Schweiz

Bschiss-Jobangebote nerven Whatsapp-User in der Schweiz

Betrugsversuche

Bschiss-Jobangebote nerven Whatsapp-User in der Schweiz

· Online seit 08.09.2023, 20:34 Uhr
Wer Whatsapp, Signal oder Telegram nutzt, dem sind sie in letzter Zeit wohl aufgefallen: Stellenangebote von unbekannten Absendern. Was zunächst interessant klingt, ist in Wirklichkeit eine dreiste Abzocke. Das solltest du tun, wenn du so eine Nachricht bekommst.
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Auf den ersten Blick klingen die Nachrichten verlockend: «Hallo, wir suchen nach Personal in der Schweiz!», «Ich arbeite für eine Rekrutierungsfirma und möchte Ihnen eine Stelle anbieten.», «Hätten Sie Interesse an einem Nebenjob?». Auf Apps wie Signal, Telegram oder Whatsapp erhalten Schweizerinnen und Schweizer aktuell solche Mitteilungen. Was steckt dahinter? Und wie soll man vorgehen, wenn so ein Jobangebot ins virtuelle Postfach flattert?

Vorsicht vor Job-Angeboten von unbekannter Adresse

Die Nachrichten gleichen sich stark. Sie sind in englischer Sprache verfasst, allerdings holprig und oftmals gespickt mit orthografischen Fehlern. Die Absender stellen meistens eine Arbeit in Aussicht, die mit wenig Aufwand nebenbei ausgeübt werden könne. Lässt man die Nachricht einige Tage unbeantwortet, so ist der Kontakt meistens gelöscht worden.

All das deutet darauf hin, dass es sich bei den Nachrichten nicht um seriöse Angebote, sondern um Betrugsversuche handelt. Und so ist es auch. Job-Anfragen per Whatsapp oder Telegram seien nicht vertrauenswürdig, sagt Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum und Sprecher der Organisation Digitale Gesellschaft. «Bei Anfragen von unbekannten Personen sollten Nutzerinnen und Nutzer auch bei Messaging-Apps mit Vorsicht reagieren», rät Steiger. «Wieso sollte man überhaupt plötzlich auf diesem Weg ein Job-Angebot erhalten?»

Das fragte sich auch Leserreporterin Julia. Vor ein paar Tagen hat sie eine entsprechende Nachricht erhalten. «Aus dem Nichts hat mich eine fremde, ausländische Nummer per Whatsapp angeschrieben», berichtet sie der Today-Redaktion. Auf Englisch habe Julia zurückgeschrieben: «Wer bist du?» Die angebliche Absenderin nannte ihr einen Vornamen und gab an, für eine Personalberatungs-Firma zu arbeiten. Sie wollte wissen, ob Julia an einem Teilzeit-Job interessiert sei.

Viele persönliche Daten geistern im Internet herum

Sehr merkwürdig und auch irgendwie beängstigend habe Julia empfunden, dass die Person ihren Vor- und Nachnamen gekannt habe. «Ich habe mich echt gefragt: Wer ist das und wie gelangen die an meine Nummer?» Auf diese Frage antwortete die Absenderin, sie arbeite mit dem bekannten Schweizer Stellenportal jobs.ch zusammen und dieses habe den Kontakt zur Verfügung gestellt. «Ich finde das gar nicht in Ordnung, sondern aufdringlich und unverschämt!», sagt Julia verärgert.

Dass der Kontakt von einem Stellenportal vermittelt wurde, ist ebenso gelogen, wie das angebliche Jobangebot selbst. Jobcloud, die Betreiberfirma von jobs.ch, schreibt auf Anfrage, dass man Daten ausschliesslich im Rahmen der geltenden Datenschutzbestimmungen und im Einklang mit den anwendbaren Datenschutzgesetzen weitergebe. Auch ein Datenleck könne Jobcloud nach einer umfassenden Abklärung ausschliessen. Die Aussage, die Absenderin habe den Kontakt von jobs.ch erhalten, ist falsch.

