Taschendiebe im FM1-Land am Werk

Laurien Gschwend, 30. März 2017, 11:49 Uhr
Die Polizei rät davon ab, das Portemonnaie in der Gesässtasche zu verstauen. (Symbolbild)
Die Polizei rät davon ab, das Portemonnaie in der Gesässtasche zu verstauen. (Symbolbild)
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Die Konstanzer Polizei beschäftigt derzeit eine ganze Reihe von Taschendiebstählen. Auch die Polizeien im FM1-Land bestätigen, dass solche Fälle deutlich zugenommen haben.

Gemäss einer Mitteilung des Polizeipräsidiums Konstanz ereigneten sich am Dienstag gleich vier Taschendiebstähle. Zwei Frauen wurden im Einkaufszentrum Lago beklaut, als sie ihre am Kinderwagen befestigten Handtaschen für kurze Zeit aus den Augen verloren. Weiter wurde eine Kundin eines Schuhgeschäfts an der Bodanstrasse bestohlen. Der vierte Diebstahl wurde der Konstanzer Polizei von einem Geschäft am Dachsberg gemeldet; auch hier wurde eine Frau beraubt. In allen Fällen kamen Bargeld sowie persönliche Dokumente weg.

Ein Täter am Werk?

«Weil sich die genannten Orte so nahe beieinander befinden, kann es gut sein, dass es sich um den gleichen Täter handelt oder um eine Gruppe, die zusammenarbeitet», sagt Bernd Schmidt, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Dies sei allerdings reine Mutmassung, man habe noch keine konkreten Hinweise auf die Täter. «Die Personen haben erst im Nachhinein gemerkt, dass sie beklaut wurden.»

Diebstahl kommt in Konstanz schubweise vor

In Konstanzer Discountermärkten beobachte man in letzter Zeit einen besonders fiesen Trick: «Ein Dieb wirft ein Regal runter, worauf ihm jemand dabei hilft, alles wieder aufzuräumen. Währenddessen behändigt sich ein Komplize der Wertsachen des Opfers», schildert Bernd Schmidt das Vorgehen. Taschendiebstahl komme in Konstanz schubweise vor. «Aktuell verzeichnen wir eine Welle von Diebstählen, allgemein haben sie aber abgenommen.» Im Januar und Februar 2016 habe es 34 Taschendiebstähle gegeben, ein Jahr später zehn.

Phänomen im Thurgau zugenommen

Das von der Konstanzer Polizei beschriebene Phänomen, dass Personen während des Einkaufs bestohlen werden, kommt auch im benachbarten Thurgau des Öfteren vor. «Wir behandeln aktuell mehr solcher Fälle als noch letztes Jahr», sagt Matthias Graf, Sprecher der Thurgauer Kantonspolizei. Im vergangenen Oktober wurde eine 83-jährige Frau in Rickenbach bei Wil auf besonders dreiste Weise beraubt, wie dieser Facebook-Post zeigt:

Taschendiebstähle in St.Gallen verdoppelt

Auch bei der St.Galler Kantonspolizei hat man mit Taschendiebstählen jede Menge zu tun. «Im März haben wir über 40 Fälle behandelt», sagt Mediensprecher Hanspeter Krüsi. Die Zahl habe sich im Vergleich zum März 2016 verdoppelt. Auch zu Ladendiebstählen komme es im Kanton St.Gallen fast täglich.

Die Tricks der vorwiegend aus dem Ausland stammenden Diebe seien sehr unterschiedlich. «Manchmal fragen sie in Parkhäusern nach Wechselgeld und bedienen sich, wenn ihre Opfer kurz unaufmerksam sind, am Notenfach.» Sachverhalte wie in Konstanz beobachte man ebenfalls immer wieder. «Die Kunden lassen ihre Geldbörsen im Einkaufswagen. Wenn sie sich wieder umdrehen, ist das Geld plötzlich weg.»

Garderoben von öffentlichen Veranstaltungen seien auch ein beliebter Ort, um sich fremder Wertsachen zu bedienen. Im Gedränge beim Aussteigen aus dem Postauto sei im März ebenfalls ein Portemonnaie weggekommen. «Eine Person wurde in ein Gespräch verwickelt und wurde in der Zeit um ihr Mobiltelefon ärmer», zählt Krüsi weiter auf. Die Opfer seien keineswegs nur ältere Personen. «Bei letzterem Fall handelte es sich um jemanden mit Jahrgang 1995.»

Viertel mehr Fälle in Graubünden

«Ich kann ebenfalls bestätigen, dass es in letzter Zeit mehr Taschendiebstähle gibt», sagt Roman Rüegg von der Kantonspolizei Graubünden. Die Anzahl der Fälle sei im Vergleich zum Vorjahr um etwa einen Viertel angestiegen, so der Polizeisprecher. Wie auch in anderen Kantonen würden hin und wieder Kunden beklaut, die ihre Taschen im Supermarkt unbeaufsichtigt im Einkaufswagen lassen.

Die genannten Polizeien haben einen simplen Tipp, um sich vor Taschendiebstählen zu schützen: Wertgegenstände möglichst dicht am Körper zu tragen und diese nie unbeaufsichtigt zu lassen. «Das klingt relativ simpel, wird im Alltag aber leicht vergessen», sagt Roman Rüegg. Das Portemonnaie soll weder in der Gesässtasche noch in einem Rucksack-Aussenfach verstaut werden, rät Hanspeter Krüsi.

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 30. März 2017 11:37
aktualisiert: 30. März 2017 11:49