Klinik Aadorf auf dem Weg der Besserung

Raphael Rohner, 24. Februar 2018, 16:43 Uhr
Er rettete die Klinik Aadorf mit seinem Freund: Dr. Stephan Trier.
Er rettete die Klinik Aadorf mit seinem Freund: Dr. Stephan Trier.
© zvg
Die Klinik Aadorf wurde in letzter Sekunde gerettet. Ein Arzt kaufte das Unternehmen zusammen mit einem Investor auf und rettete so die Existenz der Klinik, der Angestellten und schliesslich auch die der Patienten. Ein Statusbericht.

Beinahe hätte die auf Depressionen und Essstörungen spezialisierte Klinik Aadorf schliessen müssen. Meldungen von bevorstehenden Massenentlassungen machten die Runde. Der Konzern, zu dem die Klinik gehörte, wollte die Klinik schliessen und berief ein Konsultationsverfahren ein. Mitarbeiter konnten Ihre Ideen zur Rettung einbringen. Die 125 Angestellten mussten damit rechnen auf die Strasse gestellt zu werden.

«Wir sind praktisch ein Familienunternehmen»

Gerettet hat die Klink schliesslich der 48-jährige Arzt und Klinikdirektor Stephan Trier mit dem finanzkräftigen Investor, Michael Haueter. Für den Frauenfelder Trier war klar, dass die Klinik gerettet werden musste: «Wir haben in Aadorf so einen guten Groove und sind eigentlich ein Familienunternehmen.»

Mitarbeiter riesig dankbar für die Rettung

Man sei es den Mitarbeitern und schlussendlich auch den Patienten schuldig dafür zu kämpfen. Auch Trier selber hätte bei einer Schliessung seinen Job verloren. «Die Stimmung war seit November regelrecht am Boden. Die Leute hatten Angst ihre Stelle zu verlieren und es herrschte eine grosse Unsicherheit», sagt Trier. Dann entschieden Trier und Haueter, die Klinik zu übernehmen.

Es folgten Verkaufsverhandlungen mit dem Konzern, zu dem die Klinik Aadorf bis dahin gehörte. Diese wollte die Klinik schliesse, trotz dem guten Ruf und trotz guter finanzieller Situation. Trier: «Die Klinik Aadorf machte nie rote Zahlen.» Als Mitte Januar klar wurde, dass die Klinik und die Arbeitsplätze gerettet werden, sei die Freude der Mitarbeiter riesig gewesen: «Die Leute klatschten und waren mega dankbar», erinnert sich Trier. Er rechnete eigentlich nie damit eine Klinik zu übernehmen. Ist aber zuversichtlich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Kaum leere Betten in der Klinik

«Auch während den ersten Schlagzeilen, wegen der bevorstehenden Schliessung der Privatklinik, wollten Patienten noch in unserer Klinik behandelt werden», sagt Trier. Man habe zwar ein Patientenstopp veranlasst, aber Anfragen kamen trotzdem. Mittlerweile haben sie wieder ähnlich viele Anfragen für Patienten. Zwar habe es noch nicht ganz das gleiche Ausmass wie vor der drohenden Schliessung, man sei aber bestrebt die Betten zu füllen und die Patienten bestmöglich zu betreuen. «Wir sind auf dem Weg dahin zurück wo wir vor der Krise waren.»

Mitarbeiter kündigten aus Angst

Die Stimmung in der Klinik beschreibt Trier als «Pionierstimmung». Dadurch dass die Klinik nun unabhängig sei, könnten viele Projekte in Angriff genommen werden. Trier will in nächster Zeit einige Investitionen tätigen, die früher jeweils umständlicher waren. Auch sind rund 20 Stellen in der Klinik ausgeschrieben: «Einige haben aus Angst vor der drohenden Schliessung gekündigt. Teilweise kommen diese Mitarbeiter aber wieder zurück.» Auch suche die Klinik Spezialisten um ihr Angebot in der Psychotherapie auszubauen.

Raphael Rohner
Quelle: rar
veröffentlicht: 24. Februar 2018 15:53
aktualisiert: 24. Februar 2018 16:43