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«Wir wollen Nägel mit Köpfen»

Stefanie Rohner, 3. Mai 2019, 17:53 Uhr
Die IG Handball St.Gallen hat sich wegen der Hallensituation in der Stadt mit einem offenen Brief an den Stadtrat gewandt. Spitzenmannschaften wie der St.Otmar bräuchten modernere Hallen.
© Michel Canonica / TAGBLATT
Die Handballvereine sind unzufrieden. In ihren Augen ist es unmöglich geworden, in St.Gallen wichtige Handball-Spiele durchzuführen, da die Infrastrukturen in den grossen Hallen veraltet seien. Mit einem offenen Brief hat sich die IG Handball St.Gallen deshalb an den Stadtrat gewandt.

«Wir haben uns immer wieder bemüht, Länderspiele oder andere wichtigen Handballevents nach St.Gallen zu bringen – jedoch ohne Erfolg. Nachdem in anderen Schweizer Städten neue Sporthallen entstanden sind, ist St.Gallen von der sportlichen Landkarte für Teamsportarten in der Halle mehr oder weniger verschwunden», schreibt Fritz Bischoff, Präsident der IG Handball St.Gallen im offenen Brief an den Stadtrat.

Dies, so schreibt er, gelte nicht nur für den Handball, denn auch andere Sportarten wie Volleyball oder Unihockey lassen St.Gallen bei wichtigen Anlässen links liegen, weil die heute gewünschte Infrastruktur fehle. «Wir haben zwar immer wieder Länderspiele durchführen können, jedoch werden uns die wichtigen nicht mehr zugeteilt», sagt Bischoff gegenüber FM1Today.

Gespräche ohne Lösungen

In der Sporthalle Kreuzbleiche finden seit über 30 Jahren Handballspiele statt. «Die Sportfläche der Halle ist an sich gut. Es fehlt aber die moderne Infrastruktur. Bei einem Länderspiel ist es wichtig, eine gute Anzeigetafel zu haben. Zudem braucht es Platz für Catering, Sponsoren und die Medienschaffenden. Das fehlt dort», sagt Bischoff.

Der Sport sei an einer solchen Veranstaltungen natürlich das Wichtigste, aber rundherum müsse es eben auch stimmen. Dazu zählen für Bischoff LED-Beleuchtungen, einwandfreie Beschallung, LED-Banden für Werbung sowie einen VIP-Bereich. Die Sitzplätze würden grundsätzlich ausreichen, aber Holzbänke entsprächen nicht mehr den heutigen Standards.

In der Vergangenheit haben die Handballvereine schon Gespräche mit Vertretern der Direktion Bildung und Freizeit geführt. Diese hätten aufgrund loser Versprechen keine Verbesserung gebracht.

«Damals wurde uns gesagt, man nähme das Thema in die Hand und werde eine Arbeitsgruppe gründen. Passiert ist das aber nicht. Auch die Idee, die Sporthalle Kreuzbleiche auszubauen, wurde nicht umgesetzt, weil der Architekt scheinbar noch ein Urheberrecht darauf habe. Uns fehlt einfach der gute Wille der Stadt, etwas Neues auf die Beine zu stellen», sagt Bischoff.

Neubau für die IG vorstellbar

Er möchte, dass die IG Handball mit der Stadt St.Gallen zusammenkommt. «Wir wollen wissen, in welche Richtung es konkret gehen könnte und ob es realistisch wäre, eine neue Halle zu bauen oder die Kreuzbleiche-Halle auszubauen. Es darf nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden, wir wollen Nägel mit Köpfen», sagt Bischoff.

Einen Neubau kann sich die IG gut vorstellen. «Eine mulifunktionale Sporthalle nach neuesten Erkenntnissen wäre ideal. Damit könnten künftig wieder Länderspiele in den verschiedenen Sportarten sowie für Medien relevante Veranstaltungen wie Super-Finals, Final4, Cup-Finals oder Länderwettkämpfe durchgeführt werden», schreibt er im offenen Brief.

Eine solche Halle, sagt Bischoff, sollte in der veranstaltungsfreien Zeit den Teamsportarten zur Verfügung stehen: Handball mit St.Otmar und dem LC Brühl sowie Unihockey Waldkirch-St.Gallen und anderen Sportarten mit professionellen Bedürfnissen für Trainings unter dem Tag.

«Wir sind für alles offen»

Diese Bedürfnispalette könne von einem allfälligen Wintertraining des FC St.Gallen bis hin zum Badminton gehen. «Wenn für den Neubau das Gebiet Breitfeld und Gründenmoos in die Planung einbezogen würde, wäre auch ein Zusammengehen etwa mit Gossau vorstellbar, wo mit Fortitudo Gossau auch ein Handballverein mit Trainingsbedürfnissen besteht. Der überregionale Gedanke könnte bei der Finanzierung durchaus hilfreich sein», schreibt Bischoff weiter.

Von der Stadt St.Gallen hat Bischoff bislang noch keine Reaktion auf den offenen Brief erhalten. Bleibt das weiterhin so, kommt die IG wieder zusammen. «Wir sind für alles offen. Aber wenn die Stadt nicht mit im Boot ist, wird es schwierig», sagt Bischoff.

Er betont, wenn St.Gallen als Sportstadt nicht nur regional, sondern auch national sowie international wahrgenommen werden wolle, würden der jährliche CSIO für die Randsportart Reiten und der FC St.Gallen als nationaler Flaggenträger nicht ausreichen.

«Nur mit einer modernen Sporthalle wird St.Gallen für bedeutende Veranstaltungen wieder attraktiv», sagt Bischoff.

(str)

 

Stefanie Rohner
veröffentlicht: 3. Mai 2019 16:29
aktualisiert: 3. Mai 2019 17:53