zwar seien auch weniger Bars geöffnet, doch sonst sei es immer gestossen voll. Es gibt ausserhalb, beispielsweise in Haslen und Eichberg, noch Maskenbälle. «Dann ist es ein Problem im Westen des Kantons St.Gallen», stellt Brauchli aus Rickenbach fest.

«Wenn niemand kommt, lohnt es sich nicht»

In der St.Galler Innenstadt werden keine Maskenbälle veranstaltet. «Vor vielen Jahren gab es diese Bälle noch, doch wenn niemand kommt, lohnt es sich nicht», sagt Bruno Bischof, Präsident der Fasnachtgesellschaft St.Gallen. Sonst habe das Organisationsteam nicht zu klagen: «Wir sind jedes Jahr erfreut über die vielen Fasnachtsbesucher», sagt Bischof. Verschiedene Veranstaltungen seien schon ausverkauft. «Natürlich müssen wir finanziell schauen, dass wir über die Runden kommen», so Bischof. Doch ein grosses, motiviertes Team stehe hinter den Festen.

Am Schmutzigen Donnerstag, dem 28. Februar, ereignet sich in Rickenbach die letzte Sause unter dem Namen Katerball. Getanzt wird ab 20 Uhr in der Turnhalle an der Kirchstrasse. «Die letzten Jahre legten DJs auf», sagt Brauchli. Nun wolle man zum Abschluss etwas Besonders bieten. Es spielen verschiedene Live-Bands und Guggen.
Noémie Bont
Quelle: lou/bon
veröffentlicht: 24. Februar 2019 16:36
aktualisiert: 24. Februar 2019 16:36