Technologischer Fortschritt

5G reduziert die Handy­strahlung in der Schweiz

27. Juli 2022, 08:18 Uhr
Dank neuer Technologie nimmt die Handystrahlung in der Schweiz ab, obwohl mehr Daten übertragen werden. Um 5G-Anlagen aufzurüsten, müssen aber Skepsis und Proteste in der Bevölkerung abnehmen.

Neue schweizweite Messungen zeigen, wie stark die Bevölkerung Handystrahlung ausgesetzt ist. Fachleute haben dafür urbane und ländliche Gebiete sowie öffentliche Gebäude und Industriequartiere besucht, wie der «Tagesanzeiger» schreibt. Die Strahlungs-Belastung sei in der Schweiz insgesamt moderat.

Belastung ist geringer geworden

An gut zugänglichen, stark genutzten Orten werden maximal 15 Prozent der Grenzwerte erreicht. Meist liegt die gemessene Feldstärke im einstelligen Bereich. Negative Folgen für die Gesundheit können deshalb gemäss Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut Basel ausgeschlossen werden. Überrascht zeigte sich der Experte darüber, dass die Belastung in den letzten Jahren tendenziell abgenommen hat.

Die Zahl der Antennen hat um 38 Prozent zugenommen, die Datenmenge ist ums 18-fache gestiegen. Wie kommt es also zur Abnahme der Belastung durch Strahlung? Die positive Entwicklung ist mit dem technologischen Fortschritt erklärbar. Für den 5G-Standard werden beispielsweise überwiegend adaptive Antennen eingesetzt. Diese strahlen gezielt dorthin, wo Signale benötigt werden, während herkömmliche Antennen den ganzen Raum bestrahlen.

Bau neuer Anlagen stockt

«Je moderner die Mobilfunktelefonie ist, desto weniger Strahlung gibt es», sagt Christian Grasser, Geschäftsführer des Schweizerischen Verbands für Telekommunikation Asut zum «Tagesanzeiger». Die Branche hofft, dass die Ergebnisse die emotional geführte Debatte versachlicht.

Die Belastung für Mensch und Natur klein halten – dafür wird 5G laut Grasser einen wichtigen Beitrag leisten. Die Aufrüstung oder Installation von Anlagen stösst aber auf Widerstand. In der Schweiz sind zurzeit mehr als 3100 Bewilligungsverfahren blockiert. «So kommen wir nicht vorwärts», kritisiert Christian Grasser. Es brauche bessere Rahmenbedingungen.

Intuitives Denken führe im Bereich Mobilfunk häufig in die Irre, sagt Forscher Martin Röösli. So sei es kontraproduktiv, Mobilfunkanlagen zu bekämpfen. «Je weiter weg die nächste Antenne steht, desto stärker strahlt das eigene Handy. Im Extremfall bis 100’000-mal stärker als bei optimaler Netzabdeckung.» Wer die Strahlung in seinem Umfeld minimieren wolle, solle seinen Handykonsum einschränken. «Die Antennen leiten letztlich nur weiter, was die Bevölkerung nachfragt.»

(hap)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 27. Juli 2022 08:21
aktualisiert: 27. Juli 2022 08:21
Anzeige