Thurgauer Bio-Weingut an der Spitze

Praktikant FM1Today, 14. Juli 2019, 12:41 Uhr
Das Weingut Lenz im thurgauischen Uesslingen räumt beim Bio-Weinpreis 2019 gleich sechs Mal ab. Insgesamt gab es 30 Podestplätze. FM1Today war beim erfolgreichen Weinbauer zu Besuch.

«Es ist perfekt gelaufen», sagt Roland Lenz, Betriebsleiter auf dem Weingut Lenz. Es hat erneut beim Bio-Weinpreis mitgemacht. Die Konkurrenz war gross: 280 Weine von 62 Winzern wurden für den Preis eingereicht. In insgesamt zehn Kategorien wurden je drei Plätze ausgezeichnet. Dabei besonders oft abgeräumt hat das Weingut Lenz. Es ist nicht nur das einzige Thurgauer Biogut, welches Preise abräumte, es erhielt auch ein fünftel aller verliehenen Preise.

Mitten im Thurgau

Wallis, Genf, Schaffhausen, Neuchâtel, Fribourg, Aargau, Waadt, Zürich und Thurgau – aus diesen Kantonen stammen die Bioweine, welche kürzlich ausgezeichnet wurden. Im Thurgau überzeugte die Jury das Weingut Lenz aus dem 1000 Seelen-Dorf Uesslingen-Buch. Im Weiler «Iselisberg» liegt das Gut. «Das Weingut mit dem Ozean dazwischen» steht auf dem Schild vor dem Gut. Hinter dem Haus säumen Reben die Landschaft. Insgesamt sind es 21 Hektare oder rund 29 Fussballfelder, auf denen die Pflanzen stehen. Verteilt sind sie auf verschiedene Standorte. Damit darf sich das Weingut «grösstes Bio-Weingut der Schweiz» nennen.

1994 übernahmen Roland und Karin Lenz die Reben und gründeten das Weingut. Zwei Jahre später, 1996, begannen sie mit der Umstellung auf die Bioproduktion. Mittlerweile verlassen rund 200'000 Flaschen pro Jahr den Thurgauer Betrieb. Zwei Mal wurden Roland und Karin Lenz bereits zum «Schweizer Biowinzer des Jahres» ausgezeichnet.

«Wir konnten ausdrucksstarke Weine produzieren»

Roland Lenz, Betriebsleiter auf dem Weingut Lenz, freut sich über die erreichten Auszeichnungen. Besonders stolz macht ihn, dass in der Kategorie «PIWI-Sorten rot» alle drei Plätze ins Thurgau gehen. «Es ist perfekt gelaufen. Wir haben einfach gute Weine gemacht», sagt Roland Lenz. PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Von diesen wachsen 24 verschiedene Sorten auf dem Gut. «Damit gelten wir weltweit als der Betrieb mit den meisten pilzwiderstandsfähigen Traubensorten im Ertragsanbau», sagt Lenz. Bei den Lenz' steht die Zeit aber nicht still: Zusammen mit einem Züchter werden über 500 Traubensorten gezüchtet. So will man herausfinden, welche in den Weinberg der Zukunft passen.

Drogensüchtiger auf Entzug und die Bio-Reben

Der Weinberg der Zukunft sieht für Roland Lenz folgendermassen aus: Ein Rebgarten, welcher von den Reben dominiert wird, aber Bäumen und anderen Pflanzen Platz bieten soll. «Die Vitalität nimmt dadurch zu», erklärt Lenz. So können sich die verschiedenen Pflanzenarten in Stresssituationen aushelfen.

Das Team rund um Roland und Karin Lenz hat bereits viel Erfahrung und tauscht diese auch immer wieder mit anderen Winzern aus. Sie finden es sehr gut, dass auch andere Weingüter in der Ostschweiz auf die Bio-Produktion umsteigen wollen. Diese Umstellung kann aber unter Umständen lange dauern. «Wenn man einen Rebberg von konventioneller Produktion zu Bio-Produktion überführt, fühlt sich die Rebe in etwa so, wie ein Drogensüchtiger, der plötzlich auf Entzug gesetzt wird», so Lenz. Anstatt einer Umstellung ist auch eine Rodung möglich. Das sei der sicherere Weg. In beiden Fällen wird aber das entsprechende Geld benötigt.

«Es braucht ein Miteinander»

Konkurrenzdenken gibt es auf dem Weingut Lenz nicht: «Eigentlich sollte die ganze Weinbranche zusammenstehen.» Die grosse Konkurrenz sind nämlich nicht die einheimischen Weine, sondern die «Weinübermacht aus dem Ausland», wie sie Roland Lenz im Gespräch nennt. Der Marktanteil der Schweizer Weine in der Schweiz beträgt nur gerade 38 Prozent.

Highlight am Mittagstisch

Nicht nur gegen den ausländischen Wein müssen Ostschweizer Winzerinnen und Winzer ankämpfen, auch Vorurteile wie «Ostschweizer Wein kann man nicht trinken» oder «Thurgauer Wein ist saurer Most» halten sich hartnäckiger, als der Korken im Flaschenhals. «Das haben wir sicher widerlegt», kontert Roland Lenz und ergänzt: «Mit Bio ist es heute möglich sogar bessere Sachen zu produzieren.» Auf dem Betrieb des diplomierten Winzermeisters wird auch auswärtiger Wein getrunken: «Wir stossen mittags immer an und trinken einen fremden Wein zum Diskutieren und Philosophieren.» Wenn alle 10 bis 12 Leute am Tisch zusammenkommen, sei dies der schönste Moment des Tages.

Für die Zukunft wünscht sich der Winzer mehr Offenheit und Mut von anderen Winzern, um neue Sorten auszuprobieren. Und vom Titel «Schweizer Biowinzer des Jahres» fühlt sich der frühere Siebenkämpfer Roland Lenz angespornt. «Wir werden nächstes Jahr sicher wieder mitmachen.»

Praktikant FM1Today
Quelle: thc/ham
veröffentlicht: 14. Juli 2019 12:41
aktualisiert: 14. Juli 2019 12:41