Wirtschaft

Erster Schritt zum Luxuswarenhaus: Globus verkauft Filialen von Navyboot und Co.

17. Juli 2020, 18:39 Uhr
Der Herren Globus gehört ab sofort nicht mehr zur Warenhauskette.
© Keystone
Die neuen Besitzer von Globus machen ernst: Um das Profil der Warenhauskette zu schärfen, stossen sie die Kleidergeschäfte von Schild, Herren Globus und Navyboot ab. Die Käufer sind keine Unbekannten.

(rwa) Globus vollzieht die ersten Schritte seiner Neuausrichtung nach der Übernahme durch ein österreichisch-thailändisches Konsortium. Auf nächsten Februar übernimmt das Trio Thomas Herbert, Silvia Bayard und Fredy Bayard alle ehemaligen Schild- und Herren-Globus-Filialen sowie alle Navyboot-Geschäfte der Globus Gruppe. Das gab das Unternehmen am Freitag bekannt. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

«Nun können wir uns mit unseren Warenhäusern noch schneller als geplant voll auf deren Positionierung im Luxus- und Premiumbereich konzentrieren», wird Verwaltungsratspräsident Vittorio Radice in der Mitteilung zitiert. Die beiden neuen Eigentümer Signa und Central Group investieren dafür in den nächsten Jahren mehr als 300 Millionen Franken. In den Flaggschiff-Stores Zürich und Genf ist 2021 ein grosser Umbau geplant. Noch grösser werden die Veränderungen in Basel, wo das Haus totalrenoviert wird.

Keine Entlassungen

Dass die 31 Fachgeschäfte vom besagten Trio übernommen werden, kommt nicht überraschend und war schon lange gemunkelt worden. Die neuen Eigentümer sind mit dem Bekleidungsgeschäft vertraut: Als früherer Globus-Chef kennt Thomas Herbert die Geschäfte wie auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gut. Auf Anfrage schildert er seine Beweggründe für den Kauf: «Diese Geschäfte liegen mir am Herzen. Weil es kleinere Häuser sind, war schon länger klar, dass sie in der neuen Gruppe keinen Platz haben werden.»

Alleine wollte und konnte Herbert den Kauf aber nicht stemmen. So entstand die Zusammenarbeit mit dem Ehepaar Silvia und Fredy Bayard, das er seit Jahren gut kennt. Auch in der Branche sind die Bayards wohlbekannt: Sie betreiben schweizweit bereits 75 Filialen, unter dem eigenen Namen sowie unter den Marken Marc O’Polo, Tommy Hilfiger oder Cecil. «Aufgrund ihrer Grösse hat die Bayard-Gruppe bereits die nötige Infrastruktur», sagt Herbert und meint damit eine Verwaltung samt Finanz- und Personalabteilung. «Vor diesem Hintergrund machte es Sinn, den neuen Globus-Eigentümern ein Angebot für die 31 Fachgeschäfte zu unterbreiten.»

Ziel der neuen Besitzer ist es, die Filialen je nach Grösse, Lage und Potenzial entweder unter dem Namen «Bayard Co Ltd» oder «Navyboot» zu sanieren oder neu zu positionieren. Die neuen Eigentümer haben zugesichert, alle übernommenen Geschäfte weiterzuführen. Einzelne Filialschliessungen können sie aus derzeitiger Sicht aber nicht vollständig ausschliessen. «Die 31 Standorte, die es jetzt noch gibt, sind aber alle top», sagt Herbert. «Vor zehn Jahren waren es noch rund 60. Unrentable Filialen wurden längst geschlossen, auch im Zuge der Zusammenlegung mit Globus vor zwei Jahren.»

Gute Nachrichten gibt es auch für die Angestellten. Alle 320 Mitarbeitenden werden zu den bestehenden Konditionen übernommen. Globus zeigt sich über den Deal deshalb erleichtert: «Unser Team ist froh über diese schnelle und vor allem auch für die Mitarbeitenden nachhaltige Lösung», wird Globus-CEO Franco Savastano in der Mitteilung zitiert. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Luxustempel sind Vorbild

Im Februar war bekannt geworden, dass die Migros-Tochter Globus in neue Hände übergeht. Käufer sind die thailändische Central Group und das österreichische Partnerunternehmens Signa. Gemäss Schätzungen floss bei der Übernahme eine Milliarde Franken.

Die beiden Unternehmen haben sich einen Namen gemacht im Luxussegment und betreiben in ganz Europa traditionsreiche Warenhäuser wie die KaDeWe-Gruppe oder Rinascente. Globus passe gut in dieses Portfolio, sagten die Verantwortlichen bei der Übernahme. Ziel sei es, Globus zur führenden Luxuswarenhaus-Gruppe der Schweiz zu entwickeln. Im Verbund soll es Zugang zu internationalen Luxusmarken erhalten.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 17. Juli 2020 17:04
aktualisiert: 17. Juli 2020 18:39