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FAQ

Das ist über die Coronavirus-Mutation bekannt

21. Dezember 2020, 16:39 Uhr
In einer Medienkonferenz nahmen Experten des Bundes Stellung zu den Massnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung der neuen Virus-Mutation in der Schweiz. Vieles sei noch unbekannt, doch es gebe deutliche Hinweise auf eine höhere Ansteckungsrate.
Experten des Bundes haben am Montag bei einer Medienkonferenz über das Einreiseverbot und die rückwirkende Quarantäne für Personen aus Grossbritannien und Südafrika informiert.
© Keystone

Am Samstag informierte Englands Premierminister Boris Johnson über eine ansteckendere Variante des Coronavirus, die im Süden Englands für hohe Fallzahlen sorgt. Darum hat der Bundesrat heute Montag, 21. Dezember, neue Massnahmen beschlossen, um eine Ausbreitung der Mutation in der Schweiz möglichst zu verhindern.

Macht die Mutation das Virus ansteckender?

Erste Erkenntnisse britischer Wissenschaftler deuten darauf hin, dass die Mutation um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form ist, verkündete der britische Premierminister Boris Johnson am Samstag.

Im Interview mit «Deutschlandfunk»  relativiert der deutsche Virologe Christian Drosten und nannte die Angabe einen Schätzwert: «Diese Zahl ist einfach so genannt worden. Plötzlich steht so ein Wert im Raum, 70 Prozent, und keiner weiss überhaupt, was damit gemeint ist.» Auch sei diese Virus-Mutation bereits in anderen Ländern nachgewiesen worden, wo es aber keine vergleichbare Entwicklung wie in England gab.

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Quelle: CH Media Video Unit

Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit des BAG, meint dazu, dass auch schon eine 20 Prozent ansteckendere Mutation zu einer problematischen Erhöhung der Fallzahlen führen könnte und es deutliche Anzeichen dafür gebe, dass die britische Variante des Coronavirus ansteckender ist.

In welchen Ländern ist das mutierte Virus bereits nachgewiesen?

Entdeckt wurde die neue Coronavirus-Variante in Grossbritannien bereits im September und treibt jetzt im Süden Englands ihr Unwesen. Nachgewiesen ist sie gemäss Weltgesundheitsorganisation WHO auch in Südafrika, den Niederlanden, Dänemark, Australien, Brasilien, den USA und Italien.

Patrick Mathys vom BAG geht davon aus, dass die Mutation schon in der Schweiz ist, obwohl sie noch nicht nachgewiesen wurde. Laut Mathys sei es Wunschdenken zu hoffen, dass sich die Virus-Mutation nicht auf dem europäischen Festland verbreiten werde, es ginge jetzt aber darum, die Importe aus anderen Ländern so gut wie möglich einzuschränken.

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Sind Mutationen gefährlich?

Dass Viren mutieren, ist normal und kann sie sogar harmloser machen, meistens hat das jedoch keinen Einfluss auf die Gefährlichkeit des Virus. Mutationen treten dann auf, wenn ein Fehler bei der Reproduktion des Virus erfolgt. Von SARS-CoV-2 sind bereits mehr als 12'000 Mutationen bekannt. Im jetzigen Fall würde der Virus sich durch rund zwölf genetische Mutationen in den Oberflächenproteinen vom 2019 in Wuhan entdeckten Coronavirus unterscheiden. Diese seien in einem erstaunlich kurzem Zeitraum aufgetreten.

Höheres Gesundheitsrisiko bei dieser Variante?

Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass die neu aufgetauchte Mutation für eine höhere Mortalität sorgen würde, so Patrick Mathys vom BAG. Würde sich aber jetzt eine ansteckendere Variante in der Schweiz verbreiten, wo die Fallzahlen weiterhin hoch sind, würde dies eine ernstzunehmende Gefahr darstellen, denn das Gesundheitssystem sei weiterhin stark ausgelastet.

«Wenn die neue Variante einen grossen Einfluss auf die Schwere der Erkrankung hätte, hätten wir das inzwischen gesehen», sagte Ewan Birney, stellvertretender Direktor des European Molecular Biology Laboratory gegenüber dem «Guardian». Die Anzahl der in den südenglischen Krankenhäusern behandelten Infizierten sei zuletzt nicht stark angestiegen oder gesunken, darum gehe er nicht davon aus, dass die neue Mutation kränker macht.

Wirkt der Impfstoff bei dieser Mutation?            

Ob die Mutation einen Einfluss auf die Wirksamkeit des Impfstoffes hat, kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Es gebe keine Hinweise, dass die Impfung bei der mutierten Variante nicht wirken würde, so Patrick Mathys. Betonen möchte er aber, dass man noch sehr wenig über die Mutation und deren Charakteristik weiss und viele Fragen noch nicht abschliessend geklärt sind.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. Dezember 2020 16:35
aktualisiert: 21. Dezember 2020 16:39