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Menschenhandel

Hilfsorganisationen haben 174 Opfer von Menschenhandel identifizert

1. September 2021, 11:41 Uhr
Im letzten Jahr haben die spezialisierten Beratungsstellen in der Schweiz 174 Opfer von Menschenhandel identifiziert. Bei den meisten handelte es sich um Frauen, zwei Drittel wurden zur Prostitution gezwungen. Die Dunkelziffer liege jedoch noch viel höher.
Zwei Drittel der Opfer von Menschenhandel werden zur Prostitution gezwungen. (Archivbild)
© KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

Insgesamt hätten die vier Beratungsstellen im letzten Jahr 500 Opfer beraten und betreut, teilte die Schweizer Plattform gegen Menschenhandel am Mittwoch in einem Communiqué mit. Bei 86 Prozent von ihnen handle es sich um Frauen, zwei Drittel seien in der Prostitution ausgebeutet worden.

Das andere Drittel sei als Arbeitskraft in privaten Haushalten, in der Gastronomie, in Nagelstudios, im Baugewerbe oder zum Betteln missbraucht oder für kriminelle Handlungen wie Diebstahl eingesetzt worden.

Besonders diese Personen würden oft nicht als Opfer von Menschenhandel erkannt, sagte die Koordinatorin der Plattform, Anna Schmid gemäss der Mitteilung. Deshalb brauche es mehr Ressourcen zur Sensibilisierung der Behörden und der Öffentlichkeit.

Gemäss der Geschäftsführerin von Astrée, Anne Ansermet, handelt es sich bei den erstmals erhobenen gesamtschweizerischen Zahlen aber lediglich «um die Spitze des Eisbergs». Die Dunkelziffer liege viel höher, wird Ansermet in der Mitteilung zitiert.

40 Prozent aus Europa

Rund 40 Prozent der Opfer von Menschenhandel stammten aus Europa, 40 Prozent aus afrikanischen Ländern und je 10 Prozent aus Asien oder Lateinamerika, hiess es weiter. Die häufigsten Herkunftsländer waren Rumänien, Nigeria, Kamerun und Ungarn.

Ein grosses Problem liege darin, dass viele der beratenen Personen im Ausland ausgebeutet worden seien und deshalb nach Schweizer Opferhilferecht keinen Anspruch auf Unterstützung hätten, sagte Doro Winkler von der FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration. Diese Praxis widerspreche der Europaratskonvention.

Die Schweizer Plattform gegen Menschenhandel besteht aus den vier Beratungsstellen Centre Social Protestant (CSP) Genève, Astrée aus der Waadt, FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration aus Zürich und Antenna MayDay SOS Ticino. Sie decken zusammen alle drei grossen Sprachregionen der Schweiz ab und beraten und begleiten die Opfer.

Quelle: sda
veröffentlicht: 1. September 2021 11:40
aktualisiert: 1. September 2021 11:41