Ebnat-Kappel

Riesen-Boccia aus dem Heissluftballon

Linus Hämmerli, 30. August 2019, 19:29 Uhr
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Quelle: TVO

Heissluftballone so weit das Auge reicht: Im Toggenburg finden die internationalen Ballontage statt. Von rot, grün über eckig oder rund: 24 unterschiedliche Heissluftballone sind am Start mit Fahrern, die alle dasselbe Ziel verfolgen.

Es ist stockfinster, morgens um 5.30 Uhr. Rund um das noch totenstille Ebnat-Kappel begeben sich die Teams auf die eifrige Suche nach dem perfekten Startplatz. «Sind wir hier in einem Seilpark gelandet?», fragt sich Heissluftballonfahrer Luc. Auf den Hügeln Ebnat-Kappels gebe es Wiesen zum Starten en masse. Über diesen wacht aber ein dichtes Stromleitungs-Netz. Ein Start hier, zu riskant. Die Fläche von Krummenau bietet schliesslich gute Spots. Spots in traumhafter Kulisse: Die Churfirsten ragen über dem Toggenburg heraus und der Himmel bekennt allmählich Farbe.

Der zweite Tag der 10. Internationalen Ballontage Toggenburg beginnt. Rund 20 Heissluftballone steigen in die Luft und lassen sich vom Wind zu einem bestimmten Punkt treiben. Ein Fuchs, ein Abwaschmittel, mit roter, blauer, gelber Hülle – jeder Heissluftballon ist einzigartig. Das Ziel aber ist dasselbe. Es ist eine Art Boccia-Spiel in der Luft: So nahe wie möglich an einem vorgegebenen Punkt soll jedes Team sein personalisiertes Säcklein abwerfen. Präzision ist gefragt.

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Seitens der Ballonfahrer ist ein feines Händchen gefragt.

© FM1Today/Linus Hämmerli

Der Blick in die Weite also ist wichtig. Nicht nur wegen der Churfirsten, sondern auch wegen des Windes: Anhand von Kaminrauch oder Flaggen kann die Windrichtung gedeutet werden. Den einen gelingt die Deutung und sie können ihr Säcklein beinahe punktgenau platzieren, andere werden vom Winde verweht und kommen vom Kurs ab.

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Je näher, desto besser: Es gilt mit dem Säcken, die Markierung möglichst in der Mitte zu treffen.

© FM1Today/Linus Hämmerli

Dies ist aber nicht weiter tragisch. Einen Gewinner oder Verlierer gibt es in dieser Art nicht. An den Toggenburger Ballontagen geht es um die Freude am Sport, am Ballonfahren, richtig: fahren. «Man fliegt nicht mit dem Wind, sondern fährt mit ihm, lasst sich von ihm treiben», erklärt Luc über den Dächern Ebnat-Kappels. Luc ist quasi im Heissluftballon gross geworden. Mami, Papi, Grossvater und Tante: Alle waren sie Ballonfahrer, so kam es, wie es kommen musste und Luc machte das Brevet.

Kein Brevet braucht man, um das Boccia-Spektakel der Lüfte als Zuschauer mitzuverfolgen. Noch bis am 1. September ist ein Besuch möglich. Ob im Korb selbst oder auf dem Boden: Unzählige Menschen geniessen die Sicht auf den bunten Ebnat-Kappeler Himmel. 

Linus Hämmerli
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. August 2019 14:48
aktualisiert: 30. August 2019 19:29