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Umfrage

Geschlechterklischees verlieren an Bedeutung

28. Dezember 2021, 17:12 Uhr
Zwar verstehen sich mehr als 99 Prozent der Menschen in der Schweiz eindeutig als Mann oder Frau. Dennoch sind Graustufen bei der Beschreibung der eigenen Identität für viele wichtig. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage zum Thema.
Für einen Aufbruch für alle: Schild an der Frauenstreik-Demonstration in Basel am 14. Juni. (Archivbild)
© KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Nur 0,4 der Bevölkerung bezeichnen sich gemäss der am Dienstag veröffentlichten Erhebung des Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag der Initiative «Geschlechtergerechter» explizit als nicht-binär. Doch geht es um konkrete Eigenschaften, ist das Bild komplexer.

Nur 14 Prozent der Männer schätzen sich als ausschliesslich männlich, nur 6 Prozent der Frauen als ausschliesslich weiblich ein. Und 12 Prozent der Männer und Frauen nehmen sich selbst als ebenso weiblich wie männlich wahr.

Mannsein als Politikum

Für 55 Prozent der Bevölkerung ist gemäss der Studie das Geschlecht wichtig oder eher wichtig für die eigene Identität. 60 Prozent der Frauen halten ihr Geschlecht für prägend dafür, wer sie sind, aber nur 49 Prozent der Männer.

Frauen seien aufgrund fortbestehender Diskriminierungen stärker mit ihrem Frausein konfrontiert, während Männer ihre Möglichkeiten und Begrenzungen weniger mit dem Geschlecht verbänden, erklären dies die Autorinnen und Autoren der Studie.

Allerdings zeigt sich bei den Männern ein ideologischer Graben: Für 62 Prozent der politisch rechts stehenden Männer ist demnach ihr Mannsein wichtig, für zwei Drittel davon sogar sehr wichtig. Dagegen identifizierten sich nur gerade 12 Prozent der links stehenden Männer sehr stark mit ihrem Geschlecht, heisst es in der Studie.

Gesellschaftlicher Einfluss wird anerkannt

Eine Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass es für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowohl biologische als auch gesellschaftliche Gründe gibt. Nur 17 Prozent meinen, Unterschiede in den Verhaltensweisen seien angeboren. Ebenfalls lediglich 17 Prozent sind der Ansicht, sie seien allein das Ergebnis gesellschaftlicher Konventionen.

Unter den Befragten hätten insbesondere ältere Männer die Wichtigkeit biologischer Faktoren betont, schreiben die Studienautorinnen und -autoren.

Nur 18 Prozent äusserten die Meinung, es gebe nur Frauen und Männer. Dass einige Menschen sich nicht in dieses Schema einordnen liessen, sei heute Mainstream, heisst es dazu in der Studie.

Gespalten zeigen sich die Befragten aber bei der Frage, wie die Verwaltung mit diesem Umstand umgehen soll. Heute muss man sich in der Schweiz in amtlichen Dokumenten als Mann oder Frau bezeichnen. Gut die Hälfte der Befragten möchte dies ändern, die andere Hälfte ist dagegen.

Nur wenige benutzen den Genderstern

Der Genderstern und ähnliche Schreibweisen sind nach wie vor nicht mehrheitsfähig: Nur gerade 7 Prozent verwenden sie heute. Nicht mehr mehrheitsfähig ist aber auch das generische Maskulinum, also die Verwendung der männlichen Form, bei der Frauen mitgemeint sind. Es ist nur noch für 27 Prozent die bevorzugte Art, sich auszudrücken.

Für die Studie wurden zwischen dem 29. September und dem 1. November 2690 Personen online befragt. Die Teilnehmenden wurden per Einladung rekrutiert und die Daten danach so gewichtet, dass die Ergebnisse für die Gesamtbevölkerung repräsentativ sind.

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. Dezember 2021 17:13
aktualisiert: 28. Dezember 2021 17:12