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Überschwemmungen

Bafu-Experte: Die höchsten Pegel kommen noch

14. Juli 2021, 17:07 Uhr
In vielen Orten der Schweiz steigt mit den Pegeln der Seen und Flüsse auch die Gefahrenstufe für Überschwemmungen. Philippe Gyarmati vom Bundesamt für Umwelt erklärt, wie es dazu kam und wann Besserung in Sicht ist.
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Quelle: PilatusToday

Philippe Gyarmati kennt die Seen und Flüsse der Schweiz. Beim Bundesamt für Umwelt arbeitet er in der Sektion hydrologische Vorhersagen der Abteilung Hydrologie. «Wir machen Warnungen und Prognosen für die Pegelstände», sagt er.

Herr Gyarmati, ist die Lage momentan kritisch?

Philippe Gyarmati: Momentan sind vor allem die Seepegel in der Schweiz deutlich erhöht. Dadurch erhöht sich auch die Gefahrenstufe bei den Ausflüssen der Seen in den Flüssen. Zum Beispiel beim Vierwaldstättersee, beim Bielersee und beim Thunersee haben wir die höchste Gefahrenstufe 5.

Was heisst das?

Ein normaler Pegelstand ist Gefahrenstufe 1. Bei den Stufen 2 und 3 gibt es noch keine grösseren Überuferungen, es sind kaum Schäden zu erwarten. Die Schadensgrenze ist bei Gefahrenstufe 4, bei der Stufe 5 gibt es grossflächige Überschwemmungen und grössere Schäden.

Wie wird sich die Lage entwickeln?

Morgen Donnerstag und am Freitag sind weitere Regengüsse zu erwarten. Das heisst, dass auf der Alpennordseite die Flüsse und Seen weiter ansteigen. Deshalb gibt es für die genannten Seen für die nächsten Tage auch die Gefahrenstufe 5. Gefährlich wird es auf für die Aare bei Bern, die Reuss unterhalb von Luzern und den Hochrhein bei Basel.

Wann ist der kritischste Punkt?

Bei den Flüssen erwarten wir die höchsten Pegel am Donnerstag und Freitag. Bei den Abflüssen aus den Seen ein bisschen später, vielleicht am Wochenende. Die Seen sind träge, die erreichen den Höchststand erst, wenn es aufhört zu regnen, das ist im Verlaufe des Wochenendes.

Danach entspannt sich die Lage?

Es ist mit sinkenden Pegeln zu rechnen. Es kann aber teilweise ziemlich lange gehen, bis sich die Lage normalisiert. Es hängt von der Wetterentwicklung ab.

Wie zuverlässig sind solche Wetterprognosen?

Die sind immer unsicher. Je weiter man schaut, desto unsicherer. Dass es eine Regenphase gibt, konnte man schon ein paar Tage früher prognostizieren. Aber wann es wie viel Regen gibt und was das für die Flüsse und Seen bedeutet, ist schwierig zu beurteilen. Trendaussagen, ob es nass oder trocken, warm oder kalt wird, können wir relativ gut machen. Derzeit haben wir mit einem Kaltlufttropfen zu kämpfen. Das kann man sich vorstellen wie ein Fettauge, das in einer Suppe schwimmt. Der Tropfen ist nicht an den Jetstream gebunden und zieht nur langsam weg. Die Regenzonen bleiben deshalb länger.

Lässt sich dieses aktuelle Hochwasser in die letzten Jahre oder Jahrzehnte einordnen?

In den letzten Jahren gab es immer wieder Hochwassersituationen. 1999, 2005 und 2007 gab es grössere Ereignisse. Vom Wetter am ähnlichsten war die Situation 2005. Auch damals hatten wir einen Kaltlufttropfen und es kam feuchte und warme Luft aus dem Norden. Dieses Wetterszenario haben wir auch in den nächsten Tagen.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. Juli 2021 18:52
aktualisiert: 14. Juli 2021 17:07