«Wir sind die Spinner am Herd»

Michael Ulmann, 7. Juli 2017, 09:47 Uhr
Sie sind Elektriker, Primarlehrer oder Physiotherapeut und kochen fürs Leben gern. Sieben Jungs aus Jonschwil und Umgebung sorgen zurzeit mit einem speziellen Kochclub für Furore. Die «RoadChiefs» verwöhnen dabei nicht nur ihre Gäste kulinarisch, sondern erleben auch allerlei - zum Beispiel auf ihren jährlichen Road Trips quer durch Europa.

«Der Spass darf nicht zu kurz kommen», sagt mir der Chef der RoadChiefs, Marco «Förri» Forrer, ziemlich am Anfang, als ich ihn zum Interview treffe. Auf die Frage, was denn die RoadChiefs genau seien, antwortet er: «Spinner am HerdWir sind sieben Jungs. Zuerst waren wir zu zweit, dann zu viert und nun eben sieben. Keiner davon ist aktuell Koch. Alle haben zurzeit einen anderen Beruf. Bei uns geht es darum, Spass zu haben, Party zu machen, viel zu kochen und viel Kulinarik.»

Immer beliebter

Der 28-Jährige ist seit den Anfängen dabei. Dieses Jahr feiert der Kochclub, der gleichzeitig auch Catering-Service ist, sein 10-jähriges Jubiläum. «Zuerst haben wir aus Leidenschaft am Kochen und Essen eigentlich nur für uns oder unsere Freundinnen gekocht. Das hat aber so viel Spass gemacht und war lustig, dass es sich im Freundeskreis herumgesprochen hat. Und mit zunehmender Nachfrage und Mund-zu-Mund-Propaganda kam dann der Lieferdienst in der Region dazu und inzwischen bekochen wir nicht selten 50 bis 80 Personen», so Förri.

Unterdessen hätten sie so viele Aufträge, dass sie den Leuten fast absagen müssen. Das Ziel sei jedoch nie gewesen, dies professionell oder wegen des Geldes zu machen, sondern immer aus Spass. Es sei quasi ein Nebenjob, der richtig «de Plausch» mache.

Fleisch, Fleisch, Fleisch

Grundsätzlich kochen die RoadChiefs alles von A bis Z oder halt das, was der Kunde wünscht. Eine Spezialität haben die sieben Jungs aber. «Alles, was von unserem eigenen Smoker kommt, ist der Hammer», schwärmt Kim, der Bruder von Förri. Auch er ist bei den RoadChiefs dabei und war früher Spitzenkoch. Beruflich hat sich der 26-Jährige inzwischen neu orientiert, was blieb ist die Liebe zum Kochen. Um noch beim Fleisch zu bleiben; besonders gut ankommen würden Pulled Beef, Pulled Pork, Pulled Duck (alles langsam bei niedriger Temperatur gegart) oder Haxen, sagen die beiden Brüder unisono.

Küchentipp #7 von den RoadChiefs: Avocado schälen einfach und schnell

Obwohl Kim als Spitzenkoch in Gourmet-Restaurants gearbeitet hat, kommen die kreativen Ideen für die verschiedenen Gerichte nicht nur von ihm. Eher bringt er das Know-How ins Team ein. Um neue Rezepte und Ideen zu sammeln, machen die RoadChiefs jedes Jahr eine Kulinarik-Reise, den Road Trip. Ab Samstag steht Road Trip #4 auf dem Programm. Bisher waren sie schon in fast allen Ländern in Europa. «Wir fahren am Morgen um fünf Uhr los» sagt Förri. Dieses Jahr geht es für insgesamt zwölf Tage nach Slowenien, Kroatien, Montenegro, Serbien, Mazedonien, Albanien, Kosovo und dann mit der Fähre nach Korfu und danach mit dem Flugzeug wieder zurück in die Schweiz.

Autoverkauf und Technoparty

«Auf den Road Trips bestellt im Restaurant jeder von uns jeweils etwas anderes, am besten etwas, das man nicht kennt. Einer oder zwei greifen halt dann «id Schiisii», sagt Förri und schmunzelt. Die Gerichte, die den Wein- und Kulinarik-Liebhabern dann schmecken, merken sie sich. Wenn sie wieder in der Schweiz sind, werden die Gerichte nachgekocht, allenfalls verfeinert und im besten Fall beim nächsten Auftrag oder Fest integriert.

Nebst vielen lustigen Traditionen, die sich über die Jahre während den Road Trips angesammelt haben (u.a. verkaufen die Jungs am Schluss ihrer Reise immer das extra für ihre Reise angeschaffte Auto), erleben die RoadChiefs jeweils auch allerlei Kurioses und Spannendes auf ihren Trips. Förri hat eine Anekdote parat: «Wir waren im tschechischen Ostrava und wollten eigentlich einen ruhigen Sonntagabend machen. Plötzlich befanden wir uns aber in der grössten Technoparty Europas. Ja, dann waren wir halt erst am Morgen um acht Uhr zurück im Hotel.»

Zickenkrieg

Was ich mich am Schluss von unserem Interview noch frage: Wo sind eigentlich die Frauen? Sind die nicht willkommen bei den RoadChiefs? Förri lacht und antwortet: «Die nehmen wir nicht auf. Sonst gibt es Zickenkrieg. Alle von uns haben zwar eine Freundin und einer ist auch schon verheiratet. Die Damen bekochen wir sehr gerne und sie werden auch gerne bekocht, sie müssen dann halt einfach den Abwasch machen, das ist selbstverständlich.» Ausserdem besagen die RoadChiefs-Statuten, dass keine Frauen beitreten dürfen. Männer sind hingegen zu Lebzeiten Mitglied.

In der Bildergalerie gibt es viele Impressionen von den Kochutensilien, den Gerichten und den Road Trips der RoadChiefs.

Das Logo der RoadChiefs. Bild: zvg
Das Logo der RoadChiefs. Bild: zvg

Michael Ulmann
veröffentlicht: 7. Juli 2017 07:10
aktualisiert: 7. Juli 2017 09:47