Coronavirus

Das musst du über die St.Galler Impfstrategie wissen

Dario Brazerol, 17. Dezember 2020, 21:35 Uhr
Die Nebenwirkungen seien nicht gefährlich, könnten aber unangenehm sein, sagt Anita Niederer-Loher, Oberärztin für Infektiologie und Spitalhygiene am Ostschweizer Kinderspital und Kantonsspital St.Gallen.r
© Tagblatt
Ab Januar will der Kanton St.Gallen Risikogruppen und Gesundheitspersonal gegen das Coronavirus impfen. Vorerst stehen Dosen für bis zu 5000 Personen zur Verfügung. Wir klären 9 wichtige Fragen zur Impfstrategie des Kantons.

Wer soll sich impfen lassen?

Die Impfstrategie des Kantons St.Gallen sieht drei Phasen vor. In der ersten Phase sollen sich Bewohnende und Mitarbeitende von Betagten- und Pflegeheimen impfen lassen. In der zweiten Phase sollen Risikopatientinnen und -patienten sowie deren Betreuungspersonen geimpft werden. In der dritten Phase soll auch die breite Bevölkerung sich impfen lassen können.

Wo kann man sich impfen lassen?

In der ersten Phase werden die Impfungen an wenigen Standorten wie Spitälern oder Impfpraxen durchgeführt. In der zweiten Phase kommen grosse Arztpraxen hinzu und ab der dritten Phase können Apotheken eine wichtige Rolle übernehmen. In dieser Phase könnten auch grössere Impfzentren in Messe- und Turnhallen zum Einsatz kommen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Nach den Impfungen sind Nebenwirkungen möglich. Dazu gehören Schmerzen bei der Einstichstelle, aber auch Müdigkeit, Fieber oder Schüttelfrost. Die Nebenwirkungen seien nicht gefährlich, könnten aber unangenehm sein, sagt Anita Niederer-Loher, Oberärztin für Infektiologie und Spitalhygiene am Ostschweizer Kinderspital und Kantonsspital St.Gallen. «Die Nebenwirkungen dauern kurze Zeit an. Der Schutz durch die Impfung ist aber so gut, dass deren Vorteil überwiegt.»

Sollen sich Kinder impfen lassen?

Kinder sollen, zumindest vorerst, nicht geimpft werden. Die Impfstoffe wurden an Erwachsenen, und nicht an Kindern, getestet. Kinder werden laut der Kinderinfektiologin viel seltener angesteckt als Erwachsene, zudem verlaufe die Krankheit bei ihnen deutlich milder. Man gehe deswegen auch nicht davon aus, dass irgendwann die Corona-Impfung auf dem Impfplan der Kinder stehe, sagt Anita Niederer. Auch Schwangere werden vorerst nicht geimpft.

Ab wann wird geimpft?

Noch gibt es keine Zulassung für den Impfstoff und dieser ist auch noch nicht in der Schweiz angekommen. Sobald die Zulassung da ist, soll innert Tagen, höchstens Wochen, mit dem Impfen begonnen werden. Der Kanton St.Gallen geht davon aus, dass dies im Januar der Fall sein wird.

Macht die Impfung andere Hygienemassnahmen hinfällig?

Die Impfung schützt vor der Infektion mit dem Virus. Noch weiss man aber nicht, ob sie auch vor der Übertragung schützt. Deshalb ist es auch bei geimpften Personen wichtig, dass diese weiterhin Masken tragen und den Abstand wahren.

Wie häufig muss man sich impfen lassen?

Jede Person muss sich am Anfang zwei Mal impfen lassen, um die Immunität aufzubauen. Im Moment ist noch offen, ob man sich, ähnlich wie bei einer Grippeimpfung, jährlich nachimpfen lassen muss. «Ich kann mir vorstellen, dass der Schutz relativ lange anhält», sagt Anita Niederer.

Wie viele Personen können sich im Kanton St.Gallen impfen lassen?

Stand heute wird der Kanton St.Gallen zunächst zwischen 5000 und 10'000 Impfdosen erhalten. Da jede Person zwei Mal geimpft werden muss, könnten somit 2500 bis 5000 Personen geimpft werden. Der Kanton stellt aber in Aussicht, dass sich die Anzahl Dosen relativ schnell erhöhen könne.

Gibt es eine Impfpflicht?

Es wird im Kanton St.Gallen keine Impfpflicht geben. Allerdings könnten beispielsweise Airlines oder Fussballclubs verlangen, dass Gäste geimpft sind. Als Arbeitgeber könne man aber keine Impfung von den Arbeitnehmenden verlangen. Dies sei nur möglich, wenn der Bund eine Impfpflicht ausrufen würde, sagt Regierungspräsident Bruno Damann.

Die Medienkonferenz zur Impfstrategie zum Nachlesen

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. Dezember 2020 09:29
aktualisiert: 17. Dezember 2020 21:35