Massnahmen-Kritiker

Verein «Aufrecht Schweiz» – ein Experte schätzt die Bewegung ein

25. Juli 2022, 07:05 Uhr
Anfänglich war es eine Bewegung von Massnahmenkritikern und Impfskeptikern: Jetzt wollen einige Mitglieder in der Politik mitmischen. Der Verein «Aufrecht Schweiz», mit den Abglegern «Aufrecht Thurgau» und «Aufrecht St.Gallen» will mit Kandidierenden in Stadtpräsidien, Kantonsrat und Nationalrat. Ein Experte schätzt die Partei ein.
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Während Corona protestierten sie gegen die Massnahmen des Bundesrates. Nun hat sich der Aktivismus von der Strasse auf politische Ebenen verlagert. Eine Gruppe von Corona-Massnahmen-Kritikern hat sich zu «Aufrecht Schweiz» formiert. Für den Verein wollen im nächsten Jahr mehrere prominente Gesichter in der Politik aktiv werden.

Bewusst keine Partei, sondern ein Verein

Darunter ist Robin Spiri. Er ist Kampagnenleiter von «Aufrecht Thurgau», einem Ableger des Vereins. Er kandidiert für den Nationalrat und will damit, wie er sagt, einen grossen Teil der Bevölkerung repräsentieren: «Das Ziel ist es, dass wir mitbestimmen können, weil doch ein grosser Teil der Bevölkerung in den letzten zwei Jahre die Zwangsmassnahmen abgelehnt hat.» Viele würden sich durch die aktuelle Politik bevormundet fühlen und das wolle der Verein ändern.

Spiri übt klare Kritik am Staat aus, der angeblich die Grundrechte seiner Bürger «aushebelt». Weil sich «Aufrecht» vom Parteisystem abgrenzen will, ist es auch keine Partei, sondern ein Verein.

Politische Einordung des Vereins ist schwierig

Dass «Aufrecht Schweiz» in der Politik mitmischen will, sei grundsätzlich positiv, sagt der Soziologe und Erforscher von Verschwörungstheorien, Mark Kovic: «Wir haben in der Pandemie gesehen, dass es viel Groll und Unmut in dieser Bewegung gibt. Viele Menschen wollten sich vom System abwenden, nicht mehr Teil davon sein und bezeichneten den Staat als korrupt und von dunklen Mächten unterwandert.» Deshalb sei es grundsätzlich zu befürworten, dass diese Menschen nun mitreden und mitmachen wollen. «Demokratisch gesehen ist das positiv.»

Eine politische Einordnung des Vereins sei schwierig. Gemäss Marko Kovic hat der Verein klare rechtskonservative Haltungen. «Die Mitglieder sind gegen den Staat, die Steuern und die Zentralisierung und damit Nahe bei den Einstellungen der SVP. Sie haben aber auch Forderungen, die überhaupt nicht im rechten Spektrum sind, wie beispielsweise die nach dem Gratis-ÖV für alle.»

Kritik gegen zwei Kandidierende

Mitglieder, die für politische Ämter kandidieren wollen oder diese bereits belegen, seien viele vorhanden, sagt Robin Spiri, darunter viele prominente: «Wir haben Barbara Müller, die Thurgauer Kantonsrätin ist. Dann ist da Daniel Trappitsch, der Buchser Stadtpräsident werden will.»

Gerade diese beiden Vertreter sind aber auch schon in Kritik geraten. So wurde Barbara Müller aus der SP ausgeschlossen, weil sie sich während der Corona-Pandemie weigerte, im öffentlichen Verkehr eine Maske zu tragen. Der Impfgegner Daniel Trappitsch, der zu den Gründungsmitgliedern von «Aufrecht Schweiz» gehört, hat sich schon geweigert, Steuern zu zahlen.

(TVO)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 25. Juli 2022 07:05
aktualisiert: 25. Juli 2022 07:05
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