Schweiz

Immer mehr Menschen fühlen sich einsam

Maarit Hapuoja, 28. Oktober 2022, 07:59 Uhr
Corona, Digitalisierung und keine Work-Life-Balance. Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung fühlt sich einsam – von jung bis alt und in allen Schichten.

Quelle: CH Media Video Unit / Tiktok

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Sich mit Freunden zum Kaffee treffen, einen Spieleabend zu Hause veranstalten, oder gemeinsam die Herbstluft geniessen: Was für viele eine selbstverständliche Freizeitbeschäftigung ist, ist für andere eben genau nicht selbstverständlich. Es gibt einen Haufen Leute, die gar keine Freunde haben.

Viele Junge in der Schweiz fühlen sich einsam

Jeder siebte Mann und jede zehnte Frau in den USA gibt in einer Studie an, keine Freunde zu haben. Auch in der Schweiz fühlen sich viele Personen einsam – fast 40 Prozent der Bevölkerung, laut einer Befragung des Bundesamts für Statistik. Und dies schon ab 15 Jahren.

Bereits zwei bis drei stabile Freundschaften würden reichen, dass man sich nicht einsam fühlt, sagt ein Psychologe gegenüber «20 Minuten». Die Pandemie habe das Problem der Einsamkeit verstärkt. Auf TikTok machte im September ein Video die Runde, wie ein Student erzählt, dass er wegen Corona seine Kommilitoninnen und Kommilitonen kaum kennt und sich einsam fühlt.

Online-Freunde ersetzen die realen nicht

Das Phänomen Einsamkeit zieht sich durch die ganze Gesellschaft durch, über alle Schichten und Geschlechter hinweg. Am einsamsten fühlen sich junge Leute zwischen 18 und 27 Jahren oder Personen über 45.

Heutzutage sind die digitalen Möglichkeiten riesig. Virtuelle Beziehungen aufzubauen geht schnell und relativ einfach. Eine Freundschaft über Social Media ersetzt eine solche im realen Leben aber bei weitem nicht. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass vielen eine Work-Life-Balance fehlt.

Belastend und auch gesellschaftliche Konsequenzen

Einsamkeit kann stark belastend auf die Psyche wirken. Eine Soziologin sagt zu «20 Minuten», das könne sogar negative Folgen auf die Demokratie haben. Zum einen, weil diese von der Teilnahme jeder einzelnen Person lebt. Zum anderen, weil einsame Leute eher den Anschluss im Internet suchen und diesen bei extremistischen Gruppen finden könnten.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 28. Oktober 2022 07:59
aktualisiert: 28. Oktober 2022 07:59