«Wer erklärt Verhüllungsverbot den Nonnen?»

Lara Abderhalden, 19. September 2017, 07:38 Uhr
(Symbolbild)
© iStock
Wer in St.Gallen eine Burka trägt oder sein Gesicht verschleiert, soll dafür bestraft werden können. Der St.Galler Kantonsrat hat sich am Montag für ein Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum ausgesprochen. Die einen finden es toll und hoffen auf ein nationales Verbot, andere finden den Entscheid lächerlich.

Das Verhüllungsverbot soll dann in Kraft treten, wenn sich eine Person durch eine andere verschleierte Person in ihrem religiösen oder gesellschaftlichen Frieden bedroht fühlt. Nach dem Tessin ist St.Gallen bereits der zweite Schweizer Kanton, in dem ein solches Verbot in Frage kommt.

«Starkes Signal für nationales Verbot»

Die Meinungen zum Kantonsrat-Entscheid gehen auseinander. Während Initiant und SVP-Nationalrat Walter Wobmann sich bestärkt fühlt: «Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es ist ein starkes Signal für ein schweizweites Verhüllungsverbot», reagiert die Frauenbeauftragte vom Islamischen Zentralrat der Schweiz Nora Illi bestürzt: «Ein Vermummungsverbot, wie es die Stadt Zürich hat, genügt, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Es ist zudem fraglich, wie das Verhüllungsverbot im Fall von St.Gallen umgesetzt werden soll», werden beide in der 20 Minuten zitiert.

«Befreiung der Frauen vor Diskriminierung»

Auch in den sozialen Netzwerken wird über das St.Galler Verhüllungsverbot diskutiert. Die CVP-Parteipräsidentin des Kanton Aargaus Marianne Binder schreibt auf Twitter beispielsweise: «Finde ich gut. Sollte einfach nicht Verhüllungsverbot heissen, sondern Befreiung der Frauen vor Diskriminierung.»

Auch Philipp Kästli freut sich auf das Verbot. Zumindest auf die vielen «füdliblutten» Menschen in St.Gallen:

«Laufen ja Tausende verhüllt durch den Kanton»

Viele der Reaktionen auf Social Media sind gespickt mit Sarkasmus oder Ironie. David Mächler fragt sich beispielsweise: «Wer erklärt es jetzt den Nonnen?»

Oder Pierina Hassler meint ironisch, dass sie das verstehe, es würden ja auch Tausende verhüllt durch den Kanton laufen.

Michael Schär hat eigentlich nur vor einem Angst: Das Aus der Fasnacht. Und Urs Bönnimann beschönigt: Man habe die St.Galler doch auch mit Verhüllung an ihrem Dialekt erkannt.

Chrsitian Ruch, Historiker und Soziologe aus Chur, stellt sich kurz vor der Olma eine zentrale Frage: «Darf die Olma-Bratwurst nicht mehr ins Papiersäckli?»

Zweite Besprechung über Verbot im Kantonsrat

Ganz vom Tisch ist das Burkaverbot in St.Gallen allerdings noch nicht. Es folgt eine weitere Beratung im Kantonsrat. Sollte das Verhüllungsverbot tatsächlich zustande kommen, werde eine Referendum geprüft, sagt Margrit Blaser, Präsidentin der SP-Frauen St.Gallen der 20 Minuten.  «Vor dem Hintergrund der nationalen Initiative soll der Kanton nicht in vorauseilendem Gehorsam ein entsprechendes Gesetz einführen.» Unterstützt wurde das Verbot im Kantonsrat von der CVP und der SVP.

 

 

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 19. September 2017 07:22
aktualisiert: 19. September 2017 07:38