Ausbau

Die HSG wird für die nächsten Jahre zur Baustelle

Fabienne Engbers, Lisa Pillinger, 9. September 2019, 19:31 Uhr
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Das Bibliotheksgebäude der Universität St.Gallen wird bis 2022 saniert.
© Tagblatt/Michel Canonica
Ein neuer IT-Studiengang, ein neuer Medizin-Studiengang, ein neues Learning Center und ein neuer Campus am Platztor – der Universität St.Gallen steht in den kommenden Jahren ein grosser Wandel bevor.

Die Ära «Baustelle» beginnt bereits im November. Dann soll der Spatenstich für das neue Learning Center erfolgen, welches direkt neben dem Bibliotheksgebäude an der HSG gebaut wird. Der Bau kostet rund 50 Millionen Franken, welche durch die HSG-Stiftung aufgebracht werden.

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Das HSG Learning Center soll ab November 2019 gebaut werden. Nebst Lernräumen für Studierende soll es dort auch Schulzimmer geben, welche interaktiven und futuristischen Unterricht ermöglichen.

© pd

Bibliothek wird saniert, der neue Campus wird gebaut

Weiter geht es mit der Sanierung der in die Jahre gekommenen Bibliothek, dieses Projekt wird nach den Prüfungen im Sommer 2020 in Angriff genommen, bis 2022 soll jeweils in den Semesterferien die Bibliothek Stück für Stück saniert werden.

Gleichzeitig wird in der Stadt St.Gallen an der grössten Baustelle gearbeitet. Der neue Campus der HSG am Platztor soll bis 2027 fertig sein. Er bietet zusätzlichen Platz für die Studierenden aller Programme. Platz, der dringend nötig ist.

IT-Studium und Medical Master in der Pipeline

Denn die Statistik zeigt: Die Studierendenzahlen der HSG wachsen jährlich um ein bis zwei Prozent. Mit den neuen Studiengängen wird das Platzproblem empfindlich verschärft. «Deshalb haben wir ab diesem Semester zwei Gebäude zusätzlich gemietet», sagt HSG-Rektor Thomas Bieger.

In genau zwei Jahren sollen die ersten Informatikstudierenden an der Universität St.Gallen ihr Masterstudium starten. Ein Jahr später soll auch das Bachelorstudium zum ersten Mal angeboten werden. Rund 500 bis 600 zusätzliche Informatik-Studierende sollen so bis 2026 an der HSG studieren.

Bereits ein Jahr früher, im nächsten Herbst, sollen die ersten Medizinstudierenden an der HSG starten. Der Medical Master soll 2020 das erste Mal angeboten werden, die Studierenden haben bei Beginn bereits den Bachelor im Sack und starten mit ihrem Masterstudium in St.Gallen. Auch dafür werden jährlich einige Schulzimmer gebraucht.

«Es wurden diverse Projekt aufgegleist, um zeitgemäss für die Zukunft gerüstet zu sein. Im Moment sind wir das nicht, es wird noch einige Jahre dauern, bis die Räumlichkeiten bereit sind», sagt der St.Galler SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker, Präsident des Universitätsrates. Um dem Platzmangel entgegenzuwirken, will die HSG bis dahin weitere Gebäude in der Stadt anmieten oder mithilfe von weiteren Provisorien Platz schaffen. 

Lehrprogramm kontinuierlich angepasst

Nebst den vielen neuen Studiengängen, welche die HSG ausgearbeitet und lanciert hat, wurde auch das bestehende Angebot verbessert und auf den diesjährigen Studienstart in einer Woche angepasst.

Unter anderem wurde der meistgewählte Studiengang, das BWL-Studium, komplett revidiert und angepasst. Im neuen BWL-Bachelor müssen die Studierenden das Programmieren erlernen. Ausserdem sollen die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung vermehrt als Pflichtteil in die Vorlesungen aufgenommen werden.

Dozierende wollen nicht nach St.Gallen kommen

Durch die steigende Anzahl Studierender (2010 waren an der HSG rund 6700 Studierende eingeschrieben, dieses Jahr sind es knapp 9000) braucht es immer mehr Dozierende an der Universität St.Gallen.

«Hier stehen wir vor einer grossen Herausforderung», sagt Thomas Bieger. Früher hätten Dozierende den Ruf einer Universität im Normalfall wahrgenommen. «Heute sehen wir, dass die Berufungen teilweise scheitern, weil die Personen von einer anderen Universität ein besseres Angebot erhalten.» Dieser erhöhte Wettbewerb rührt unter anderem daher, dass vermehrt auch asiatische Universitäten um renommierte Dozierende werben.

Weiter leidet die HSG auch darunter, dass der Kanton St.Gallen seit nunmehr neun Jahren keine Inflationskorrektur bei den Gehältern vorgenommen hat. Da die Uni St.Gallen eine öffentlich-rechtliche Universität ist, gelten für die Dozierenden und Mitarbeitenden die gleichen Regeln wie für die restlichen Kantonsangestellten. «Wie stellen fest, dass wir dadurch an Attraktivität verloren haben im Kampf um die besten Wirtschafts-Dozierenden der Welt», sagt Stefan Kölliker. Dem Abhilfe schaffen soll das neue Universitätsgestz, welches 2022 ausgearbeitet sein soll. 

Spesenskandal-Krise scheint überwunden

Drei Abstimmungen betreffend HSG legte der Kanton St.Gallen dieses Jahr den Stimmbürgern vor, drei Mal sprach die Bevölkerung der Universität ihr Vertrauen aus. Dies trotz des Spesenskandals, der dieses Jahr ans Licht kam. «Ich stelle im persönlichen Umfeld fest, dass grosses Interesse an der Entwicklung der HSG vorhanden ist. Ausserdem hat ein Grossteil der Bevölkerung in irgendeiner Weise Kontakt zur HSG. Ich glaube, wir konnten auch durch getroffene Massnahmen Vertrauen gutmachen und Sicherheit schaffen», sagt Rektor Bieger.

Dies sei nicht nur der St.Galler Stimmbevölkerung, sondern auch den Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden der Universität St.Gallen zu verdanken. «In einer Krise braucht es besonders viel Kraft und Effort, deshalb bin ich sehr dankbar für den Einsatz, den die Angehörigen der HSG leisten.»

Das Herbstsemester beginnt für die Studierenden am 16. September, diese Woche sind die Assessment-Studierenden, welche das erste Jahr an der HSG absolvieren, allerdings bereits in St.Gallen und absolvieren eine Einführungswoche.

Hier der Beitrag von TVO:

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Quelle: TVO

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. September 2019 14:02
aktualisiert: 9. September 2019 19:31