Tradition und «gepflegtes Betrinken»

René Rödiger, 17. Januar 2017, 08:07 Uhr
Die Bechtelisnacht in Frauenfeld ist für viele ein Fixpunkt im Kalender. Früher ein historischer Anlass, heute eine Art Auftakt zur Fasnacht. Es scheint als kommt an diesem Abend ganz Frauenfeld zusammen. Auf den Strassen tummeln sich Tiger, Bauarbeiter, Einhörner und T-Rex-Gestalten.
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«Wir sind jedes Jahr am Bechtelistag unterwegs. Das ist der höchste Tag im Leben eines Frauenfelders. Wir ziehen von Beiz zu Beiz und geniessen die tolle Atmosphäre. Es ist schön, Leute zu treffen, zu trinken und zu essen. Alle Generationen treffen aufeinander, das ist grossartig», sagen Remo Hafner und Peter Zürcher aus Frauenfeld. Es herrscht reges Treiben, die meisten haben sich in Kostüme geworfen, ihre Gesichter bemalt und die besten Perücken aus dem Schrank geholt. Sie geniessen einen lockeren und feucht-fröhlichen Montagabend und nehmen die Bars und Strassen in Beschlag.

Seit dem Mittelalter Tradition

In Frauenfeld wird der Berchtoldstag am dritten Montag im Januar gefeiert. Ursprünglich hat der Abend nichts mit der Fasnacht zu tun, da das Datum aber zeitlich nahe daran liegt, gilt diese Nacht als Startschuss dafür. Der Brauch des Bechtelistag reicht bis ins Mittelalter zurück. Seither gab es stets ein gemeinsames Essen und einen Umtrunk. Dies wird bis heute weitergeführt – nur eben inzwischen in Kostümen. Jedes Essen am Bechtelistag beginnt um 18 Uhr im Rathaus. Danach zieht es die meisten durch die gesamte Stadt und nach Mitternacht findet die Maskenprämierung statt.

«Sich gepflegt betrinken»

Die verkleideten Leute ziehen von Bar zu Bar, tummeln sich auf der Strasse und geniessen den Abend - egal ob Wochenende oder nicht, früh nach Hause geht kaum einer. Die meisten Lokale haben die ganze Nacht geöffnet. Wer also bis morgens unterwegs sein möchte, wird nicht gebremst. In einigen Lokalen spielen Bands, die Guggenmusik nimmt die Strasse in Anspruch. «Ich gehe seit 18 Jahren an die Bechtelisnacht, mit 14 zum ersten Mal. Man kann sich an einem Montagabend einfach mal gepflegt betrinken und dabei auch noch liebe Menschen treffen. Glücklicherweise habe mir den nächsten Tag freigenommen», sagt der Frauenfelder Raphael Oberholzer. Ausgelassenheit und Spass scheint das Wichtigste und jeder, der mit dabei ist, amüsiert sich prächtig - egal ob mit oder ohne Alkohol. Somit dürfte die Fasnacht in Frauenfeld als eröffnet gelten.

Stefanie Rohner

René Rödiger
veröffentlicht: 17. Januar 2017 05:50
aktualisiert: 17. Januar 2017 08:07