Wegen Eltern-Bschiss: Tierpark schliesst

Stefanie Rohner, 9. August 2017, 17:18 Uhr
Im Tier- und Freizeitpark gibt es neben Lamas, unter anderem Esel, Ziegen und ein Wollschwein zu bestaunen. (Symbolbild)
Im Tier- und Freizeitpark gibt es neben Lamas, unter anderem Esel, Ziegen und ein Wollschwein zu bestaunen. (Symbolbild)
© iStock/Jensenwy
Kinder und deren Eltern konnten im Tier- und Freizeitpark Chur 60 Tiere bestaunen, Gokart fahren und sich auf dem Spielplatz austoben. Dies ist am 15. Oktober vorbei. Der Tier- und Freizeitpark hat die Nase voll von Eltern, die keinen Eintritt zahlen wollen. Ausserdem hat der Park mit hohen Defiziten zu kämpfen.

Laetita Domenig, Leiterin der Parks, hat genug, berichtet die Südostschweiz. Sie sagt gegenüber der Zeitung, die Besucher würden ihre Arbeit nicht schätzen und Eltern wollten sich vor dem Eintritt drücken. Ausserdem sei der Tierpark ein unrentables Geschäft. Gegenüber FM1Today wollte sie sich nicht zur Schliessung äussern. Die Besitzerin des Parks ist die Domenig Immobilien AG Chur.

Domenig senior von der Domenig Immobilien AG bestätigt gegenüber FM1Today, dass die Defizite im vergangenen Jahr bei über 240'000 Franken lagen. «Die getätigten Investitionen sind in den 240'000 Franken Defizit noch nicht einmal eingerechnet. In diesem sind lediglich die Ausgaben für Tierhaltung, Instandhaltung und Löhne», sagt Domenig.

«Was wir erlebten, ist der Gipfel»

Er sagt, das hohe Defizit sei aber nicht der einzige Grund für die Schliessung. «Was wir im Park teilweise erlebt haben, ist der Gipfel. Die Kinderwagen werden durch ein Tor in den Park gelassen. Dieses wird vom Restaurant aus geöffnet. Da passierte es oft, dass einfach die ganze Familie durch das Tor spazierte und keinen Eintritt bezahlte», sagt Domenig senior.

Einige der Besucher hätten ausserdem Geräte kaputtgemacht, so auch Gokarts, die sich auf dem Areal befinden. «Das ist unglaublich und uns war klar, dass es so nicht weitergeht.»

«In Namibia hatten wir nie solche Probleme»

Domenig sagt weiter, dass die Besucherinnen und Besucher auf den Toiletten manchmal ein regelrechtes Chaos hinterlassen. «In Namibia, wo wir auch einen Wildpark und die Lodge haben, hatten wir nie solche Probleme. Was hier in Chur läuft ist nicht tragbar.»

Es seien natürlich nicht alle Besucher, die sich so verhalten würden, aber ein Grossteil davon. «Einige sind der Meinung, wir hätten ja sowieso genügend Geld und könnten alles, was kaputt ist, wieder ersetzen», sagt der Architekt.

Domenig ist nicht unumstritten

Domenig senior ist in Chur kein Unbekannter. Er baute markante Hochhäuser, die das Stadtbild von Chur prägen. Er rettete die Luftseilbahn Brambrüesch vor deren Pleite, errichtete das Hallenstadion Chur und unterstützt den Eishockeyclub EHC Chur. Ausserdem will er einen Kinokonmplex bauen. Unumstritten ist er in Chur nicht.

Auch wenn das Geld vorhanden sein dürfte, sieht Domenig nicht ein, wieso er weiterhin Geld für den Park in die Hand nehmen soll, wenn das Angebot nicht geschätzt wird.

In Chur ist der Park beliebt, hört man von verschiedenen Seiten. Nicht nur wegen der Tiere auch wegen des Trampolins und der Gokarts. In der Stadt gibt es keinen anderen Zoo oder Freizeitpark. Trotzdem seien die Zahlen in letzter Zeit nicht gut gewesen, sagt Domenig. «Da lohnt sich der Aufwand nicht. Gerade wenn die Besucher sich so verhalten.» Sie hätten sich Mühe gegeben, aber so würden sie nicht weiter machen. «Wir können mit der Schliessung bis zu 300'000 Franken im Jahr einsparen.»

Die Tiere werden verschenkt

Die Schliessung Mitte Oktober scheint definitiv zu sein. «Voraussichtlich bleibt der Park geschlossen. Wir warten auf bessere Zeiten. Wenn es in einigen Jahren anders aussieht, könnte man sich eine Wiedereröffnung noch einmal überlegen», meint Domenig.

Der Park wird nach der Schliessung zwar noch instand gehalten, die 60 Tiere bleiben jedoch nicht alle dort. «Einige Tiere werden woanders untergebracht. Wir haben Interessenten, an die wir die Tiere verschenken werden», sagt Domenig.

Auf dem Areal des Tier- und Freizeitparks war früher eine alte Pulvermühle, in der Schwarzpulver hergestellt wurde. Thomas Domenig senior kaufte das Areal und baute den Tier- und Freizeitpark. Eröffnet wurde dieser im Jahr 2003. Für den Bau des Parks sind über zwei Millionen Franken investiert worden.
Stefanie Rohner
Quelle: str
veröffentlicht: 9. August 2017 15:05
aktualisiert: 9. August 2017 17:18