Stimme gefälscht

Glarner lässt Arslan mit KI gegen «kriminelle Türken» hetzen

17.10.2023, 10:52 Uhr
· Online seit 17.10.2023, 10:15 Uhr
SVP-Nationalrat Andreas Glarner hat auf Social Media mit Künstlicher Intelligenz ein Video veröffentlicht. Darin fordert Grünen Nationalrätin Sibel Arslan, dass «alle kriminellen Türken ausgeschafft werden». Zahlreiche Reaktionen verurteilen den Fake.

Quelle: CH Media Video Unit / Ramona De Cesaris

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«Ich bin Sibel Arslan von den Grünen und ich will, dass alle kriminellen Türken ausgeschafft werden. Bitte wählen Sie bei den eidgenössischen Wahlen SVP und schreiben Sie Andreas Glarner zweimal auf Ihre Liste.»

Dies sagt nicht die richtige Sibel Arslan, sondern eine KI-generierte Version der grünen Nationalrätin. Der Absender: der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner. Über dem Video prangt der Titel: «Wenn Sibel Arslan ehrlich wäre».

«Bewegt sich rechtlich und politisch auf dünnem Eis»

Die Reaktionen unter dem Tweet vom Montagnachmittag sind dann auch zahlreich. 
Eine Person schreibt: «Angeblich für ehrliche Politik sein und dann zuerst mal einen Deepfake erstellen ... »

Auch Politikerinnen und Politiker verurteilen das Video. Mitte-Präsident Gerhard Pfister kritisiert: «Rechtlich und politisch bewegt er sich hier meines Erachtens auf dünnem Eis. Man stelle sich vor, ein Juso-Mitglied mache das Gleiche mit Glarner selbst.»

Der Zürcher SP-Gemeinderat Islam Alijaj, der wegen seiner sprachlichen Einschränkung eine Serie mit KI-Assistenz veröffentlicht hat, schreibt KI zwar grosses Potenzial zu – auch im politischen Raum. «Aber Andreas Glarner zeigt in seiner bösartigen Einfältigkeit, wohin die Reise ohne entsprechende Regulierung leider führen wird.»

Arslan will sich nicht äussern

Die Today-Bundeshausredaktion hat Sibel Arslan am Morgen am Rande einer Kommissionssitzung getroffen. Sie möchte derzeit nicht öffentlich Stellung beziehen, auch nicht zur Frage, ob sie juristisch gegen Andreas Glarner vorgehen will.

Der Einsatz von KI sorgt in diesem Wahlkampf nicht das erste Mal für Kritik. Im Sommer zeigte die FDP mit einer KI-generierten Plakatkampagne Klimaaktivisten, die eine Strasse und eine Ambulanz blockierten. Dabei versah die Partei das Plakat mit dem Slogan «Anpacken statt ankleben!».

Glättli warnte vor KI in Politik

Grünen-Präsident Balthasar Glättli bezeichnete in einem Interview mit der «Republik» das Szenario, dass mit KI Politikerinnen und Politikern Worte in den Mund gelegt werden, als «verheerend». Schliesslich sei die Glaubwürdigkeit der Politiker sehr zentral für die Demokratie.

Glättli sagte weiter: «Wenn man von jeder beliebigen Person Aussagen publizieren kann, die sie so nie gemacht hat, kommen wir dahin, wo Trump-Stratege Steve Bannon die US-Politik hinbewegen wollte: Flood the zone with shit.» Dies heisse so viel wie den öffentlichen Raum mit Quatsch und Unsinn füllen. «Dann sind wir an einem Punkt, an dem man als Bürgerin gar nichts mehr glaubt.»

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Im September gaben SP, Die Mitte, Grüne, Grünliberale und EVP bekannt, dass sie sich auf einen gemeinsamen Kodex zum Gebrauch von Künstlicher Intelligenz in Wahl- und Abstimmungskampagnen geeinigt hätten. Darin verpflichten sich die Parteien etwa, die Urheberschaft von KI bei der Erstellung von auditiven und/oder visuellen Kampagnenelementen zu deklarieren und keine KI-erzeugten auditiven und/oder visuellen Inhalte für Negativ-Kampagnen zu nutzen. 

veröffentlicht: 17. Oktober 2023 10:15
aktualisiert: 17. Oktober 2023 10:52
Quelle: Today-Zentralredaktion

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