Fall Barchetsee

Beschuldigte bestreiten vor Bezirksgericht Beteiligung an Tat

26.02.2024, 22:18 Uhr
· Online seit 26.02.2024, 05:49 Uhr
Am Bezirksgericht Frauenfeld sind am Montagmorgen zwei Männer befragt worden, die vor gut 16 Jahren einen 27-Jährigen getötet haben sollen. Einer der Beschuldigten versicherte, er habe mit jener Sache überhaupt nichts zu tun. Der andere verweigerte jegliche Aussage.

Quelle: Vorschau auf Mordprozess Barchetsee / TeleZüri / 21.2.2024

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Er habe das spätere Opfer als Gast seines Restaurants kennengelernt, sagte der heute 63-jährige Schweizer, der vor seiner Verhaftung im August 2022 als Wirt tätig war. Die Buchhaltung machte ihm die Frau des 27-jährigen Ägypters. Sie war auch Trauzeugin des Wirts und er half ihr bei einem Umzug.

Laut Anklage soll der Ägypter in ihrem Auftrag beseitigt worden sein. Zur Aufklärung der Tat wurden unter anderem verdeckte Ermittler eingesetzt. Einem von ihnen gegenüber soll der Beschuldigte die Tat gestanden haben. Dabei habe er Details genannt, die Täterwissen voraussetzten.

Komisches Gefühl bei neuen Bekannten

In der Befragung verneinte der Beschuldigte dies. Er habe nie über diese Sache mit ihnen geredet. Im Übrigen habe er sofort bemerkt, dass bei den beiden neuen Bekannten, die sich später als verdeckte Ermittler herausstellten, etwas ungewöhnlich sei.

Auf die Fragen des Gerichts machte der Beschuldigte wiederholt geltend, er könne sich nicht erinnern. Man habe über «normale Sachen» gesprochen, die Verhältnisse seien «normal» gewesen.

Der zweite Beschuldigte, ein 59-jähriger Italiener, machte ausnahmslos von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Als Nächstes folgen die Plädoyers. Die Verhandlung ist auf mehrere Tage angelegt. Das Urteil wird voraussichtlich am kommenden Montag eröffnet.

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Leiche in See versenkt

Die Beschuldigten haben laut Anklage den im Kanton Schaffhausen wohnhaften gewesenen Ägypter im Auftrag von dessen inzwischen verstorbenen Ehefrau mit mehreren Schüssen getötet. Danach sollen sie die Leiche mit einem Betonelement beschwert und im Barchetsee bei Oberneunforn versenkt haben.

«Klassisches Täterwissen»

Den verdeckten Ermittlern habe er unaufgefordert die Tat geschildert. Dabei habe er «klassisches Täterwissen» preisgegeben, so der Staatsanwalt.

Die Schweizer Ehefrau des Ägypters habe ihren gewalttätigen Ehemann und Drogendealer loshaben wollen. Nachdem sie erfolglos versucht habe, via Behörden seine Ausweisung zu erwirken, habe sie die beiden Beschuldigten mit der Tötung beauftragt.

Die Anklageschrift enthalte Widersprüche, Unstimmigkeiten und gar «offensichtliche und schamlose Unwahrheiten», kritisierte der Verteidiger. Zudem sei die Untersuchung einseitig geführt worden: Es seien «nur belastende Elemente zu Ungunsten der Beschuldigten gesucht» worden. Entlastende Faktoren habe man vernachlässigt.

Der Einsatz der verdeckten Ermittler war laut Verteidiger unzulässig. Die gesetzlichen Voraussetzungen dafür seien nicht erfüllt gewesen. Zweck sei es gewesen, seinen Mandanten zu täuschen, ihn «über den Tisch zu ziehen» und zu Aussagen zu bringen, die er bei einer ordnungsgemässen Befragung nie gemacht hätte.

Quelle: TVO

Beschuldigter sei «ein Plauderi»

Das «erschlichene» so genannte Geständnis sei deshalb «offensichtlich nicht verwertbar». Die Schilderungen stimmten im Übrigen nicht mit den Erkenntnissen der Gerichtsmedizin überein, sagte der Verteidiger. Sein Mandant sei ein «Plauderi» der viel erzähle.

Der Schweizer, der seit seiner Festnahme im August 2022 in Haft ist, sei umgehend auf freien Fuss zu setzen. Der entstandene Schaden sei ihm zu ersetzen und es sei ihm für die ungerechtfertigte Haft eine Genugtuung zuzusprechen.

(sda/red.)

veröffentlicht: 26. Februar 2024 05:49
aktualisiert: 26. Februar 2024 22:18
Quelle: FM1Today

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