«Wir sind ein bisschen ratlos»

Lara Abderhalden, 26. März 2018, 15:31 Uhr
Das Haus in der Ecke macht den Fussgängerstreifen unübersichtlich.
© Rheintal Medien/Max Tinner
Der gefährliche Fussgängerstreifen an der Churerstrasse in Altstätten gibt zu reden. Der Kanton verspricht, dass die Tempo-30-Zone bereits in den kommenden Monaten eingeführt werden soll, am Abriss eines Hauses werde weiterhin festgehalten.
Marcel John, Sie sind St.Galler Kantonsingenieur und mit dem Projekt vertraut. Sind Sie mit der Sofortmassnahme, eine Tempo-30-Zone einzuführen, zufrieden?

Die Sofortmassnahme mit der Tempobeschränkung, die wir einzuführen versuchen, ist keine endgültige Lösung. Es ist eine vorübergehende Lösung, weil wir diese nicht normenkonform ausbilden können. Es ist aber eine Lösung, die zu einer Verbesserung der Situation führt.

Längerfristig plant der Kanton, das Haus in der Ecke zu kaufen und abzureissen, um so die Sicht für die Fussgänger und Autofahrer zu verbessern. Seit zehn Jahren laufen die Verhandlungen mit den Hausbesitzern schon, was gestaltet sich dabei als besonders schwierig?

Es ist ein Grundeigentum, das in unserer Gesellschaft, zum Glück, einen gewissen Stellenwert hat. Wir sind darauf angewiesen, dass uns die Grundeigentümer Hand bieten, um umzusetzen, was wir geplant haben. Seit dem Umbau der Churerstrasse vor zehn Jahren ist der Erwerb des Hauses bei uns ein Thema. Bereits damals konnte keine Lösung gefunden werden, weshalb eine permanente Lösung bis jetzt heraus geschoben wurde.

Sind die Grundeigentümer in absehbarer Zeit überhaupt bereit, das Haus zu verkaufen?

Wir waren vor rund einem Jahr in Kontakt mit den Grundeigentümern und damals haben sie gesagt, dass der Verkauf für sie keine Option sei. Sollte sich das ändern, werden wir mit der Stadt Altstätten und den Besitzern eine einvernehmliche Lösung finden.

Die beispielsweise wie aussehen könnte?

Wir sind derzeit vor allem mit der Stadt Altstätten in Kontakt, damit sie eine Nachfolgelösung für die Wohnsituation des Ehepaares finden. Unsere Aufgabe ist es, mit dem Ehepaar regelmässig abzuchecken, ob sich an ihrer Situation etwas geändert hat.

Alternativen, wie eine Ampel oder eine Verschiebung des Fussgängerstreifens, scheinen endgültig vom Tisch zu sein?

Ein Lichtsignal braucht eine gewisse Sichtweite. Sie können sich vorstellen, wenn sie um eine Kurve fahren und dann auf ein Lichtsignal zufahren, brauchen sie eine gewisse Reaktions- und Anhaltezeit. Nur so können sie anständig vor der Ampel halten. In diesem Fall ist nicht genügend Zeit dafür gegeben. Ein Lichtsignal könne das Sicherheitsdefizit sogar erhöhen statt vermindern.

Inwiefern?

Wenn zum Beispiel ein Fussgänger, der am Lichtsignal steht, davon ausgeht, dass wenn er grün hat, der Autofahrer anhält. Der Autofahrer aber könnte das Lichtsignal zu spät sehen und ohne halten darauf zufahren. Es braucht die Aufmerksamkeit der Fussgänger, die sich nicht blind auf ein Lichtsignal verlassen.

Gibt es nicht viele andere Lösungen, als gleich ein ganzes Haus abzubrechen?

Wir haben uns schon länger den Kopf darüber zerbrochen, sind aber ein bisschen ratlos. Es gibt sicher andere Lösungen. Schliesslich muss der Fussgängerstreifen aber entweder übersichtlicher werden oder man muss ihn versetzen. Das wurde bereits geprüft und eine Versetzung würde nicht viel nützen, weil überall in der Nähe die Sichtweite nicht gegeben ist. Eine grossräumige Verschiebung kommt nicht in Frage, aus Gründen der Wunschlinie des Fussgängers. Viele Schüler pendeln auf dieser Strecke von Schulzimmer zu Schulzimmer.

Ab wann kann die Strasse in eine Tempo-30-Zone umgewandelt werden?

Die Kantonspolizei ist zusammen mit den Projektleitern daran, Grundlagen auszuschaffen. Die Planung, was wo signalisiert und markiert wird, wurde gestartet. Wir gehen davon aus, dass die Tempo-30-Zone in den nächsten Monaten durchgesetzt werden kann, da sie keine speziellen Auflagen braucht.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 23. März 2018 18:19
aktualisiert: 26. März 2018 15:31