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Fastest Farmer: So schnell ist er wirklich

Dario Cantieni, 2. April 2019, 05:38 Uhr
April, April. Auch wenn die Vorstellung grossartig ist – einen Bauern, der seine ganze Arbeit im Laufschritt erledigt, gibt's leider nicht. Trotzdem darf sich der Thurgauer Patrik Wägeli «Fastest Farmer» nennen.

Ja, es war ein Aprilscherz. Patrik Wägeli aus dem thurgauischen Nussbaumen rennt weder in einem Affentempo mit seinem Saatgut über die Felder, noch frisiert er seinen Traktor, damit dieser 150 Stundenkilometer fährt, wie FM1Today behauptete. Das mit dem «schnellsten Bauer» der Schweiz war jedoch nicht gelogen. Denn der Jungbauer (28) trainiert neben der Arbeit auf dem Hof für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dort will er als Marathonläufer für die Schweiz an den Start gehen.

Die Auflösung hier im Video:

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Quelle: FM1Today

An dieser Stelle möchten wir uns zunächst herzlich bei Patrik bedanken. Dafür, dass er sich bereit erklärt hat, mit uns diesen April-Scherz durchzuziehen und so grossartig mitgespielt hat. Kameramann Marc Sieger wird diesen Dreh bestimmt nicht so schnell vergessen. Kam doch auch er ganz schön ins Schwitzen.

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Vom Thurgau nach Tokio

Dass Wägeli nächstes Jahr nicht mehr nur noch über den eigenen Hof, sondern über die Strassen Tokios rennt, ist durchaus möglich. Um an den Olympischen Spielen im Sommer 2020 teilzunehmen, muss er auf die gesamte Marathondistanz noch zwei Minuten schneller werden, als er jetzt ist. Kein Ding der Unmöglichkeit, aber es wird sehr hart. «Ich glaube daran, dass ich es schaffen kann, aber einfach wird's nicht.» Konkret heisst das, er muss beim Marathon diesen Herbst in Berlin und nächstes Jahr beim Frühlingsmarathon eine Zeit von 2 Stunden 13 Minuten und 30 Sekunden schaffen, damit er von Swiss Athletics für die Olympischen Spiele selektioniert wird.


«Eltern stehen voll hinter mir»

Wir sitzen bei Patrik in der Küche. Also eigentlich in der Küche seiner Eltern. Der Hof gehört ihnen gemeinsam, was es für Patrik enorm erleichtert, den Sport und die Arbeit unter einen Hut zu bringen. Am Kühlschrank hängen Fotos seiner Sportkarriere, daneben fein säuberlich ausgeschnittene Zeitungsartikel über den Sohnemann. «Dass meine Eltern mich so unterstützen, bedeutet mir sehr viel», sagt er mit stolzem Lächeln. «Ich bin auch darauf angewiesen, dass ich trainieren kann, und weiss, dass zu Hause alles rund läuft.» Natürlich würden die Eltern dann auch bei den Olympischen Spielen in Tokio am Strassenrand stehen. Aber wie gesagt, bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ein Weg, auf dem Patrik Wägeli bis zu drei Mal pro Tag trainiert. Am liebsten beginnt er mit der härtesten Einheit gleich am Morgen. Sprich, es kommt durchaus vor, dass er nach dem Aufstehen gleich mal 30 Kilometer rennt. «Dann bin ich nachher frei im Kopf und kann entspannt auf dem Hof arbeiten.»

Patrik Wägeli beim Marathon in Sevilla im Februar 2019 (Bild: zVg)

Zuerst OL-, dann Marathonläufer

Ob die Olympischen Spiele sein Lebenstraum seien? Patrik überlegt einen Moment und meint dann: «Es ist nicht so, dass ich bereits als Vierjähriger an den Olympischen Spielen teilnehmen wollte, das Ganze hat sich entwickelt. Vor allem in den letzten fünf Jahren.» Dass er gerne läuft, hat er aber schon relativ früh gemerkt. Mit zwölf Jahren begann er durch seinen Vater mit Orientierungslauf, nahm an der Jugend-EM und der Junioren-WM teil, um sich dann irgendwann zu sagen: «Jetzt möchte ich mich mehr auf den Hof konzentrieren.» Doch da hatte ihn das Lauffieber bereits gepackt und er stieg vom OL auf den Laufsport um. So nahm er am ersten Marathon teil und lief gleich eine Zeit von unter 2 Stunden und 30 Minuten - eine beachtliche Leistung. Unterdessen ist er bei Marathon Nummer acht angelangt und es fehlt nicht mehr viel, damit er nächsten Sommer nicht mit Gummistiefeln über den Hof im Thurgau läuft, sondern mit Stolz ins Olympiastadion in Tokio.

Wer Patrik auf seinem Weg nach Tokio unterstützen will, findet hier alle Infos dazu.

Dario Cantieni
Quelle: dac/mas
veröffentlicht: 2. April 2019 05:38
aktualisiert: 2. April 2019 05:38