Anzeige
St.Gallen

Zertifikatspflicht bringt Handballvereine in die Defensive

Lukas Schmidt, 13. September 2021, 17:01 Uhr
Seit dieser Woche braucht jede Person, die an einer Indoor-Sportveranstaltung teilnimmt, ein Covid-Zertifikat. Betroffen sind zahlreiche Breitensportvereine, so auch im Handball. Sie stehen nun vor schier unlösbaren Herausforderungen.
Der SV Fides (in Rot) im Jahr 2019, als Handball noch ohne Einschränkungen gespielt werden konnte.
© Tagblatt Archiv

Für viele Menschen gehört Sport zu einem festen Bestandteil im Leben. Vor allem im Breitensport, wo man sich mit seinen Teamkameradinnen oder -kameraden Woche für Woche gegen andere Mannschaften misst. Eine willkommene Freizeitbeschäftigung auch für jene, die gerne von ausserhalb des Spielfelds zuschauen.

Doch für solche Sportveranstaltungen in Innenräumen braucht es seit neuem ein gültiges Covid-Zertifikat. Diese Massnahme stellt viele Sportvereine besonders bei Wettkämpfen vor grosse Fragezeichen. Trainings wiederum sind unter zwei Bedingungen von der Zertifikatspflicht ausgenommen: Die Gruppenzusammensetzung muss die gleiche sein und es dürfen nicht mehr als 30 Personen zusammen trainieren.

Spielermangel könnte drohen

«Wir sind ziemlich ratlos. Wer alles geimpft ist, wissen wir zurzeit noch nicht», sagt Roger Mayer, Präsident des Handballvereins SV Fides. «Der Austausch diesbezüglich mit Spielern, Trainern und Funktionären läuft mit Hochdruck.» Klar aber ist, dass der Verein für allfällige Tests für ungeimpfte Personen nicht bezahlt. «Dies würde das Vereinsbudget sprengen», sagt Mayer. Wichtig dabei sei aber, dass niemand zur Impfung gezwungen wird. Diese Entscheidung stehe im Ermessen der jeweiligen Person, findet auch Andreas Dittert. Er ist Leiter der Ostschweizer Handballakademie und Sportlicher Leiter beim TSV St.Otmar St.Gallen.

Im Nachwuchsbereich gebe es Fälle, in denen Eltern keine Impfung für ihre sporttreibenden Kinder wollen. Wenn die Eltern und der Verein nicht für einen Test aufkommen möchten, was dann? «Dann müsse das Kind möglicherweise mit dem Sport aufhören.»

Was für das einzelne Kind hart wäre, hätte auf Spielerbasis noch viel weitreichendere Folgen, beschreibt Barbara Jungclaus, Medienverantwortliche des Handballvereins TSV St.Otmar St.Gallen. Wenn ein Grossteil einer Mannschaft nicht geimpft ist und für Tests nicht zahlen will, droht akuter Spielermangel. Tritt eine Mannschaft aufgrund dessen nicht mehr in der Meisterschaft an, so werde die Spielberechtigung für die nächste Saison womöglich entzogen, stellt Jungclaus am Beispiel der U19-Elitemannschaft des TSV St.Otmar klar.

Zertifikatskontrolle stellt die grösste Bürde

Planlos sind aktuell noch alle gleichermassen bezüglich der Zertifikatskontrolle. Vereine mit vielen Mannschaften müssten für jedes ihrer Heimspiele Kontrollpersonen stellen. Alle jene, welche die Halle betreten, müssen auf ein gültiges Zertifikat kontrolliert werden. Gemäss Roger Mayer ein «nicht stemmbarer Aufwand».

Dazu kommt, dass in St.Gallen mehrere Vereine ansässig sind. Die Hallen sind jetzt schon rar und an Wochenenden teils von mehreren Vereinen belegt. Wer da wann verantwortlich für Kontrollen ist – das alles steht für die betroffenen Vereine noch in den Sternen.

Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Am Dienstagabend werden die St.Galler Handballvereine zusammensitzen und nach einer Lösung suchen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. September 2021 09:08
aktualisiert: 13. September 2021 17:01