Trockenheit bedroht gerettete Platane

Marc Sieger, 2. August 2019, 14:52 Uhr
In Arbon erregt ein leidender Baum die Gemüter. Die Platane auf dem Areal des ehemaligen Bündnerhofs leide unter der Trockenheit und sei allenfalls sogar krank, beklagen Anwohner. Der Baum ist seit Jahren Gegenstand von hitzigen Diskussionen. Darin involviert: Ein Bauherr, dem Untätigkeit vorgeworfen wird, die Stadt Arbon und ein Verein, der Bäume retten will.

Die Platane auf dem Bündnerhof-Areal in Arbon würde Blätter verlieren, ganze Äste seien morsch und würden abbrechen – dies beklagen diverse Arboner auf Social Media. Das obwohl der Baum gemäss einem Gutachten der Stadt Arbon aus dem Jahre 2016 kerngesund sein müsste. Damals ist um den Baum in Arbon ein hitziger Streit entbrannt.

Bauvorhaben scheiterte an Platane

Der Zürcher Bauunternehmer Carmelo Pepi wollte damals auf dem Areal des leerstehenden Restaurants Bünderhof eine neue Überbauung realisieren und dazu die Platane fällen. Dies rief Widerstand auf den Plan. Eine lose formierte Gruppe von Anwohnern sammelte unter dem Nahmen «Platanenfreunde Arbon» Unterschriften zur Rettung des Baumes. Daraufhin liess die Stadt das besagte Gutachten erstellen. Dieses attestierte dem Baum beste Gesundheit und dass er prägend für das Ortsbild sei. Pepi musste den Baum stehen lassen und erhielt die Baugenehmigung nicht. Der Zürcher Unternehmer überarbeitete sein Bauvorhaben so, dass die Platane stehenbleiben konnte. 2018 erhielt er die Baugenehmigung. Das ehemalige Restaurant Bündnerhof wurde abgerissen und Pepi erhielt die Auflage, für die Pflege des Baumes zu sorgen.

«Absichtlich vergiftet?»

Eine Pflicht, die er vernachlässige, wie viele Arboner nun überzeugt sind. Auf Facebook machen viele ihrem Frust darüber, dass die Platane nun Blätter und Äste verliert, Luft und beginnen zu spekulieren. «Schon komisch, dass einer der schönsten Bäume Arbons, der jahrelang gesund war, plötzlich krank wird», schreibt eine Userin etwa. Eine andere schreibt resigniert: «Der Baum muss halt einem neuen Bau weichen – die, die Geld haben, bestimmen». Und wieder ein anderer User schlägt vor, den Baum zu untersuchen, ob er absichtlich vergiftet worden sei.

Bauherr müsste Baum pflegen

So weit will Erica Willi vom Arboner Naturschutzverein, der an Seiten der «Platanenfreunde» für den Erhalt des Baumes gekämpft hatte,  nicht gehen. Sie glaubt auch nicht, dass der Baum krank sei. «Er leidet aber sehr stark unter der Trockenheit der vergangenen zwei Jahre.» Seit der Bündnerhof abgerissen wurde sei die Platane dem Wetter und der Sonne schutzlos ausgeliefert. «Man müsste die Wurzeln abdecken und den Baum gegen die Trockenheit schützen. Dies wäre Aufgabe des Bauherren, diese Pflicht nimmt er jedoch nicht war.» Die «Platanenfreunde» selbst waren nicht erreichbar.

«Der Baum ist krank und müsste gefällt werden»

Carmelo Pepi gibt offen zu, dass er den Baum am liebsten einfach fällen würde. Er ist aber überzeugt, dass der Baum tatsächlich krank ist und nicht bloss unter der Trockenheit leidet. «Ich habe deswegen der Bauverwaltung geschrieben und mit ihr telefoniert. Dort hiess es nur, der Baum sei geschützt und ich dürfe ihn nicht fällen», sagt Pepi.  Zu der Auflage der Pflege sagt er nichts. Im vergangenen Dezember sagte er jedoch, dass solche Massnahmen für ihn «verlorenes Geld» seien.

Ansonsten scheint im Moment auf dem Bündnerhof-Areal nicht viel zu gehen. Eigentlich hätten diesen Frühling die Bagger auffahren sollen. Der Baustart wurde jedoch aus unbekannten Gründen verschoben.

Macht Baumbesitzer nichts, muss Stadt einspringen

Wie es um den Baum tatsächlich steht, kann auch bei der Stadt Arbon niemand sagen. Vizestadtpräsident und Vorsteher des Bau-und Umweltdepartements Didi Feuerle vermutet aber auch, dass der Baum vorwiegend unter der Trockenheit zu leiden hat. Er beobachte den Baum schon seit einigen Monaten. «Die Situation könnte gefährlich werden. Einige Äste drohen abzubrechen und könnten auf das Trottoir fallen und dort Passanten verletzen.» Die Stadt habe Baumbesitzer Carmelo Pepi aufgefordert, Pflegemassnahmen einzuleiten. «Das muss nun bald passieren», so Feuerle. Komme der Bauherr der Aufforderung nicht nach, so würde die Stadt Massnahmen einleiten, um den Baum zu sichern. Unklar sei noch, ob diese Arbeiten der Stadt dann dem Baumbesitzer in Rechnung gestellt würden. «Wir hatten noch nie eine solche Situation».

Feuerle ist aber überzeugt, fällen muss man den Baum nicht. «Ich bin optimistisch, dass die Platane sich von der Trockenheit wieder erholen wird.»

Marc Sieger
Quelle: mas
veröffentlicht: 2. August 2019 14:52
aktualisiert: 2. August 2019 14:52