Toggenburg Bergbahnen verlängern Übernahmeangebot

Lara Abderhalden, 8. November 2017, 13:44 Uhr
Die Toggenburg Bergbahnen verlängern das Übernahmeangebot bis nächsten Herbst.
Die Toggenburg Bergbahnen verlängern das Übernahmeangebot bis nächsten Herbst.
© Tagblatt/Urs Bucher
Der Bergbahnenstreit im Toggenburg nimmt kein Ende: Das Übernahmeangebot der Toggenburg Bergbahnen an die Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus wurde bis Ende September 2019 verlängert. In Wildhaus weiss man nichts davon.

«Die Fusion (...) ist die einzige Lösung, um das gemeinsame Skiticket zu retten und das Gedeihen des Tourismus im Toggenburg zu ermöglichen», sagte die Präsidentin der Toggenburg Bergbahnen Mélanie Eppenberger in der Generalversammlung Ende Oktober. Deshalb habe der Verwaltungsrat der Toggenburg Bergbahnen eine Fusion angestossen und allen Aktionären von Wildhaus ein Angebot gemacht.

Verlängerung des Angebots

Dieses Übernahmeangebot sollte am 10. November 2017 auslaufen. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Rücklauf und stellen fest, dass die Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus AG zunehmend die strukturelle Problematik des Tarifverbundsystems verstehen.» Wie viele Wildhauser ihre Aktie bis zu diesem Zeitpunkt zum Verkauf anbieten wollten, ist von Mélanie Eppenberger nicht zu erfahren. Sie weist darauf hin, dass wiederholt versucht wurde eine Fusion aufzugleisen. «Nebst der Generalversammlung durfte der Verwaltungsrat mit Freude erfahren, dass die Notwendigkeit einer Fusion nun auch von Gemeinde und Toggenburg Tourismus erkannt und unterstützt wird», sagte sie an der GV.

Aus diesem Grund habe man sich entschieden, das Angebot an die Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus bis zum 30. September 2019 zu verlängern. «Damit können die Wildhauser Aktionäre ihre Entscheidung in voller Kenntnis über das endgültige Schicksal des gemeinsamen Tickets treffen», heisst es in einer Mitteilung. Im Jahr 2019 läuft nämlich der Vertrag des Tarifverbunds aus und ein gemeinsames Ticket ist nicht mehr garantiert. Es liege in den Händen der Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus, das gemeinsame Gedeihen des Wintertourismus im Obertoggenburg zu ermöglichen.

«Das könnte noch einen Kampf geben»

Bei den Bergbahnen Wildhaus wusste man bis zum Anruf von FM1Today nichts von der Verlängerung des Übernahmeangebots: «Ich habe davon noch nie etwas gehört», sagt Verwaltungsratspräsident Jack Rhyner. «Es erschüttert mich aber mittlerweile nichts mehr. Jetzt versucht sie es also auf diesem Weg.» Klein beigeben werden die Bergbahnen Wildhaus aber nicht: «Das könnte noch einen Kampf geben.»

Im Moment würden Gespräche mit dem Kanton laufen, worum es dabei geht, sagt Jack Rhyner nicht. «Dass wir durch die Verlängerung des Übernahmeangebots auf das Geld des Kantons noch länger verzichten müssen, wird nicht passieren.» Die Bergbahnen Wildhaus mussten vorläufig auf Geld des Kantons für den Bau von neuen Sesselliften verzichten. Dies solange sich die Bergbahnen nicht geeinigt haben.

Auch für Jack Rhyner kommt eine Fusion nach wie vor in Frage. Er sagt jedoch: «Was die Toggenburg Bergbahnen machen, ist nach wie vor ein feindlicher Übernahmeversuch und kein gemeinsamer Prozess.» Welche Konsequenzen oder Reaktionen die Verlängerung des Übernahmeangebot auslöst, kann der Präsident noch nicht sagen.

«Wildhaus wird quersubventioniert»

Für Mélanie Eppenberger ist klar, dass die Toggenburg Bergbahnen die Bergbahnen Wildhaus im Moment quersubventionieren. Dies obwohl «die Toggenburg Bergbahnen sechs konzessionierte Bahnen betreiben, während es in Wildhaus nur deren zwei sind.» An Spitzentagen würden rund 60 Prozent der Skifahrer, die in Wildhaus einsteigen, nach Unterwasser wechseln.

«Seit Jahren findet eine ad absurdum geführte Quersubventionierung der Achse Wildhaus statt, die die Toggenburg Bergbahnen sich nicht mehr leisten kann und will», schreiben die Toggenburger Bergbahnen. Im Vergleich zu Wildhaus habe es auf der Unterwasserseite konstante Weiterentwicklungen in Form von Fusionen, neuen Skiliften oder neuen Pisten gegeben. Die Umsatzverteilung auf die einzelnen Anlagen sei demnach ziemlich einseitig. Während die Anlagen in Unterwasser und Alt St.Johann im Plus operieren, würde allein die Gamsalpsesslbahn über 30 Prozent des Umsatzes absaugen.

Wie es in Zukunft weiter geht, bleibt unklar. Dem Skifahren im Toggenburg steht dennoch nichts im Weg. Das gemeinsame Ticket für die kommende Wintersaison ist gesichert. Und Schnee hat es auch schon.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 8. November 2017 06:07
aktualisiert: 8. November 2017 13:44