Im 3. Quartal

CS macht Milliardenverlust und entlässt Tausende

27. Oktober 2022, 11:52 Uhr
Die Credit Suisse will mit tiefgreifenden Sparmassnahmen und mit einer radikal restrukturierten Investmentbank aus der Krise finden. Nach einem erneuten Milliardenverlust im dritten Quartal stockt die Grossbank zudem ihr Kapital auf.
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Mega-Verlust bei der Schweizer Traditionsbank: In der Periode von Juli bis September 2022 schrieb die Grossbank einen Reinverlust von 4,03 Milliarden Franken, wie sie am Donnerstag mitteilte. Es war der vierte Quartalsverlust in Folge. Letztmals schrieb die CS im dritten Quartal 2021 einen Gewinn und zwar in der Höhe von 434 Millionen.

Der Reinverlust umfasst den Angaben zufolge eine Wertberichtigung latenter Steuerguthaben in Verbindung mit der Strategieüberprüfung der Bank in der Höhe von 3,7 Milliarden Franken. Der Verlust vor Steuern wird mit 342 Millionen beziffert – nach einem Gewinn von rund 1 Milliarde im Vorjahreszeitraum.

Massiver Stellenabbau

Die Restrukturierung führt zum sofortigen Abbau von 2700 Stellen oder 5 Prozent der Beschäftigten, wie die zweitgrösste Schweizer Bank mitteilte. Ende 2025 werde die Gruppe noch rund 43'000 Angestellte haben, verglichen mit rund 52'000 aktuell, ein Minus von 9000 Angestellten innerhalb der nächsten drei Jahre also.

Die Massnahmen sollen dazu führen, dass die jährlichen Kosten bis 2025 auf noch 14,5 Milliarden Franken sinken. Bereits 20Z3 sollen die Kosten um rund 1,2 Milliarden Franken auf rund 15,8 Milliarden reduziert werden, dies mit tiefer reichenden Kostensparprogrammen als bisher angepeilt.

2000 Angestellte in der Schweiz

Der Personalabbau trifft auch die Angestellten in der Schweiz. Der Personalbestand hierzulande dürfte sich über die nächsten drei Jahre um rund 2000 auf etwa 14'000 Angestellte verringern, sagte VR-Präsident Axel Lehmann in einem Interview mit SRF.

Kapitalerhöhung in Höhe von 4 Mrd Fr.

Die CS will sich über eine Kapitalerhöhung frische Mittel beschaffen. Durch die Ausgabe neuer Aktien an qualifizierte Investoren und durch ein Bezugsrechtsangebot für bestehende Aktionäre soll ein Bruttoerlös von rund 4,0 Milliarden Franken erzielt werden.

Saudische Investoren kommen an Bord

Als gewichtigen neuen Investor hat die Grossbank dabei die Saudi National Bank gewonnen. Diese habe sich verpflichtet, bis zu 1,5 Milliarden Franken zu investieren. Sie wird damit einen Anteil von bis zu 9,9 Prozent an der Grossbank erwerben und wird so zu einer der grössten Aktionärinnen. Grösster Anteilsinhaber ist aktuell Harris Associates mit einem Anteil von 10,1 Prozent. Die Qatar Investment Authority hält 5,03 Prozent, ebenfalls rund 5 Prozent liegen bei Blackrock.

Auch viertes Quartal mit roten Zahlen

Die düsteren Aussichten sind nicht vorbei: Die CS hat weiterhin harte Zeiten vor sich. Nach dem milliardenhohen Minus im dritten Quartal bleibt es auch im vierten Quartal ungemütlich. Das Management warnt denn auch vor einem erneuten Verlust.

Investment-Bank-Chef tritt per sofort ab

Deutlich umgebaut wird die zuletzt stark verlustträchtige Investment Bank. Dank einem deutlich tieferen Risikoprofil sollen die risikogewichteten Aktiven (RWA) bis 2025 um rund 40 Prozent sinken. Zentral wird für die CS noch das Markets-Geschäft sein. Das Kapitalmarkt- und Beratungsgeschäft soll in eine neue Einheit unter dem Namen CS First Boston ausgegliedert werden, die auch Kapital von dritter Seite anziehen möchte.

Der strukturelle Umbau führt auch zu Veränderungen im Management der Bank. So muss etwa der Chef der Investment Bank gehen. Christian Meissner tritt per sofort ab, heisst es weiter. Der bisherige CS-Verwaltungsrat Michael Klein wird zudem aus dem Verwaltungsrat ausscheiden, um als Berater von Group CEO Ulrich Körner die eigenständige Einheit CS First Boston zu lancieren.

Er solle dann ab 2023 als CEO die Führung der CS First Boston übernehmen, dies vorbehältlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden, wie es heisst. Während der Übergangszeit werde David Miller als Global Head of Investment Banking & Capital Markets agieren.

+++ Update folgt +++

(jaw/sda)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 27. Oktober 2022 07:00
aktualisiert: 27. Oktober 2022 11:52