«Kommt 5G, sind wir weg»

Marc Sieger, 16. Juli 2019, 14:15 Uhr
Eine solche 5G-Antenne ist in Arbon geplant. Die Pläne von Sunrise stossen jedoch vielen sauer auf.
© Keystone/Peter Klaunzer
In Arbon ist der Bau einer 5G-Antenne geplant. Das erhitzt im Netz gerade die Gemüter. Die Behörden rechnen mit Einsprachen – ein Baugesuch für eine weitere Antenne ist bereits in Planung.

«Bauvorhaben: Antennentausch/Ergänzung Mobilfunkanlage.» So steht es in den öffentlich publizierten Baugesuchen der Stadt Arbon im Lokalblatt «Felix» in der Ausgabe vom 5. Juli. Was sich dahinter verbirgt, tritt erst nach einer Anfrage bei Sunrise zutage. Geplant ist eine 5G-Antenne an der Sonnenhügelstrasse 51, die erste in Arbon.

«Wird immer schlimmer in Arbon»

Die Mobilfunkantennen der fünften Generation versprechen ein schnelleres Internet und stehen seit Bekanntwerden der Technologie in der Kritik, gesundheitsgefährdend zu sein. Also kein Wunder, dass nachdem die Pläne für eine 5G-Antenne in Arbon publik wurden, auch im Thurgauer Seestädtchen die Leute protestieren. In der Facebookgruppe «Du bisch vo Arbon, wenn...» melden sich zahlreiche wütende Arboner zu Wort. «Brauchen wir nicht», schreibt ein User etwa. «Wird immer schlimmer in Arbon», meint ein anderer und eine Userin schreibt: «Hoffe, 5G kommt nicht in Arbon, wenn doch, dann sind wir weg.»

Es melden sich aber auch einige User mit dem Versuch, mit den Vorurteilen gegenüber 5G aufzuräumen und Befürworter der Technologie: «Ich würde es gut finden. Zumal die Netzabdeckung in Arbon nicht die beste ist», schreibt ein Arboner.

Bisher noch keine Einsprachen

Bei der Stadt Arbon weiss man um das Brodeln in der Bevölkerung. «Wir haben einige Anfragen erhalten, weil in der Bevölkerung offensichtlich Unsicherheit herrschte, was für eine Antenne da genau gebaut werden soll», sagt Didi Feuerle, stellvertretender Stadtpräsident und Vorsteher des Ressorts Bau und Umwelt. Einsprachen seien bisher noch keine eingegangen. «Ich rechne aber damit, dass noch was kommen wird», sagt Feuerle.

Bislang sei das Baugesuch für den Anlagenausbau an der Sonnenhügelstrasse das einzige, das der Stadt vorliege. Wie ein Sprecher von Sunrise gegenüber dem «Felix» sagt, sei ein Gesuch für einen zweiten Standort jedoch bereits in der Planung.

Vor- und mögliche Nachteile von 5G
Der Ausbau des 5G-Netzes in der Schweiz schreitet zügig voran. Swisscom will bis Ende Jahr 90 Prozent der Schweiz mit 5G abdecken und Sunrise betreibt seit Anfang April in 150 Ortschaften die neuen Antennen. 5G verspricht ein bis zu hundert Mal schnelleres Internet als das bisher übliche 4G-Netz. In erster Linie profitieren davon vor allem die Industrie und die Wirtschaft. Aber auch für Privatverbraucher sind seit einiger Zeit die ersten 5G-fähigen Geräte auf dem Markt. 5G-Antennen haben eine kürzere Reichweite als 4G-Antennen, weshalb ein dichteres Netz von Nöten ist.
Die neuen Antennen sorgen für viel Kritik. Der Kanton Genf hat beispielsweise ein Moratorium erlassen, das dem Bau von 5G-Antennen bis auf weiteres einen Riegel vorschiebt. Auch im Kanton St.Gallen fordern Politiker einen Marschhalt. Gegner des neuen Netzes sorgen sich vor allfälligen Gesundheitsrisiken, ausgehend durch die Strahlung der neuen Antennen.
Studien zu einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch die bei 5G-Antennen enstehende elektromagnetische Strahlung gibt es nur wenige. Forschungen haben zwar ergeben, dass die Strahlung eine thermische, also wärmende Wirkung hat, diese liegt jedoch unter dem für Menschen schädlichen Wert. Bezüglich eines erhöhten Krebsrisikos schreibt die Krebsliga Schweiz, dass bislang weder eine klare gesundheitliche Gefährdung noch eine klare Unbedenklichkeit nachgewiesen habe werden können. Hingegen finden sich diverses Berichte von Ärzten, die der Strahlung Auswirkungen auf den Körper zuschreiben. Die World Health Organization (WHO) hält in einem Merkblatt jedoch fest, das aufgrund der geringen Feldstärken und des Mangels an Studien keine gesundheitsschädigende Auswirkung auf den menschlichen Körper nachgewiesen werden könne.
Marc Sieger
veröffentlicht: 16. Juli 2019 05:43
aktualisiert: 16. Juli 2019 14:15