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Oberthurgau

«Ochsen üben das Pflügen im Garten»

8. August 2020, 06:44 Uhr
Im Oberthurgau wurden Äcker bis vor 150 Jahren noch mit Ochsen und einem Pflug bewirtschaftet. Diese Technik ist vielen kaum mehr präsent, weswegen ein Landwirtschaftsverein der Bevölkerung dies vorführen will – dafür müssen die Ochsen aber noch üben.

Ein Ochse bringt über eine Tonne auf die Wage. Gleich vier davon werden im Thurgau bald einen Acker pflügen. Der Verein Landschaftsqualität Oberthurgau lädt Mitte August zu einem Informationsanlass ein, an dem vier Ochsen einen 150-jährigen Pflug durch einen Acker ziehen werden.

Ochsen werden normalerweise für Erlebnisfahrten gebraucht

"Die Ochsen stammen vom Schnuggebock im Appenzellerland. Normalerweise werden sie für Erlebnisfahrten gebraucht, das Pflügen ist noch einmal etwas anderes", sagt Peter Schweizer, Geschäftsführer des Vereins Landschaftsqualität Oberthurgau. Weil die Ochsen den Pflug durch unebene Hochäcker ziehen müssen, übt der Ochsenbesitzer derzeit bei sich im Garten: «Der Besitzer hat den Ochsen Gewichte gegeben, die sie über eine Wiese ziehen müssen. Dadurch lernen sie, bei einem Widerstand weiterzulaufen.» Von den Erlebnisfahrten her seien sie es nicht gewohnt, dass es Widerstand gibt.

Die Ochsen werden normalerweise nicht zum Pflügen sondern für Erlebnisfahrten eingesetzt.

© zVg

Mit 150-jährigem Pflug im Garten üben

Auch das Pflugfahren will gelernt sein, denn dieser wurde vor 150 Jahren das letzte Mal gebraucht. «Der Pflug stammt mehrheitlich aus dieser Zeit nur einige Holzelemente wurden erneuert», sagt Schweizer. «Glücklicherweise haben wir jemanden, der den Pflug bereits vor zehn Jahren steuerte. Er wird uns helfen.» Aber auch Peter Schweizer selbst wird hinten am Pflug stehen. «Ich habe den Pflug derzeit bei mir Zuhause und übe die Bedienung in dem ich ihn mit dem Traktor ziehe.»

In der Realität werden die Hochäcker im Thurgau nicht mehr mit Ochsen bewirtschaftet. Sie werden überhaupt nicht mehr bewirtschaftet, weil durch den Einsatz von modernen Geräten, die einzigartige Form der Äcker verloren gehen würde. Deshalb dienen sie heutzutage nur noch als Wiesen. Hochäcker sehen aus wie ein Wellblech – die Wiese neigt und hebt sich immer wieder. «Diese Hügel entstanden, weil die Pflüge früher die Erde zur Seite schoben.»

Beispiel eines Hochackers: Eine hügelige Landschaft - heute gibt es solche Hochäcker nur noch im Thurgau. Sie werden als Wiesen gebraucht – häufig zum Anbau von Obstbäumen.

© zVg

«Wollen Vielseitigkeit unserer Landschaften zeigen»

Die Arbeit mit Ochsen sei sehr anstrengend gewesen, das merkt Peter Schweizer beim Üben mit dem Pflug: «Früher hatten sie aber auch noch kleinere Flächen als heute, die bewirtschaftet wurden.» Der Kanton Thurgau war einer der letzten Kantone, die noch einen Pflug im Ackerbau einsetzte. «Andere Kantone setzten schon früher auf modernere Methoden.»

Das Pflügen mit dem Ochsen wird ein einmaliges Ereignis bleiben. «Uns geht es beim Informationsanlass darum, der Bevölkerung die Vielseitigkeit unserer Kulturlandschaft aufzuzeigen.» Viele hätten vergessen, dass im Thurgau die Flächen vor gar nicht allzu langer Zeit noch mit Ochsen bewirtschaftet wurden.

Der Anlass findet unter Einhaltung des Coronaschutzkonzeptes am 15. August in Hofen bei Roggwil statt.

(abl)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. August 2020 06:44
aktualisiert: 8. August 2020 06:44