Coronavirus

Trotz Online-Unterricht: Sarganser Kanti-Schüler hüten Kinder

Christoph Thurnherr, 16. März 2020, 16:37 Uhr
Einige Sarganser Kantischüler hüten in der Freizeit Kinder. (Symbolbild)
© istock
Viele Primarschüler haben wegen der Corona-Pandemie einige Wochen schulfrei. Das stellt viele Eltern vor riesige Herausforderungen. Die Schüler der Sarganser Kanti wollen ihnen nun mit Kinder hüten unter die Arme greifen, obwohl sie selbst noch Unterricht haben.

Auf den ersten Blick scheint das Coronavirus nur die schlechten Seiten der Leute hervorzubringen: Egoistische Hamsterkäufe, unnötige Panikmache über Whatsapp und die gegenseitige Belehrung über das vermeintlich richtige Verhalten in der Pandemie sind nur einige Beispiele.

Doch, es gibt sie noch. Die soziale Ader in der Gesellschaft. Auch wenn man in der Altersskala mit dem Finger recht weit nach unten rutschen muss, um sie zu finden.

Lia Rüegsegger
© Facebook / Lia Rüegsegger

Die Schulen in der Schweiz bleiben bis mindestens 4. April geschlossen und falls es länger dauern sollte, würde das wohl niemanden überraschen. Vielen Unter- und Mittelstufen fehlen die technischen Möglichkeiten für Online-Unterricht. Die Konsequenz: schulfrei. Das stellt viele Eltern vor Probleme. 

Probleme, welche einige Sarganser Kantischüler abfedern möchten. Und das obwohl sie selbst Online-Unterricht haben. «Jeder von uns hat doch ein paar Stunden Zeit in der Woche», sagt Lia Rüegsegger (19). Sie ist eine der rund zehn Schülerinnen und Schüler, die den Kinderhüte-Service in der Region Werdenberg und Sarganserland anbieten. 

Viel Lob, aber auch Skepsis

Es sei ihnen wichtig, der Gesellschaft helfen zu können. Viele Eltern, gerade allein erziehende, seien mit der Situation überfordert. Die Kantonsschüler hüten die Kinder zwar nicht gratis, es gehe aber auch nicht um Gewinn. «Für uns fallen ja zum Beispiel auch Fahrkosten an. Es soll sich für die Eltern aber lohnen, unser Angebot zu nutzen», sagt die Grabserin. 

Die Reaktionen sind grösstenteils positiv. «Und da soll mal einer sagen, unsere heutige Jugend sei nicht zu gebrauchen. Im Gegenteil, die Jugend ist vorbildlich», schreibt ein Nutzer unter den Post von Rüegsegger.  «Das finde ich grossartig, schön gibt es noch Menschen, die an andere Denken », schreibt eine andere. Trotzdem sind die Leute auch bei so einem Angebot besorgt. Zu recht, bestätigt Lia Rüegsegger. 

Wird so der Virus nicht weiter verbreitet? 

Es wäre möglich, dass sich eine der Kantischülerinnen und -schüler bereits mit dem Virus angesteckt hat und es so weiter verbreitet. Es wäre auch möglich, dass sich die Kantischülerinnen bei den Kindern anstecken, die sie hüten. 

«Das ist uns bewusst. Es ist natürlich schwierig, beim Spielen mit Kindern auf Distanz zu gehen. Wir halten uns an die Hygiene-Regeln des Bundes und umarmen die Kinder zum Beispiel nicht - es sind ja ohnehin fremde Kinder», sagt Rüegsegger. 

Auch wenn sie sich anstecken würden, sei das immer noch besser, als wenn es Grosseltern treffen würde. Diese gehören in der Regel zur Risikogruppe, Kantischüler nicht. 

«Ansonsten halten wir die sozialen Kontakte auf dem Minimum. Es gibt derzeit sowieso nicht viele Möglichkeiten, sich zu treffen», sagt die 19-Jährige, die diese Woche bereits im Einsatz sein wird. 

Das Gesundheitsamt begrüsst den Einsatz der Kantischüler

Es gebe einige Anfragen, aber gerade so, dass die Einsätze zu bewältigen sind. Schliesslich müssten sie momentan ihren eigenen Online-Unterricht und das Kinderhüten unter einen Hut bringen. 

Von Seiten des Kantons zeigt man sich begeistert vom grossen Einsatz der Schüler. «Ich finde das wunderbar», sagt Karin Faisst vom St.Galler Amt für Gesundheitsvorsorge. «Es ist vorbildlich, wenn Mittelschüler sich einsetzen und Eltern entlasten, die mitunter im Gesundheitswesen arbeiten.»

 

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. März 2020 05:54
aktualisiert: 16. März 2020 16:37