Coronavirus

«Die Situation im Tessin ist dramatisch»

19. März 2020, 16:32 Uhr
Daniel Koch, Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim BAG, gibt Auskunft zur aktuellen Lage.
© Keystone
Daniel Koch vom BAG, SBB-Chef Andreas Meyer und weitere Spitzenbeamte des Bundes haben über die aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus informiert.

«Es geht jetzt ums Überleben», mahnte gleich zu Beginn der Medienkonferenz Daniel Koch, der Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Fast 4000 positive Corona-Fälle habe man in der Schweiz, es werden täglich mehr.

Insbesondere im Tessin spitze sich die Lage zu, die Intensivbetten in den Spitälern werden knapp. Koch betonte, dass in diesen Fällen die Chancen auf eine Heilung wenig aussichtsreich sei: «Selbst wenn jemand beatmet wird, ist die Sterberate extrem hoch.»

Kantone bieten Hilfe an

In der gesamten Schweiz gibt es laut BAG noch etwa 160 freie Plätze bei den Intensivbetten. Dies bei einer Gesamtanzahl von 800. Weil es im Tessin Engpässe gibt, haben einige Kantone bereits Hilfe angeboten, doch auch hier werde es langsam eng. Koch: «Jetzt sollte sich möglichst niemand mehr anstecken. Nur so können wir das bewältigen.»

Der öffentliche Verkehr wird in den nächsten Tagen weiter reduziert, SBB-Chef Andreas Meyer sprach vom «grössten Fahrplanwechsel, den es je gab». Die SBB stellen sich darauf ein, dass irgendwann nur noch rund die Hälfte der Mitarbeitenden im Dienst sein können.

Sollten Kunden Nachteile erhalten, wolle sich die SBB kulant zeigen, sagte Meyer. «Derzeit gibt es aber sehr viele Anfragen, da kann es etwas länger gehen.»

Schweiz rutscht in Rezession

Das Seco warnte derweil davor, dass die Schweiz in eine Rezession schlittern werde. Die Rede ist von Ausfällen von bis zu 40 Milliarden Franken, die Arbeitslosigkeit werde ebenfalls ansteigen. Genaue Prognosen seien jedoch schwierig, sagte Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik.

Derweil werden die Grenzkontrollen weiter verschärft. Seit den ersten Massnahmen wurden bereits über 11'000 Menschen an der Grenze abgewiesen, weil sie nicht die nötigen Papiere hatten. Vermehrt würden deshalb Leute versuchen, illegal in die Schweiz zu kommen, hier sei vor allem der Nordwesten der Schweiz betroffen.

Hier der Ticker zur Medienkonferenz zum Nachlesen:

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. März 2020 13:50
aktualisiert: 19. März 2020 16:32