Wilen hat zu wenige Asylsuchende

Angela Mueller, 11. September 2017, 10:37 Uhr
Die Container-Siedlung für Asylsuchende steht unmittelbar neben dem Gemeindehaus in Wilen.
© TAGBLATT/Simon Dudle
Zurzeit halten sich in Wilen im Hinterthurgau sieben Asylsuchende auf - das sind drei zu wenig, damit die Rechnung der Gemeinde aufgeht. Die Gemeinde versucht nun, Asylsuchende anderer Gemeinden zu übernehmen.

Es ist tatsächlich eine verkehrte Welt - während manche Gemeinden Mühe haben, genügend Platz für Asylsuchende zu bieten, hat die Gemeinde Wilen noch Betten frei: «Natürlich sind wir froh, wenn die Lage der Flüchtlinge nicht so angespannt ist. Aus Erfahrung wissen wir aber auch, dass sich dies schnell ändern kann», sagt Kurt Enderli, Gemeindepräsident von Wilen.

Verschiedene Gemeinden angefragt

Die Gemeinde müsste im Durchschnitt zehn Flüchtlinge in ihrer neuen Containersiedlung beherbergen, damit sich die getätigten Ausgaben von 250'000 Franken auszahlen, wie die Wiler Zeitung schreibt. Doch im Moment beherbergt die Gemeinde nur sieben Asylsuchende, das sind drei zu wenig. Die Gemeinde hat sich deshalb auf die Suche gemacht und verschiedene Gemeinden angeschrieben, da der Kanton Thurgau Wilen nicht genug Schützlinge zuweist.

«Falls Sie sich Gedanken machen, Ihre Unterkunft zu schliessen oder auch aus anderen Gründen Bedarf haben, sind wir gerne bereit zusätzlich ein bis sieben männliche Asylsuchende aufzunehmen», schreibt Wilen in einem Brief an andere Gemeinden.

Moralische Verpflichtung gegenüber Asylsuchenden

Vor einem Jahr wurden die Asylsuchenden in Wilen noch in einer Zivilschutzanlage untergebracht: «Dies war schlicht nicht zumutbar, dort kann man nicht länger als einen Monat leben», sagt Enderli. Die Gemeinde hatte deshalb direkt neben dem Gemeindehaus eine Containersiedlung aufgestellt, die maximal 14 Asylsuchende beherbergen kann. «Wir haben die moralische Verpflichtung, eine menschenwürdige Unterkunft für die Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.»

Der Betrag für die Containersiedlung von 250'000 Franken wurde von der Gemeinde vorgeschossen und sollte in den nächsten acht bis zehn Jahren vom Kanton zurückbezahlt werden. Dies indem sie eine Pauschale pro Person und Tag von rund 43 Franken an die Gemeinde Wilen zahlt. Diese Rechnung geht aber nur auf, wenn die Gemeinde im Durchschnitt zehn Asylsuchende beherbergt.

Kaum Widerstand von der Bevölkerung

«Die Situation ist nicht kritisch», sagt Enderli. «Wir haben genügend Zeit eingerechnet.» Ausserdem betont er, dass es kaum negative Stimmen in der Gemeinde gegen die Asylunterkunft gäbe. «Es ist nur schwierig, Wohnraum zu finden, deshalb haben wir die Containersiedlung aufgestellt.»

Angela Mueller
Quelle: agm
veröffentlicht: 11. September 2017 10:37
aktualisiert: 11. September 2017 10:37