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Grabs lädt zur Jungbürgerfeier und blitzt bei den Jungen ab: «Das gibt mir zu denken»

13. Mai 2022, 09:20 Uhr
Die Gemeinde Grabs scheint den Draht zu ihren jungen Bewohnerinnen und Bewohnern zu verlieren. Auf die offizielle Einladung für die Jungbürgerfeier reagieren nur vereinzelt Jugendliche, der Rest schweigt. In einer Facebook-Gruppe gibt sich der Gemeindepräsident enttäuscht.
In einer Facebook-Gruppe lässt der Gemeindepräsident seine Enttäuschung freien Lauf und erntet dafür Kritik.
© Tagblatt/Facebook.com/FM1Today

Junge Menschen für Politik in ihrer Gemeinde zu begeistern, ist schwierig. Eine Tatsache, die auch die St.Galler Gemeinde Grabs feststellen musste.

Kaum jemand reagiert auf offizielles Gemeindeschreiben

Der Grabser Gemeindepräsident Niklaus Lippuner klagt öffentlich auf Facebook über seine Bewohnerinnen und Bewohner. In einem Post schreibt er: «Die Jugend gibt mir zu denken.»

Im Rahmen der offiziellen Jungbürgerfeier wurden junge Erwachsene eingeladen, die dieses Jahr volljährig werden. Das Problem: Nur fünf von insgesamt über 60 Personen wollten teilnehmen. 40 Personen reagierten gar nicht erst auf die Einladung der Gemeinde. Wieso das so passiert ist, kann Lippuner nicht verstehen. «Bowling ist neuzeitlich und beliebt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen», schreibt er.

In einer Facebook-Gruppe lässt der Gemeindepräsident seine Enttäuschung freien Lauf und erntet dafür Kritik.
© Tagblatt

Eine Einstellung, die auf Facebook nicht gut ankommt. «Ich glaube, man müsste sich einfach mit den Jungen absprechen, was sie gerne machen würden», so ein Nutzer. Man müsse über seinen Tellerrand schauen und den Jugendlichen auch etwas Zeitgemässes bieten, wie zum Beispiel eine Party. Niklaus Lippuner schreibt dazu auf Facebook, dass das Programm von Lernenden der Gemeinde organisiert werde. Auf Nachfrage von FM1Today wollte er nicht weiter Stellung nehmen.

Jungbürgerfeiern im Rheintal immer weniger besucht

Auch andere Gemeinden kämpfen mit der Teilnehmerzahl für ihre Jungbürgerfeiern. Schon seit sieben Jahren lässt zum Beispiel die Grabser Nachbarsgemeinde Buchs die Feier immer wieder ausfallen. «Wir mussten bereits vor Jahren feststellen, dass das Interesse der Jugendlichen, eine solche Veranstaltung zu besuchen, kaum vorhanden ist», schreibt Reto Latzer, stellvertretender Stadtschreiber von Buchs.

St.Gallen als Jungbürger-Vorbild

Besser läuft es in der Stadt St.Gallen mit den Jungbürgerfeiern. So organisieren die Verantwortlichen seit Jahren jeweils einen Silent Rave auf dem Areal Bach in St.Fiden. Eingeladen werden alle 18-Jährigen, auch jene ohne Schweizerpass. Ziel ist es nicht, die jungen Erwachsenen zu erziehen, sondern ihnen mit einem spannenden Anlass etwas zurückzugeben.

Keine zeitgemässe Einladung in Grabs

Möglicherweise liegt es aber in der Gemeinde Grabs gar nicht erst am verhältnismässig unspektakulären Programm. Einige mutmassen auf Facebook, das Problem sei der Anmeldetalon für die Jungbürgerfeier. Denn die Gemeinde verlangte von allen eine schriftliche Antwort auf die Einladung, auch wenn man nicht teilnehmen wollte. «Ich kann gut verstehen, dass sich niemand die Mühe macht, extra einen Zettel auszufüllen, um sich an diesem Event abzumelden», schreibt ein Nutzer. Es sei schlicht zu viel Aufwand und entspreche einfach nicht mehr den Bedürfnissen der jungen Erwachsenen.

(noh)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. Mai 2022 05:41
aktualisiert: 13. Mai 2022 09:20
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