Kulturfestival St.Gallen

«Freuen uns, wieder vor Menschen zu spielen»

Stefanie Rohner, 27. Juni 2020, 06:51 Uhr
Nie in der Geschichte des St.Galler Kulturfestivals war es ein Thema, die Veranstaltung abzusagen. Lange bangte man wegen des Coronavirus, ob im «schönsten Innenhof der Stadt» Konzerte stattfinden können oder nicht. Sie können. Dachs machte am Freitag den Anfang.

Die ersten Takte, das erste Festivalbier, das erste Konzert nach dem Lockdown: Das Kulturfestival St.Gallen ist eines der wenigen Ostschweizer Festivals, das nicht abgesagt wurde. Den Auftakt am Freitag machten Simon Hotz und die Band Dachs.

Bands haben die Bühne vermisst

Doch das Festival wurde nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt, die Veranstalterinnen und Veranstalter haben einen regelrechten «Hoselupf» hingelegt.

«Als die Lockerungen kamen, fanden wir, wir wollen das Festival machen. Schnell entschieden wir uns für lokale Bands, zumal uns das ganze internationale Programm auseinandergebrochen ist», sagt Lukas Hofstetter, Mitveranstalter des Festivals. Die meisten Bands, die angefragt wurden, hätten auch rasch zugesagt. Sie hätten die Bühne vermisst und wieder spielen gewollt.

Jubiläum wurde verschoben

Was das Veranstalterteam – mit Bewilligungen, Zulieferern und Sponsoren – normalerweise in vier Monaten stemmte, haben sie nun in vier Wochen getan. «Die Auflagen haben sich auch laufend geändert, das war anstrengend. Wir sind glücklicherweise ein eingespieltes Team, deswegen hat selbst das gut geklappt», sagt Hofstetter.

Gäste gleichwohl wie Bands hätten sich riesig gefreut, dass das Kulturfestival stattfindet. «Auch wenn manche noch lieber zu Hause bleiben, freut sich die grosse Mehrheit doch darüber, dass etwas passiert.»

Das Veranstalterteam hat das 15-Jahr-Jubiläum um ein Jahr verschoben, das sei aber halb so wild. «Viele Bands, die in diesem Jahr dabei gewesen wären, sind dann im kommenden Sommer dabei. Und wir werden uns sicher noch etwas spezielles für das Jubiläum überlegen», sagt Hofstetter.

«Geschichten entstehen auf Tour»

Der erste, der die Kulturfestivalbühne am Freitag betrat, war Simon Hotz, der am BandXOst mitgemacht hat. Mit seinen politischen und gesellschaftskritischen, aber auch amüsanten Texten brachte er wohl einige zum Nachdenken.

Nach ihm folgten Dachs, die auch lange nicht auf einer Bühne stehen konnten. Basil und Lukas standen für eine TV-Sendung vor der Kamera, das Kulturfestival war aber nun die erste Bühne nach dem Lockdown.

«Wir freuen uns, wieder vor Menschen spielen zu können», sagen die beiden. Kurz vor dem Lockdown hatten Dachs ihr neues Album herausgebracht, konnten es aber nur drei Mal vor Publikum spielen.

«Wir haben Vollgas gegeben, unsere ganze Energie auf das Album verwendet und wir wollten auf Tour gehen. Das ging dann nicht, deswegen haben wir alles etwas runtergefahren. Ich bin schon auch ein wenig in ein Loch gefallen», sagt Lukas. Das Schönste am Touren sei, dass man nie wisse, was und wann es passiert und ob überhaupt was passiert. «So entstehen Geschichten», sagt der St.Galler.

Auch Basil sagt, er sei enttäuscht gewesen, diese Album-Tour nicht machen zu können. «Proben war schwierig und neue Sachen herauszugeben – so kurz nach dem neuen Album – ebenso. Aber als wir sahen, es geht wieder los, probten wir wieder und das macht Spass», sagt der St.Galler.

Ob sie nervös sind, vor dem ersten Auftritt nach dem Lockdown, können die beiden nicht so ganz in Worte fassen. «Es ist seltsam, alle zehn Minuten ändert sich das. Wir haben das Gefühl, alle Songs perfekt beherrschen zu müssen. Gespielt haben wir sie aber noch nicht oft», sagt Lukas.

Das merkt man beiden während des Auftritts dann aber kaum an. Die Beats kommen, die Texte sitzen, das Publikum tanzt.

«Wollte den Anfang nicht verpassen» 

Und das Publikum hat ebenso auf Live-Musik gewartet, wie die Bands selbst. «Dachs war mein letztes Konzert vor dem Lockdown und mein erstes danach», sagt Simon aus St.Gallen.

Das Zusammensein und das gemeinsame Musikhören hat ihm gefehlt, damit dürfte er nicht alleine dastehen. Samuel aus St.Gallen geht es genauso. «Ich habe mich gefreut, dass das Festival stattfindet und ich wollte den Anfang auf keinen Fall verpassen.»

Er hat sich in den Vorjahren von ihm unbekannten Band überraschen lassen, in diesem Jahr kennt er die meisten. «Das ist auch okay. Es ist ja auch klar, dass man die meisten Ostschweizer Bands schon kennt.»

Pascal aus St.Gallen ist das erste Mal am Kulturfestival und entschied sich spontan für den ersten Abend. «Es ist gut, die lokalen Bands gerade in dieser Zeit zu unterstützen. Ich habe mich sehr gefreut, dass dieses Festival stattfindet.» Normalerweise wäre er um diese Zeit am OpenAir St.Gallen. «Das ist zwar schade, aber das Kulturfestival bietet auch gute Musik.»

Und das kommt nicht nur bei ihm gut an, sondern auch bei dem Stammgästen und all jenen, denen Live-Konzerte gefehlt haben. Auch wenn nicht ganz so viele Menschen im Innenhof des Historischen- und Völkerkundemuseums sind: Das Festivalfeeling könnte schöner kaum sein.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Juni 2020 06:51
aktualisiert: 27. Juni 2020 06:51