Anzeige
Chur

Alle Kandidaten abgelehnt: Papst bestimmt neuen Bischof

24. November 2020, 07:36 Uhr
Am Montag warteten die Katholiken des Bistums Chur vergeblich auf die Resultate der geheimen Bischofswahl. Laut Medienberichten hat das Domkapitel alle Kandidaten abgelehnt. Nun ist Rom am Zug.
Der apostolische Administrator Peter Bürcher hätte seine Aufgaben gestern an den neuen Bischof übergeben sollen.
© Keystone

Der neue Bischof von Chur wird von Papst Franziskus ernannt. Das am Montag in Chur zusammengetretene Domkapitel hat das historische Privileg, einen Kandidaten aus einer von Rom vorgeschlagenen Dreierliste zu bestimmen, nicht wahrgenommen. Dies meldete am Montag das katholische Medienzentrum kath.ch. Auch die «NZZ» und die Medien der TX Group berichteten unter Berufung auf verschiedene Quellen am Dienstag von der gescheiterten Bischofswahl.

Das Bistum Chur geniesst traditionell das Privileg, bei der Einsetzung eines neuen Bischofs mitreden zu dürfen. Das sogenannte Domkapitel kann dabei aus einer vom Vatikan abgesegneten Dreierliste einen Kandidaten auswählen. Davon wurde am Montag jedoch nicht Gebrauch gemacht. Der neue Bischof wird deshalb nun direkt von Papst Franziskus ernannt werden.

Reformer wollen Konservative von der Spitze drängen

Hintergrund ist ein Jahrzehnte alter Richtungsstreit in der Diözese. Während deren Spitze von Rom traditionell mit konservativen Klerikern besetzt wurde, gibt es unter Laien und Priestern eine starke Reformbewegung, insbesondere im Kanton Zürich.

Zuletzt hatten Reformer den apostolischen Administrator Peter Bürcher verklagt, weil er ihnen das Gespräch verweigert haben soll. Dies im Zusammenhang mit der Absetzung des Innerschweizer Generalvikars Peter Kopp, der sich in einem Artikel in der «NZZ» zu Plänen der Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr geäussert hatte, von staatlicher Seite aus beim Heiligen Stuhl Einfluss auf die Churer Bischofswahl zu nehmen. Der Walliser Bürcher ist seit der Emeritierung von Bischof Vitus Huonder interimistisch im Amt, quasi als Stellvertreter für den Bischof.

Der Papst gilt als liberal

Die Reformer hatten sich von der Bischofswahl einen ihnen genehmen Kandidaten erhofft. Entsprechend scharf fielen erste Reaktionen aus. Katch.ch-Redaktionsleiter Raphael Rauch spricht in einem Kommentar von einem «schmutzigen Spiel» und wirft Generalvikar Martin Grichting vor, die Wahl verhindert zu haben. «Den Preis für dieses destruktive Verhalten in Trump-Manier dürfte Grichting bald bezahlen müssen», kommentiert Rauch.

Die Hoffnungen der Reformer liegen nun bei dem von konservativer Seite als dezidiert liberal wahrgenommenen Papst. Von Seiten des Bistums lag bis am Dienstag keine Stellungnahme vor.

(wap)

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 24. November 2020 07:02
aktualisiert: 24. November 2020 07:36