«Absolute Frechheit»

Tätowierer stellt nichtzahlende Kundin an den Pranger

Rahel Röthlin, 11. September 2019, 09:32 Uhr
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So zeigt sich die Thurgauerin auf ihren Social-Media-Kanälen.
© facebook.com
Eine Ostschweizerin lässt sich ein Tattoo stechen und verschwindet danach, ohne zu bezahlen. Eine absolute Frechheit, findet der Tätowierer und postet ihr Foto - um sie zu finden - auf Social Media. Pikant: Die Kundin ist minderjährig, wie FM1Today weiss.

«Es gibt keine Zufälle. Alles passiert aus einem Grund.» Diesen Satz liess sich eine Thurgauerin im Darko Tattoo Studio in Kloten auf die Schulter stechen. «Das finde ich schon fast ironisch», sagt der Geschäftsführer, Darko Popovic, gegenüber FM1Today. Was ihm letzte Woche passiert ist, sei «eine absolute Frechheit».

Gestochenes Tattoo
Dieses Tattoo liess sich die minderjährige Ostschweizerin stechen.
© zVg

Einfach abgehauen

«Nachdem ich das Tattoo fertig gestochen hatte, sagte die Kundin, dass sie die 200 Franken beim Geldautomaten gleich um die Ecke holen würde.» Danach hat Darko Popovic sie nie mehr wieder gesehen. «In meiner zehnjährigen Karriere ist mir sowas noch nie passiert», sagt der Tätowierer wütend. Anzahlungen verlange er nur bei grösseren Tattoos.

«Banditin»

Auch auf seine Anrufe habe die Ostschweizerin nicht mehr reagiert. Um die Tätowierte auf einem anderen Weg zu erreichen, machte er einen Aufruf auf Social Media. «Was für Banditen es auf dieser Welt gibt», postet Darko Popovic auf Facebook. Weiter schreibt er: «Teilt diesen Beitrag so oft wie möglich, so dass diese Person schnell gefasst wird.» Darunter mehrere Profilfotos der Ostschweizerin und ihren vollen Namen. Innert vier Tagen wird der Post über 700 Mal geteilt.

Minderjährige mit Tattoo

Mit diesem Facebook-Post sucht der Tätowierer nach der Kundin, die ohne zu zahlen abgehauen ist.

© facebook.com

Kundin ist noch ein Kind

In den fast 300 Kommentaren melden sich verschiedene Leute zu Wort, die angeben, die Ostschweizerin zu kennen. So schreibt eine Nageldesignerin aus Rorschach, dass die Kundin auch bei ihr schon abgehauen sei, ohne zu zahlen. Und weiter schreibt sie: «Das Mädchen ist erst 13 Jahre alt und hat schon so viele Male Leute verarscht!» Für Darko Popovic ein Schlag ins Gesicht. Er gibt an, nicht gewusst zu haben, dass die Thurgauerin minderjährig sein soll. «Sie hat mir einen Ausweis gezeigt und gesagt, sie sei mit dem Auto da.»

«Übers Ziel hinausgeschossen»

Als Darko Popovic auch via Social Media nicht mehr weiter kommt, erstattet er am Montag Anzeige bei der Polizei. «Wir können bestätigen, dass eine Anzeige wegen Betrugs eingegangen ist», sagt Stefan Oberlin, Mediensprecher der Zürcher Kantonspolizei. 

Die Polizei verurteile solche eigenhändigen, öffentlichen Fahndungen via Facebook aufs Schärfste. «Wenn jemand wegen einer Bagatelle via Facebook an den Pranger gestellt wird, ist das übers Ziel hinausgeschossen.»

Selbst die Polizei setze öffentliche Fahndungen nur bei schweren Kapitalverbrechen ein. Im schlimmsten Fall könne dem Tätowierer eine zivilrechtliche Konsequenz blühen, so Oberlin. Vorausgesetzt, die betroffene Person reicht eine Klage ein. 

Daraus gelernt

Der Tätowierer hat aus der Angelegenheit seine Lehren gezogen. Er überlegt sich, ein Kartenlesegerät für sein Geschäft anzuschaffen. Zudem will er in Zukunft die IDs kopieren, als Beweis für die Mündigkeit seiner Kunden. Denn so etwas will Popovic nie mehr erleben müssen. Doch wer weiss: Vielleicht passiert wirklich alles aus einem Grund.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. September 2019 06:00
aktualisiert: 11. September 2019 09:32