Thurgauer Klasse macht den Tiptopf vegetarisch

Lara Abderhalden, 6. Juli 2017, 07:47 Uhr
Wer erinnert sich nicht gerne zurück an die guten alten Kochschulzeiten? In den verklebten Seiten des Tiptopf-Kochbuches blätternd, versuchte man herauszufinden, warum es im Schoggi-Mousse plötzlich so viele Knollen hatte oder warum die Bechamel-Sauce immer zu dick wurde. Der Tiptopf steht heute noch in vielen Küchenregalen. Jetzt gibt es die vegetarische Alternative von einer Schulklasse aus Frauenfeld.

«Ich selbst bin Teilzeit-Vegetarierin», erzählt Franziska Stöckli. Gegen ab und zu ein gutes Stuck Fleisch hat die 42-jährige Lehrerin aus Frauenfeld nichts einzuwenden. Dennoch ist sie diejenige, welche die Idee zum veganen Tiptopf, dem Greentopf hatte. «Die Schulklassen bestehen schon lange nicht mehr nur aus Schweizerinnen und Schweizer. Dies merke ich auch in meiner Klasse. Sie ist sehr multikulturell. Um dieser multikulturellen Zusammensetzung gerecht zu werden, kam mir die Idee des vegetarischen Kochbuchs mit veganen Ergänzungen.»

Der Greentopf soll eine Alternative zum Tiptopf sein. (Bild: zVg)
Der Greentopf soll eine Alternative zum Tiptopf sein. (Bild: zVg)
© Der Greentopf soll eine Alternative zum Tiptopf sein. (Bild: zVg)

Jugendliche ernähren sich gesund

Franziska Stöckli unterrichtet die Timeout-Klasse in Frauenfeld, eine Regelklasse die als Tagesschule geführt wird. «Ich habe festgestellt, dass immer mehr meiner Schüler grossen Wert auf gesundes Essen legen. Immer häufiger wollen sie freiwillig auf Fleisch verzichten und setzten vermehrt auf Nahrungsmittel mit vielen Nährstoffen. Dies weil sie gut aussehen wollen oder sich dies gut mit dem Sport vereinbaren lässt», erzählt die 42-Jährige.

Zusammenarbeit mit dem Hiltl

Eine Idee funktioniert aber nur, wenn sie weiterverfolgt wird. Dies hat Franziska Stöckli auch gemacht. «Da ich sehr gerne im Hiltl essen gehe, habe ich mich mit Rolf Hiltl getroffen und ihm von meiner Idee erzählt.» Gemeinsam mit ihm habe man schliesslich den Kontakt zum Schulverlag in Bern aufgenommen und die Herausgeber des Tiptopf mit der Idee konfrontiert. «So ist schliesslich die Kooperation entstanden und wir haben beschlossen, das Projekt gemeinsam umzusetzen.»

Gemeinsam mit Rolf Hiltl (rechts) wird das Projekt umgesetzt. (Bild: zVg)
Gemeinsam mit Rolf Hiltl (rechts) wird das Projekt umgesetzt. (Bild: zVg)
© Gemeinsam mit Rolf Hiltl (links) wird das Projekt umgesetzt. (Bild: zVg)

Dass der Tiptopf von der veganen Variante vom Regal gestossen wird, möchte Franziska Stöckli mit ihrem Greentopf nicht bewirken: «Wir wollen nicht den Moralapostel spielen. Wir wollen lediglich eine Ergänzung zum Tiptopf bieten.» Sich vegan zu ernähren, sei ein Bedürfnis der Gesellschaft, was nur schon die Anzahl erschienener Kochbücher beweise: «Vor fünf Jahren kamen insgesamt drei vegane Kochbücher auf den Markt, 2016 waren es bereits über 200.»

Jugendliche entscheiden über Rezepte

Im 2019 soll noch eines dazu kommen. Dann nämlich planen die Initianten rund um die Thurgauer Lehrerin mit dem Kochbuch fertig zu sein. «Wir sind im Moment dabei, die Geschichte rund um das Essen und die Tradition des Essens in der Familie von den Schülern zusammen zu tragen. Dies wird ein Teil des Buches sein.» Danach werde man gemeinsam mit den Schülern entscheiden, welche Rezepte es in das Buch schaffen. «Die Jugendlichen sind ein wichtiger Teil in der Entstehung. Sie sind schliesslich unser Zielpublikum. Sie wissen, was bei den Jungen ankommt und was nicht.»

Die Jugendlichen wissen, was bei den Jungen zieht und was nicht. (Bild: zVg)
Die Jugendlichen wissen, was bei den Jungen zieht und was nicht. (Bild: zVg)
© Die Jugendlichen wissen, was bei den Jungen zieht und was nicht. (Bild: zVg)

Nach den Sommerferien gibt es verschiedene Koch-Sessions, bei denen die Jugendlichen im Hiltl die Rezepte ausprobieren, bewerten und dann ins Kochbuch aufnehmen können. Das Ziel von Franziska Stöckli ist klar: «Wir möchten, dass das Kochbuch in der Kochschule gebraucht wird. Nicht als Ersatz für den Tiptopf, sondern als Inspiration und zur Ergänzung.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 4. Juli 2017 17:11
aktualisiert: 6. Juli 2017 07:47