«Cyber Unit» soll Hacker-Fälle aufdecken

Fabienne Engbers, 26. März 2018, 19:44 Uhr
Digitale Angriffe auf Unternehmen und Privatpersonen sind für die Kantonspolizei St.Gallen manchmal nicht so einfach zu bewältigen. (Symbolbild)
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Die Kantonspolizei St.Gallen ist nicht gewappnet für Anzeigen im Bereich der Cyberkriminalität. Noch nicht. In Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft St.Gallen soll eine Einheit entstehen, die sich mit Attacken von Kriminellen aus dem Netz befasst.

Ein Kleinunternehmen wird gehackt, alle Dateien sind gesperrt, die Server nicht erreichbar. Die Hacker fordern Lösegeld, bevor sie die Daten wieder herausrücken. Das KMU erstattet bei der Kantonspolizei St.Gallen Anzeige und will, dass die Polizei etwas gegen die Erpressung unternimmt. Doch bislang kann die Kantonspolizei St.Gallen solche Anzeigen nicht befriedigend entgegennehmen. «Wir sind zunehmend konfrontiert mit Delikten, die im Internet begangen werden», sagt Stefan Kühne, Leiter der Kriminalpolizei im Kanton St.Gallen. Die Kantonspolizei St.Gallen verfügt noch über keine Anlaufstelle für Cyberkriminalität. Im Verlauf des Jahres soll daher eine «Cyber Unit» installiert werden.

Täter agieren meist international

Wird jemand von einer Cyberattacke heimgesucht, ist es schwierig, sofort etwas dagegen zu unternehmen. «Die Drahtzieher wissen selbst nicht, wen ihre Malware erreicht, sie streuen diese in einem ersten Schritt. Meist kommen die Hacker aus dem Ausland und besitzen beispielsweise eine russische Adresse», sagt Stefan Kühne. Das Strafgesetz, unter das Erpressungsfälle laufen, gilt aber nur in der Schweiz, der internationale Rechtsweg ist komplex und weitere Ermittlungen gestalten sich schwierig. Experten auf diesem Gebiet fehlen der Kantonspolizei St.Gallen.

Technisches Know-how fehlt

Schon wenn ein Polizist die Anzeige wegen einer Hackerattacke entgegennimmt, ist er möglicherweise überfordert. «Die Kollegen haben keine entsprechenden Fachkenntnisse», erklärt der Kripo-Chef. «Diese Fälle brauchen extrem viel Fachwissen im technischen Bereich.» Dies gilt sowohl für die Kantonspolizei, als auch für die Staatsanwaltschaft.

Bis Ende 2018 soll sich eine kleine Gruppe von zwei bis drei Beamten um die Fälle der Kantonspolizei St.Gallen kümmern, die in den Bereich der Cyberkriminalität fallen. In Zukunft soll sich die Abteilung bei Bedarf dann vergrössern. Nebst Polizisten könnten auch Informatiker und Hacker-Experten für die Kantonspolizei tätig sein. Dass man diese von Google, Apple und Co. abwirbt, ist durchaus eine Möglichkeit. «Falls wir diese bezahlen können», sagt Kühne lachend.

Politik muss entscheiden

Um die Cyber Unit mit entsprechenden personellen Mitteln und einer Ausrüstung ausstatten zu können, braucht die Kantonspolizei finanzielle Mittel. Diese werden von der Politik gesprochen. «Wir werden Mittel im Budget aufnehmen», sagt Stefan Kühne. Der Chef der St.Galler Kriminalpolizei hofft, dass die entsprechenden Mittel vom Kantonsparlament gesprochen werden.

In der Schwerpunktplanung der Regierung von 2017 bis 2027 ist dies bereits vermerkt. «Die Regierung schafft die Voraussetzungen, damit Polizei und Strafverfolgungsbehörden den neuen kriminellen Handlungsformen des digitalen Zeitalters wirkungsvoll begegnen können», steht dort geschrieben. Da die Bedrohung aus dem Netz immer grösser wird, muss auch die Strafverfolgung diesen Schritt machen und sich entsprechend ausrüsten.

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Fabienne Engbers
veröffentlicht: 26. März 2018 19:22
aktualisiert: 26. März 2018 19:44