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Steigende Coronazahlen

«Herr Berset, wie lange schauen Sie noch zu?»

19. November 2021, 08:53 Uhr
Die Fallzahlen steigen, die Spitalbetten füllen sich allmählich - trotzdem will Bundesrat Alain Berset keine weiteren Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus einführen. Warum der Bundesrat gegen eine Verschärfung ist und seine Reaktion auf den Vorwurf, er würde nur die Covid-Abstimmung abwarten, um weitere Massnahmen zu bestimmen, erklärt er im Interview.
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Quelle: CH Regionalmedien

Herr Bundesrat, die Fallzahlen steigen und auch die Spitalbetten füllen sich allmählich. Experten raten, möglichst schnell zu reagieren, um nicht in eine ähnliche Situation wie im letzten Herbst zu kommen. Wie lange schauen Sie noch zu?

Alain Berset: Die aktuelle Situation ist nicht mit letztem Jahr zu vergleichen. 2020 hatten wir fast keine Immunität in der Bevölkerung, keine Impfung. Jetzt haben wir diese Lösung. Die Immunität in der Bevölkerung ist hoch. Noch nicht hoch genug, aber hoch genug, um zu sagen, dass wir uns in einer völlig anderen Situation befinden. Wir müssen im richtigen Moment erkennen, was es zu tun gilt. Aktuell belegen Covid-19-Patientinnen und -Patienten rund 16 Prozent der Intensivstationen in der Schweiz. Die Situation in den Spitälern ist also sicher nicht ausser Kontrolle.

In Österreich und Deutschland ist die Situation teilweise schon dramatisch. Was macht Ihnen Hoffnung, dass es in der Schweiz nicht auch so weit kommt?

Wir haben unseren eigenen Weg. Wir haben eine eigene Umsetzung der 3-G-Regel. Es ist klar, dass die Situation nicht ganz einfach ist und sie sich in eine negative Richtung entwickelt. Wir müssen mit den Kantonen im richtigen Moment sehen, wo es was zu tun gibt, für den Fall, dass eine Überlastung der Spitäler droht.

Können sie heute versprechen, dass die Coronamassnahmen nach der Abstimmung vom 27. November nicht verschärft werden?

Ich weiss nicht, was kommen wird. Was ich heute sagen kann: Es gibt keinen Grund, weitere Massnahmen zu verfügen, wenn die Situation in den Spitälern gut ist. Wir können schon seit langem beweisen, dass wir vernünftig und verhältnismässig handeln. Wir lassen uns nicht von strategischen Einflüssen leiten.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. November 2021 17:31
aktualisiert: 19. November 2021 08:53