Um 37 Franken pro Jahr

«Unverständlich»: Kreuzlingen erhöht Trinkwasserpreise trotz Einwand des Preisüberwachers

Christoph Thurnherr, 28. November 2022, 09:52 Uhr
Die Wasserversorgung Region Kreuzlingen (WRK) erhöht die Bezugspreise für Trinkwasser ab 2023. Allerdings geben nicht alle angeschlossenen Gemeinden diesen Aufpreis an ihre Bevölkerung weiter.
Die Wasserversorgung wird durch die Beiträge der Kundinnen und Kunden finanziert. Diese Beiträge reichen laut der Stadt jedoch nicht mehr aus.
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Die Wasserversorgung in der Region Kreuzlingen wird teurer. In der Stadt selbst kostet einerseits die Grundgebühr rund 19 Franken mehr, dazu steigt der Verbrauchspreis pro 1000 Liter um 8 Rappen.

Durchschnittlicher Mehrpreis pro Haushalt und Jahr: 37 Franken. Kreuzlingen (durch Energie Kreuzlingen) reagiert damit auf die Preiserhöhung der Wasserversorgung (WRK). Insgesamt bezahlt ein durchschnittlicher Haushalt (4 Personen in einem 6-Zimmer-Einfamilienhaus) damit 626.70 Franken pro Jahr.

Mehrkosten von 400'000 Franken

Die Wasserversorgung wird durch die Beiträge der Kundinnen und Kunden finanziert. Diese Beiträge reichen laut der Stadt jedoch nicht mehr aus. Denn durch die WRK-Preiserhöhung kostet das Wasser für die Stadt ab Januar 2023 jährlich rund 400'000 Franken mehr.

Der Zweckverband WRK betreibt das Seewasserwerk in Kreuzlingen und versorgt die beteiligten Gemeinden mit Trinkwasser. Und diese Infrastruktur kostet. Die hohen Investitionen der letzten Jahre in Infrastruktur und Sicherheit der Anlagen sind verantwortlich für die Preiserhöhung seitens der WRK – und weitere Investitionen stehen in den nächsten Jahren an.

Auch das städtische Netz hat Altersgebrechen

Der Zweckverband WRK muss also aufgrund eigener hoher Kosten die Preise erhöhen. Gerade im Fall von Kreuzlingen ist das aber noch nicht alles: Denn auch die städtischen Leitungen geben «Grund zur Sorge», wie die Stadt schreibt.

«Die Lebensdauer dieser Anlagen liegt bei etwa 60 Jahren», sagt Stadtrat Thomas Beringer. «Und wenn man sich das Alter dieser Infrastrukturen anschaut, wird schnell klar, dass es laufend Investitionen und Sanierungen braucht».

Kurz: Kreuzlingen gibt die Trinkwasserpreise teilweise weiter und will für anstehende Sanierungen gerüstet sein – zum Unmut des Preisüberwachers.

«Nicht notwendig»

Will eine Gemeinde in der Schweiz die Wasserpreise erhöhen, muss sie dies dem Preisüberwacher in Bern mitteilen. Dieser gibt der Gemeinde in der Folge eine Empfehlung ab, welche aber nicht verbindlich ist.

Im Fall Kreuzlingen riet der Preisüberwacher von einer Preiserhöhung ab. «Weil eine Erhöhung aus Kostensicht in den nächsten Jahren nicht notwendig ist. Auch ohne Erhöhung können die anrechenbaren Kosten gedeckt werden», heisst es auf Anfrage von FM1Today.

Es gehe bei der Preiserhöhung lediglich darum, das Eigenkapital der Stadt Kreuzlingen zu erhöhen. «Es ist unverständlich, wie eine Behörde den finanziellen Komfort der Wasserversorgung über die Sorgen der Bürger im Hinblick auf den Anstieg der Mietnebenkosten stellen kann», so Preisüberwacher Stefan Meierhans.

Die allgemeine Teuerung mache der Bevölkerung bereits genügend zu schaffen.

Begründung der Stadt Kreuzlingen

Dass der Preisüberwacher mit der Erhöhung der Trinkwasserpreise nicht einverstanden ist, kommuniziert der Stadtrat offen. Allerdings ist dieser Schritt aus Sicht der Stadt durchaus notwendig.

«Wir können die zukünftigen Sanierungen ohne diese Mittel nicht gewährleisten. Aus diesem Grund hat der Stadtrat entschieden, dass die Wasserpreise trotzdem erhöht werden, damit wir ein sicheres Netz haben und dieses über Jahre so erhalten bleibt», so Beringer.

Bereits vor Jahren habe das Parlament der Stadt zu diesem Zweck einen Fonds geschaffen, der weiter gefüllt werden soll. Gerade dieses Konstrukt führt aber zu unterschiedlichen Beurteilungen durch Preisüberwacher und Stadt. «Der Preisüberwacher beurteilt den Fonds als nicht angebrachte Vorfinanzierung und will nicht, dass wir für allfällige Sanierungen sparen.»

Tatsächlich ist die Strategie der Stadt – wie auch anderer Orte – aus Sicht von Stefan Meierhans zu vorsichtig. «Fälle wie Kreuzlingen gibt es leider einige. Aber die meisten nutzen ihre Reserven um die unvermeidlichen Erhöhungen abzufedern oder hinauszuzögern. Nur ganz Wenige erhöhen die Preise zum jetzigen Zeitpunkt aus reiner Vorsicht im Hinblick auf die zukünftige Finanzlage.»

Erhöhungen auch in den umliegenden Gemeinden

Nun ist die Stadt Kreuzlingen natürlich nicht alleinige Wasserbezügerin des WRK. Insgesamt sind 14 Gemeinden und das Spital Münsterlingen angeschlossen. Alle Bezüger müssen dabei selbst entscheiden, wie sie mit dem Preisanstieg seitens der Zweckgenossenschaft umgehen – beziehungsweise, wie stark sie diesen weitergeben.

In Tägerwilen etwa steigt die Grundgebühr um 12 Franken, der Bezugstarif pro 1000 Liter um 25 Rappen. In Birwinken kostet das Wasser 10 Rappen mehr, in Berg bleiben die Preise gleich.

Der Preisanstieg in Kreuzlingen scheint also im Rahmen – auch, weil die Stadt laut eigener Aussage nachhilft. «Wir geben nicht den vollen Preisaufschlag an die Kundinnen und Kunden weiter, sondern legen selbst auch noch drauf», sagt Beringer.

Dennoch sei nur zu hoffen, dass die Bevölkerung für das teurere Trinkwasser Verständnis zeigt.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. November 2022 09:53
aktualisiert: 28. November 2022 09:53