«Haben über die Vorschriften nur gelacht»

Laurien Gschwend, 10. September 2018, 16:51 Uhr
Nur im Sport-BH trainieren – für manche Sportzentren kein Problem. (Symbolbild)
Nur im Sport-BH trainieren – für manche Sportzentren kein Problem. (Symbolbild)
© iStock
Keine Trägertops und Hotpants: Die Kleidervorschriften der Migros-Aare-Fitnesszentren sorgen bei Kundinnen und Kunden für Kopfschütteln. Auch Ostschweizer Sportclubs halten wenig von den strengen Regeln.

«Wir haben nur gelacht, als wir den Artikel über die Vorschriften gelesen haben», sagt Thomas Roth, Mitinhaber der «Fitnessrebellen» in St.Gallen und Abtwil. Wie die NZZ am Sonntag berichtet, weisen die Fitnesszentren der Migros Aare mit Plakaten darauf hin, sich angemessen zu kleiden. Angemessen – das heisst, dass die Oberschenkel mindestens handbreit bedeckt werden müssen. Die Regel mit der Handbreite gilt ebenfalls für Schultern und Achseln, weshalb Trägerleibchen tabu sind. Die Gründe für den Dresscode: Ästhetik, Respekt und Hygiene.

Die Vorschriften seien ein Rückfall ins letzte Jahrhundert, meinen die Kundinnen und Kunden auf Facebook, schreibt die NZZ am Sonntag. Bei solchen Regeln könnten sie ja gleich den Skianzug anziehen, um auf dem Laufband zu trainieren.

Sport-BHs und «oben ohne» erlaubt

Für Roth von den «Fitnessrebellen» kommt es nicht in Frage, Kleiderregeln für seine Zentren aufzustellen. Die Hauptsache sei, dass niemand nackt oder mit freiem Oberkörper zum Training erscheint. «Ich bin seit 35 Jahren in der Branche und hatte noch nie Probleme mit falsch gekleideten Leuten.» Es hätten sogar schon Frauen gefragt, ob es in Ordnung sei, nur im Sport-BH zu trainieren. «Das ist bei uns erlaubt.»

Leicht gekleidet zu sein, bedeute nicht, keinen Wert auf Hygiene zu legen, sagt Roth. Wer beispielsweise nur im Sport-BH trainiert, putze die Geräte nach dem Gebrauch oft gründlicher als jemand, der die Übungen mit einem durchnässten T-Shirt macht. Die «Fitnessrebellen» planen, im St.Galler Neudorf eine Sportanlage mit Aussenbereich zu eröffnen. «Dort wird es auch erlaubt sein, oben ohne zu trainieren», kündigt Mitinhaber Roth an.

Keine Probleme bei Migros Ostschweiz

Anders als bei der Genossenschaft Aare gibt es bei den Fitnessbetrieben der Migros Ostschweiz keine Regel, die das Tragen ärmelloser Shirts oder anderer knapper Kleider verbietet, sagt Migros-Ostschweiz-Sprecher Nico Canori auf Anfrage. «Die Kleidung unserer Gäste führt glücklicherweise nicht zu Diskussionen oder Problemen.»

Aus Sicherheitsgründen werde den Trainierenden vorgeschrieben, geschlossene, saubere Schuhe zu tragen. «Wenn es vergessen ging, weisen unsere Instruktorinnen und Instruktoren die Gäste darauf hin, ein Tuch zu unterlegen», sagt Canori. Schwitze jemand beim Ausdauertraining stark und mache danach Krafttraining, würden die Angestellten sie oder ihn darum bitten, das Oberteil zu wechseln.

«Angemessen und diskret»

In der Hausordnung der Update-Fitnesskette von Coop mit Hauptsitz in Uzwil ist vermerkt, dass die Besucherinnen und Besucher saubere Trainingsschuhe und «angemessene, diskrete Sportbekleidung» tragen sollen. Ein Verbot für gewisse Kleidungsstücke gibt es jedoch nicht. «Bei Bedarf werden unsere Trainingsgäste diskret und persönlich auf die Kleiderordnung aufmerksam gemacht», sagt Marketingleiter Phil Haid. «Dies kommt aber sehr selten vor und stellt bei uns im Tagesgeschäft keine Probleme dar.»

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 10. September 2018 14:55
aktualisiert: 10. September 2018 16:51