Rorschacherberg

Schiedsrichter sammelt Sport-Bons für 163'000 Franken

1. April 2021, 07:47 Uhr
Filip Mihajlovic ist als Schiedsrichter für den FC Rorschacherberg tätig.
© Filip Mihajlovic
Er dürfte wohl so viele «Support your Sport»-Bons eingescannt haben wie sonst keiner: Der 19-jährige Filip Mihajlovic unterstützt den FC Rorschacherberg mit über 8000 gesammelten Bons. Dazu nimmt er auch seine Familie, Freunde und Bekannte in die Pflicht.

Es wäre alles angerichtet für die Fussball-Saison. Die Frühlingssonne lässt den Rasen dieser Tage in der Farbe unserer Kinderträume leuchten. Dazu der unverwechselbare Geruch der Erde, den niemand je vergessen kann, der das Spiel von Kindesbeinen an gespielt hat. Es ist jener Geruch, der einen unter der Woche beim Training den Arbeitstag vergessen lässt, und jener, der einen am Wochenende in Aufregung versetzt, wenn es ernst gilt.

Trotz Sonne, trotz Geruch, trotz Lust auf missratene Flanken und falsche Einwürfe in den Ligen des fussballerischen Niemandslands geht jedoch nach wie vor gar nichts. Pandemiebedingt bleiben Trainings mit Sicherheitsabstand das höchste der Gefühle, die Wiederaufnahme der Saison verschiebt sich immer weiter nach hinten, falls am Ende überhaupt noch gespielt wird.

Für die Fussballvereine (und alle anderen Sportvereine auch) eine strapaziöse Zeit. Spiele und Veranstaltungen fallen aus, damit versickern auch die Einnahmequellen.

Sammeln, was das Zeug hält

Um den Vereinen unter die Arme zu greifen (und um den eigenen Absatz anzukurbeln) hat die Migros vor einiger Zeit die Aktion «Support your Sport» lanciert. Sie verteilt damit tausende Sportbons unter den Kunden – und Millionen von Franken unter den Vereinen. Je nachdem wie viele Bons für einen Verein eingelöst werden, fällt dessen Anteil aus dem Migros-Topf höher aus.

Auf Zwischenrang 12 in diesem Ranking befindet sich der kleine Fussballverein aus Rorschacherberg. Zu verdanken hat dies der Verein vor allem einer Person: Filip Mihajlovic. Der 19-Jährige hat alleine rund die Hälfte der über 16'000 eingelösten Bons beigesteuert.

Bei der Migros erhält man einen Bon für einen Einkauf von 20 Franken. Der Gegenwert der von Mihajlovic gesammelten 8143 Bons entspricht also rund 163'000 Franken. Unglaublich.

Bleibt die Frage, wie er das angestellt hat.

«Ich habe nicht lockergelassen»

Nein, Mihajlovic hat kein Zelt vor der Migros-Filiale aufgebaut, um jeden Kunden um die Sportbons anzubetteln. Vielmehr hat er sich ein Netzwerk von Unterstützern aufgebaut. «Meine Oma zum Beispiel. Sie ist Hauswartin und hat ihrerseits viele Anwohner gefragt, die ihr immer wieder Bons geben. Dazu kommen meine Eltern, Tanten, Onkel, Freunde und Bekannte», sagt der 19-jährige Student.

Es sei interessant, zu beobachten, dass viele seiner Unterstützer und Unterstützerinnen ihrerseits Feuer und Flamme für die Aktion geworden sind und sich eigene Netzwerke aufgebaut haben. Der Start sei jedoch durchaus holprig gewesen.

«Ich habe viele Leute angeschrieben und auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, den FC Rorschacherberg in dieser schwierigen Phase zu unterstützen. Erst war das Echo nicht besonders gross, doch ich habe nicht lockergelassen, mich immer wieder gemeldet und allen klargemacht, dass ich es ernst meine.»

Verkaufstalent bereits als Junior

Die Zielstrebigkeit von Mihajlovic überrascht beim FC Rorschacherberg niemanden. Vereinspräsident Pascal Huber erinnert sich daran, wie der heutige Schiedsrichter früher Tombola-Lose verkaufte: «Am Chlausturnier müssen alle Mitglieder eine gewisse Anzahl Lose verkaufen. Nicht unbedingt eine beliebte Aufgabe, aber Filip kam nach kürzester Zeit mit voller Kasse zurück um neue Lose abzuholen.» 

Er habe seinen Kulleraugen-Blick so perfektioniert, dass die Besucher die Lose wegen Filip kauften, statt dem möglichen Gewinn. Der grosse Wunsch des etwa 12-Jährigen sei es gewesen, für die Tombola arbeiten zu dürfen. Das wurde ihm versprochen – sollte er es schaffen, 800 Lose zu verkaufen.

«Er hat seinen Willen am Ende bekommen», sagt Huber. Genauso unnachgiebig zeigt sich Mihajlovic bei den Sport-Bons, auch wenn er dafür viel Zeit investieren muss.

«Wenn meine Oma mir ein grosses Couvert mit Bons überreicht, dann freue ich mich zuerst sehr – weiss aber auch, dass der anstrengende Teil erst anfängt», sagt Mihajlovic. Er habe deswegen die Abläufe optimiert: «Am besten geht es mit der Frontkamera des Laptops, es ist ein wenig wie einscannen an der Kasse.»

Dankbarer FC

Mit über 8000 eingescannten Bons dürfte wohl niemand in der Schweiz mehr Zeit auf der Seite von «Support your Sport» verbracht haben als der junge Rorschacher. Beim Verein ist ist die Freude darüber gross.

«Wir alle sind stolz und dankbar für Filips unglaubliches Engagement, zugleich aber auch für die vielen anderen Unterstützer, die uns ihm Rahmen ihrer Möglichkeiten Vereinsbons schenken. Dazu zählen auch viele Ehemalige, die den FC Rorschacherberg wie Filip im Herzen tragen», sagt Präsident Huber. 

Der kleine Verein oberhalb des Bodensees wird bei der Aktion der Migros voraussichtlich gut abschneiden und seinen Junioren mit dem Geld neues Trainingsmaterial zur Verfügungen stellen können. Trotzdem wünschen sich die Vereinsmitglieder, dass endlich auch wieder gespielt werden kann. 

Und der eine oder andere möchte vielleicht auch mal wieder Guetzli essen, die es bei einem anderen Detailhändler gibt. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 1. April 2021 05:50
aktualisiert: 1. April 2021 07:47