Woher hatten die Betrüger Julias Namen und Nummer? Die Daten vieler Nutzerinnen und Nutzer seien bekannt, zum Beispiel durch Datenlecks bei grossen Social-Media-Plattformen, erklärt Digitalanwalt Martin Steiger in diesem Zusammenhang. Grundsätzlich reiche eine Handynummer. Die entsprechenden Datenbestände könne man im Markt einkaufen – oder schlicht die Nummern einzeln durchprobieren.

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Was bezwecken die Absender von Fake-Stellenangeboten? Laut Steiger gibt es unterschiedliche Absichten. Ein häufiges Ziel sei es, an persönliche Daten der Opfer heranzukommen, etwa um deren Identität missbrauchen zu können. Bei einer Stellenbewerbung müsse man weitreichende Angaben offenlegen, allenfalls auch eine Ausweiskopie. Diese Angaben könnten zum Beispiel auch missbraucht werden, um E-Banking- und Kryptowährungs-Guthaben abzugreifen. «Wer auf ein solches Angebot eingeht, riskiert zum Opfer einer Straftat zu werden», so Steiger.

Swisscom & Co. sind machtlos

Gegen die Absender, die hinter den betrügerischen Nachrichten stecken, lässt sich kaum etwas machen. «Straftäter im digitalen Raum bleiben leider häufig unerkannt und es findet kaum Strafverfolgung statt», sagt Steiger. Auch den Telekommunikations-Unternehmen, über deren Infrastruktur die Nachrichten verschickt werden, sind die Hände gebunden. Inhalte, die über Messenger-Apps verschickt würden, seien verschlüsselt, heisst es etwa bei Sunrise auf Anfrage. Das heisst, Telekomanbieter könnten die infrage stehenden Mitteilungen weder erkennen, nachverfolgen noch deren Inhalte überprüfen.

Aus diesem Grund können Swisscom, Sunrise und Salt auch nicht sagen, ob die Zahl der betrügerischen Nachrichten bei ihren Kundinnen und Kunden zugenommen hat – und wer diese verschickt. Sabrina Hubacher, Mediensprecherin der Swisscom, bestätigt aber eine Zunahme von Betrugsversuchen via SMS, sogenanntes SMS-Phishing, seit ungefähr zwei Jahren. «Phishing und Spam sind heute bei SMS aufs Handy leider genauso wie bei E-Mail Realität», sagt Hubacher. Die Swisscom habe dazu einen SMS-Filter lanciert, dieser wirke aber nicht gegen Whatsapp-Phishing.

Am besten löschen und ignorieren

Was soll man tun, wenn man ein Stellenangebot oder eine andere verdächtige Mitteilung von einer unbekannten Nummer erhält? «Im Minimum sollte geprüft werden, ob das Stellenangebot echt ist», rät Martin Steiger. Das geschieht am einfachsten über die offizielle Website des Unternehmens. Dort müsste die Stelle ausgeschrieben sein. Ein gewisses Mass an Misstrauen ist hier sinnvoll. «Betrugsmaschen dieser Art scheitern an der Vorsicht der Nutzerinnen und Nutzer», so Steiger.

Rolf Ziebold, Sprecher von Sunrise, weist auf einen weiteren Aspekt hin: Wer auf eine betrügerische Anfrage reagiert, signalisiert den Hintermännern, dass die Nummer aktiv ist – und provoziert so womöglich weitere Belästigungen. «Wir empfehlen den Kundinnen und Kunden, Nachrichten von unbekannten Absendern zu ignorieren beziehungsweise zu löschen». Dies empfehlen auch Swisscom und Salt.

Ausserdem sollte man keine Links anklicken oder gar Inhalte herunterladen. Wenn möglich, sollte die Nachricht in der Messenger App als «Betrug» oder «Spam» gemeldet werden. In keinem Fall sollte man persönliche Angaben, Passwörter oder etwa Kontodaten herausgeben. Leserreporterin Julia hat in diesem Fall das einzig Richtige getan: «Die Nummer habe ich sofort blockiert.»

veröffentlicht: 8. September 2023 20:34
aktualisiert: 8. September 2023 20:34
Quelle: Today-Zentralredaktion

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