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Verfahren um Salez eingestellt

Fabienne Engbers, 5. September 2018, 10:43 Uhr
Mehr als zwei Jahre nachdem ein Beschuldigter einen Zugabteil angezündet und dabei mehrere Personen getötet und verletzt hat, wird die Untersuchung eingestellt. Der Beschuldigte, der beim Vorfall verstarb, hat die Tat zwar geplant, habe es aber nicht auf konkrete Opfer abgesehen.

Grund für die Einstellung des Verfahrens ist der Tod des Beschuldigten. «Das war von Anfang an klar, es gibt niemanden mehr, den man bestrafen könnte», sagt Roman Dobler, Sprecher der Staatsanwaltschaft St.Gallen. Der Mann verstarb, nachdem er sich selbst Schnitt- und Stichverletzungen zufügt hatte. Die nach seinem Tod beschlagnahmten Vermögenswerte werden zwecks Fond-Errichtung zu Gunsten der Opfer und Opferangehörigen an die Opferhilfe St.Gallen-Appenzell eingezogen.

Beschuldigter zündete 17-Jährige an und stach auf 34-Jährige ein

«Wir haben in unserer Untersuchung so gut wie möglichst versucht herauszufinden, was den Mann zu dieser Tat getrieben haben könnte», sagt Dobler.  Der Beschuldigte war am 13. August 2016 am Bahnhof Buchs. In einem Rucksack trug er Benzin, Gasanzünder, Dolche, ein Klappmesser und ein Beil mit sich. Die Attacke ereignete sich gegen 14.20 Uhr kurz vor dem Bahnhof Salez auf der Strecke zwischen Buchs und Sennwald. Er setzte sich in den letzten Zugwagon, wo er einen Gasanzünder mit einer Lasche an seiner Hand festmachte. «Danach entnahm er eine der mit Alkylatbenzin gefüllten Flaschen und öffnete diese. Er ging wenige Schritte auf eine sitzende 17-jährige Frau zu, schüttete den Flascheninhalt über ihren Kopf, zündete sie mit dem an der Hand befestigten Gasanzünder an und flüchtete», schreibt die Staatsanwaltschaft. Durch die Explosion wurden ein 6-jähriges Mädchen und ihre 43-jährige Mutter verletzt, sie sassen in unmittelbarer Nähe. Die Tat wurde von Videokameras im Zug aufgezeichnet.

Zwei Frauen verstorben

Eine 34-jährige Frau, die in der Nähe sass, versuchte zu fliehen. Der 27-Jährige rannte erst an ihr vorbei, hielt dann an und stach mit einem Messer zwei Mal auf die Frau ein. Dann verletzte er sich selbst. Die 34-jährige Frau und der mutmassliche Täter sind innert wenigen Tagen nach der Tat gestorben. Die 17-jährige Frau starb am 31.August an ihren Verletzungen. Das 6-jährige Mädchen erlitt Verbrennungen dritten Grades, auch ihre Mutter erlitt mittelschwere Verbrennungen.

Beschuldigter war ein Einzelgänger

«Der 27-jährige Mann war sein ganzes Leben lang ein Einzelgänger und eine introvertierte Persönlichkeit», sagt Dobler. In seinem 12.Lebensjahr erkrankte er an einer Augenkrankheit, die sein Aussehen beeinträchtigte und ihn psychisch belastete. In der Folge lebte der Mann sehr zurückgezogen. «Wohl auch aufgrund seiner Augenkrankheit hatte er zeitlebens nie eine Beziehung, da seine Avancen unerwidert blieben, letztmals im Herbst 2015», sagt Dobler.

Messersammler und Gewaltverherrlicher?

Der Beschuldigte experimentierte mit brennbaren Substanzen und besass nebst mehreren Messern auch pyrotechnische Gegenstände. Ausserdem spielte er laut Staatsanwaltschaft gewaltverherrlichende Spiele. Der 27-Jährige war zum Tatzeitpunkt handlungsfähig, er zielte allerdings nicht auf konkrete Opfer. Auch die Örtlichkeit wählte er laut Staatsanwaltschaft zufällig.

 

Helfer von Salez geehrt

Die Tat im August 2016 wurde von diversen Augenzeugen, die im Zug sassen, mitverfolgt. Acht Personen wurden für ihr beherztes Eingreifen und ihre Zivilcourage geehrt. Die acht Personen haben einen kleinen Schieferstein als Andenken erhalten.

Auch das Medienecho nach der Messerattacke war riesig. Sogar Medien aus den USA berichteten über den Vorfall, zwischenzeitlich nicht ganz korrekt: So wurde Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen kurzzeitig selbst zum Täter erklärt.

Fabienne Engbers
Quelle: red.
veröffentlicht: 5. September 2018 09:28
aktualisiert: 5. September 2018 10:43