Giebel-Kunst

Das Bundeshaus kriegt ein «Facelifting»

4. März 2022, 16:35 Uhr
Das Giebelfeld am Bundeshaus in Bern wird mit einem zeitgenössischen Kunstwerk ausgeschmückt. Es stammt von der Schweizer Künstlerin Renée Levi und trägt den Namen «Tilo».
So soll das Bundeshaus künftig aussehen: Das Tympanon erhält einen Kachellook statt die bisherige nackte Mauer.
© Screenshot Projektdossier

Der Titel des Werks ist eine Hommage an Tilo Frey (1923–2008), die als eine der ersten zwölf Frauen und als erste schwarze Frau 1971, direkt nach Inkrafttreten des Frauenstimm- und Wahlrechts, in den Nationalrat gewählt wurde. Das teilte die Verwaltungsdelegation des Eidgenössischen Parlaments am Freitag mit.

Das Tympanon, das dreieckige Giebelfeld, am Parlamentsgebäude ist vom Bundesplatz aus markant als bisher unverziertes Dreieck zu sehen. Es soll nun zum 175-jährigen Bestehen der Bundesverfassung im Jahr 2023 mit einem zeitgenössischen Kunstwerk ausgefüllt werden.

Keramikplatten spielen mit dem Licht

Das dreieckige Giebelfeld wird mit 246 dreieckigen Keramikplatten nahe am Farbton des Gebäudes wie ein Mosaik vollständig ausgekleidet. Durch unterschiedlich verlaufende Rillen und eine feine Glasur bricht sich das Tageslicht - und abends das Kunstlicht - immer wieder neu. Damit entsteht optisch eine leichte Bewegung in der statischen Fassade. Enthüllt werden soll das Kunstwerk zum Jubiläum im kommenden Jahr.

Vor gut einem Jahr hatte die Kunstkommission Parlamentsgebäude einen Gestaltungswettbewerb lanciert. 15 Schweizer Künstlerinnen und Künstler wurden eingeladen, ihre Projektvorschläge für das Tympanon des Parlamentsgebäudes einzureichen. 13 folgten der Einladung. Die Wettbewerbsjury entschied sich schliesslich für das Projekt des Studios Renée Levi und unterbreitete ihren Antrag der Verwaltungsdelegation. Diese folgte dem Juryantrag.

Künstlerin und Professorin

Renée Levis Arbeitsgebiete sind die Malerei und die Installation. Sie ist ausgebildete Architektin und hat an der Zürcher Hochschule der Künste bildende Kunst studiert. Levi hat zahlreiche Kunstpreise gewonnen und ist seit 2001 als Professorin für bildende Kunst und Malerei an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel tätig.

Mit Levis Werk soll auch zeitgenössische Kunst auf dem Äusseren des markanten Gebäudes ihre Spuren hinterlassen. Die Künstlerin wird einen bis bis anhin unberührten Teil der symbolträchtigen Fassade schmücken. Eine Verzierung des Tympanons war seit 1848 schon verschiedentlich in Betracht gezogen, aber letztlich nie realisiert worden.

Nun soll die Fassade des über hundertjährigen Gebäudes mit einem zeitgenössischen Werk den Veränderungen in der Gesellschaft Rechnung tragen. «Das über 100-jährige Gebäude entspricht nicht mehr dem Zustand der Nation; die Gesellschaft hat sich gewandelt, die Frauen haben das Stimmrecht bekommen und machen nun Politik», sagte Hans-Rudolf Reust, Präsident der Kunstkommission Parlamentsgebäude, bei der Lancierung des Wettbewerbs.

Quelle: sda / red.
veröffentlicht: 4. März 2022 16:17
aktualisiert: 4. März 2022 16:35
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