Anzeige
BAG-Medienkonferenz

Das bedeuten die rasant steigenden Fallzahlen

20. Juli 2021, 17:06 Uhr
Die Fallzahlen haben sich in den letzten zwei Wochen jeweils verdoppelt. Was bedeutet diese Entwicklung? Diese und weitere Fragen beantworteten die BAG-Expertinnen und -Experten an der heutigen Medienkonferenz. Die sieben wichtigsten Fragen und die Antworten darauf findest du hier.
Patrick Mathys vom BAG nahm heute Stellung zu den aktuellsten Entwicklungen rund um die Pandemie.

Was gibt es zu den stark steigenden Fallzahlen zu sagen?

Die Fallzahlen nehmen insbesondere bei den Jungen stark zu. Gemäss Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit BAG, sei das erwartbar gewesen, weil in dieser Altersgruppe viele noch nicht geimpft sind. Zudem sei die Delta-Variante mittlerweile stark verbreitet. Es ist möglich, dass bereits diese Woche die 1000-Fälle-Grenze wieder überschritten wird.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: CH Media Video Unit

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: CH Media Video Unit

Ist dieser Anstieg problematisch?

Das ist insbesondere von der Situation in den Spitälern abhängig. Derzeit seien 70 Prozent der Betten auf den Intensivstationen besetzt, jedoch nur drei Prozent fallen auf Corona-Patienten. Auch die Todesfallzahlen seien auf tiefem Niveau stabil. Ob die steigenden Fallzahlen zum Problem werden, hängt in erster Linie mit der Situation in den Spitälern zusammen. Würde sich diese wieder verschlechtern, müsste wieder eingegriffen werden. Um die Situation richtig einschätzen zu können, sei es derzeit noch zu früh, so Mathys.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: CH Media Video Unit

Wie läuft es mit der Impfkampagne?

Knapp vier Millionen Menschen sind in der Schweiz aktuell vollständig geimpft. Die Impfnachfrage sei zwar aufgrund der Sommerferien ein wenig zurückgegangen, aber im Grossen und Ganzen nach wie vor vorhanden in der Bevölkerung. Für Samia Hurst, Vizepräsidentin der National COVID-19 Science Task Force, ist es wichtig, dass die Impfungen weiter vorangetrieben werden. Weil Schnelltests nicht zu 100 Prozent sicher seien, bestehe das Risiko, dass sich das Virus durch unentdeckte Positive an Grossanlässen weiterverbreitet.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: CH Media Video Unit

Versucht man Impfunwillige zu überzeugen?

Grundsätzlich will man Impfunwillige von der Sinnhaftigkeit der Impfung überzeugen – allerdings lassen sich diese kaum beeinflussen. «Es ist schwierig, Leute zu überzeugen, wenn sie sich nicht informieren lassen wollen», sagt Michael Herrmann, Politikwissenschaftler und Geschäftsführer von Sotomo, der eine Umfrage zu diesen Themen durchgeführt hat. Die einzigen Argumente, die gemäss Umfrage von Impfunwilligen in Betracht gezogen werden, sind die Aussicht auf ein normales Leben und uneingeschränktes Reisen. Eventuell müsste man in diesen Bereich weitere Nachteile für die Impfskeptiker in Betracht ziehen.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: CH Media Video Unit

Sind weitere Nachteile für Nicht-Impfwillige denkbar?

Angesprochen wurde an der Medienkonferenz auch die Option, nur noch Covid-Zertifikate für Genesene und Geimpfte auszustellen – nicht mehr für Getestete. Theoretisch sei das eine Möglichkeit, sagen die Experten. Samia Hurst ist jedoch der Ansicht, dass solange es Umgeimpfte gibt, die Möglichkeit bestehen muss, dass das Zertifikat auch für Geteste gilt. Es handle sich bei dieser Frage mehr um eine politische als eine wissenschaftliche Frage – deswegen gibt es keine klare Antwort.

Gibt es einen nächsten Öffnungsschritt?

Das ist die Entscheidung des Bundesrats, welcher Mitte August darüber beraten wird. Der Fahrplan sehe zwar offziell eine Lockerung vor, allerdings sei die aktuelle Situation heikel und müsse genau beobachtet werden. Eine Prognose geben die Expertinnen und Experten deshalb nicht ab.

Sind erneute Einschränkungen möglich?

Es gibt keine einzelnen Indikatoren – wie die Fallzahlen – die bei der Entscheidung über allfällige erneute Einschränkungen entscheidend sind. Die Gesamtsituation sei massgebend, so Mathys. Heisst: Wenn nur die Fallzahlen steigen, aber die Hospitalisierungen weiterhin tief bleiben, sind neuerliche Einschränkungen eher unwahrscheinlich. Sollte sich die Situation in der Spitälern aber ändern, kann es wieder anders aussehen.

(con)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. Juli 2021 17:00
aktualisiert: 20. Juli 2021 17:06